28.03.2018 - 15:04 Uhr
Wiesau

"Teenie-/Junger Chor" beindruckt in St. Michael Das Leiden Jesu als Musical

Eigentlich sind die Lieder viel zu schön für eine straffe Handlung, die mit der Verhaftung und der Verurteilung eines predigenden Zimmermannssohnes ihren Anfang nimmt. Immer bewusster wird, wie rasch ein römischer Statthalter, der auf Druck der Öffentlichkeit handelt, bereit ist, eine folgenschwere Entscheidung zu fällen.

Pilatus wurde von Maria-Theresia Mehler gespielt. Kim Wißgott (links) schlüpfte in die Rolle seiner Gattin. Bild: wro
von Werner RoblProfil

"Das Urteil - Pilatus und Jesus", so der Titel der nacherzählten Bibel-Geschichte, die am Sonntagnachmittag in der Wiesauer Pfarrkirche als Musical aufgeführt wurde. Sie handelt vom Kreuzestod Jesu und endet mit seiner Auferstehung nach drei Tagen. Die Idee, daraus ein Musical mit schwungvollen Melodien zu machen, hatte Markus Heusser, der auch das in Wiesau bereits gezeigte Stück "Die Königin Esther" geschrieben hat. Drei Engel, oben in der Kanzel und für alle gut sichtbar, sorgten für Spannung, auch für etwas Humor, wenngleich dieser - angesichts der sich abspielenden Szenen - eher drohte, im Hals stecken zu bleiben. "Ich weiß jetzt, dass die Statik hält", kommentierte Maximilian Roeb, Hausherr und Pfarrer von Sankt Michael, den glänzenden Regieeinfall, einen Teil des Geschehens auch nach oben in die eigens für den Nachmittag blau dekorierte Kirchenkanzel zu verlagern.

Passend zum Palmsonntag hatte sich "Teenie-/Junger Chor" zusammen mit Leiterin Christa Holm ein bemerkenswertes Werk herausgesucht, das freilich alles andere war, als es das bunte Bühnenbild zunächst erahnen ließ. Die Handlung, die seit Beginn des Jahres fleißig einstudiert wurde, ist düster, aber allen bekannt. Erwähnenswert ist die Tatsache, dass 21 singende und 10 tanzende Darsteller aus den Reihen der TB-Jahn-Gruppe "Temptation" für einen gelungenen Passions-Nachmittag im Kirchenschiff sorgten. Jesus spielte Eva Korb, einen bemerkenswerten Pilatus lieferte Maria-Theresia Mehler ab. Drei sympathische Engel - Laura Fröhlich, Julia Tretter und Stefanie Hanauer - rückten das Gespielte, besonders aber die Kreuzigung ins Blickfeld, die auf der Bühne jedoch nicht dargestellt wurde. Ein gedanklicher Schwenk hinüber zum Kreuz am Seitenflügel der Pfarrkirche und Zitate aus der Bibel ersetzten die fehlenden Szenen. Die letzten Worte Jesu wurden nachgesprochen, das Weitere an der nicht sichtbaren Kreuzigungsstätte wurde nacherzählt. Das reichte auch. Dann folgte der Ortswechsel hinüber ans bewachte und später leere Grab Jesu.

Großzügige Spenden

In den Rollen: Begabte Chorsänger, die unterstützt von Oliver Zrenner und Michael Holm an der neuen Technik nicht nur ihr Bestes gaben. Mehr noch begeisterten sie durch ihre junge und frische Art an Professionalität, die große Anerkennung und viel Beifall verdient hatte. Mit dem "Gloria in excelsis Deo" endete der melodienreiche Nachmittag nach rund einer Stunde.

Für den freien Eintritt revanchierte sich das dankbare Publikum mit großzügigen Spenden. Das Gezeigte, vor allem aber die schönen Stimmen, gefielen auch Bürgermeister Toni Dutz, der bereits einen 100-Euro-Scheck vorbereitet hatte, dann aber auch eine zusätzliche Geldspende in Höhe von nochmals 800 Euro drauflegte. Die vor kurzem neu angeschaffte Tonanlage werde man seitens der Gemeinde zu 80 Prozent mitfinanzieren, versprach er den Betrag bald nachzuliefern. Unterstützt wurde der Musical-Nachmittag nicht nur von Pfarrer Roeb, der "sein" Gotteshaus zur Verfügung gestellt hatte und Wiesau voller Respekt in die Namen bekannter Passionsspielorte einband. Hilfe bekamen die jungen Sänger um Christa Holm auch vom Mesnerinnen-Gespann Sieglinde Lang und Monika Konrad. Angepackt hatten zudem Maria Hanauer, Gabi Schuller und Bernadette Oppl. Josef Kick schoss Erinnerungsfotos. Astrid Maurer studierte zusammen mit ihren Mädels die Tänze ein. "Ihr seid einfach Klasse", hieß es am Schluss. Worte, denen sich nicht nur der Pfarrer Maximilian Roeb, sondern das ganze Publikum anschloss.

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