25.07.2017 - 20:10 Uhr
WiesauOberpfalz

Wegen baulicher Mängel: 3,7 Millionen Mehrkosten: Berufsschule teurer als geplant

An dieser Summe schluckten die Kreisräte schwer: 3,7 Millionen Euro zusätzlich kostet die Erweiterung der Berufsschule. Schuld daran sind erhebliche Baumängel im alten Klassentrakt. Es gab viele Diskussionen, aber auch einen Beschluss. Schließlich drängt die Zeit.

Freigelegt und abgestützt sind die Decken im Klassentrakt des Altbaus. Wie sich herausstellte, entspricht die Bauausführung nicht einmal den Vorschriften von 1958, geschweige denn neuesten Bestimmungen. Architektin Zita Frey (mit Mappe) erklärte dem Kreis- und Schulausschuss die Sanierung. Bild: as
von Michaela Kraus Kontakt Profil

Statt der vorgesehenen 9,3 Millionen Euro würde die Berufsschulerweiterung dann 13 Millionen Euro kosten. Während der viergeschossige Neubau weit fortgeschritten ist - Einweihung soll im Frühjahr sein - waren im Altbau aus dem Jahr 1958 ursprünglich nur kleinere Umbaumaßnahmen für ein größeres Lehrrestaurant der Gastronomieschule vorgesehen. Doch da ruhten die Arbeiten seit einem Jahr.

Beim Rückbau waren nämlich Schäden an der Rippendecke aus Stahlbeton zutage getreten. Die Statiker des Landesgewerbeanstalt stellten fest, dass die Standsicherheit und der Brandschutz nicht ausreichen. Das bestätigten die Kernbohrungen eines Spezialbüros. Erschwerend kam ans Tageslicht: Das Deckensystems entspricht nicht einmal der 1958 genehmigten Ausführung, damit entfällt der Bestandsschutz.

"Die Decken sind nicht unmittelbar einsturzgefährdet, aber wir kommen um eine möglichst kurzfristige Sanierung nicht herum", betonte Landrat Wolfgang Lippert. Er hatte die Mitglieder des Kreis- und Schulausschusses zu einer Sitzung in die Berufsschule eingeladen, um rasch zu einer Entscheidung zu kommen. "Die Gastronomieabteilung ist wesentlicher Bestandteil der Schule. Die Deckensanierung soll bis Ende Oktober beendet sein", begründete er den Zeitdruck. "Das ist ehrgeizig, aber zu schaffen." Schulleiter Dr. Wolfgang Eckstein bestand in der Sitzung auf dieser Frist: "Das ist schon für die Gehilfenprüfung der Köche notwendig." Der Oberstudiendirektor dankte der Mittelschule Wiesau für die bisherige Bereitschaft, räumlich auszuhelfen. "Wir brauchen geregelte Verhältnisse, wo auch immer", stellte er sogar einen drohenden Verlust von Fachsprengeln in den Raum.

Lüftung für Lehrrestaurant

Architektin Zita Frey vom Donauwörther Büro Obel erklärte dem Ausschuss die Maßnahmen. Demnach würde die Deckensanierung allein schon 2,1 Millionen Euro kosten. Mit den Folgeausgaben, etwa für die Neuinstallation von Elektro-, Wasser- und Heizleitungen, würde die Instandsetzung des Klassentraktes 3,7 Millionen Euro kosten. Das erweiterte Lehrrestaurant soll an die Lüftungsanlage der Küche angeschlossen werden. Die hohe Gesamtsumme und die Dringlichkeit der Entscheidung lösten lange Debatten aus. So brachten einige Ausschussmitglieder auch eine Generalsanierung oder einen Ersatzneubau ins Gespräch.

"Wir setzen hier Pflöcke für die nächsten Jahrzehnte", gab Bernd Sommer zu bedenken. "3,7 Millionen Euro sind kein Pappenstiel. Darf der Kreisausschuss das überhaupt entscheiden?", warf Franz Stahl ein, während Roland Grillmeier die Notwendigkeit eines Nachtragshaushalts ins Spiel brachte. Zu rasant ging die Entscheidungsfindung Bernhard Söllner, der "Gründlichkeit vor Schnelligkeit" empfahl. Regierungsdirektor Alfred Meyer stellte jedoch klar, dass der Auftrag zur Weiterplanung an das Architekturbüro jetzt erteilt werden müsse: "Sonst ist die Zeitschiene nicht zu schaffen."

"Bevor wir Murks machen"

Eine andere Variante brachte Toni Dutz ein. "Wir sollten genau überlegen, bevor wir Murks machen. Wir haben jetzt die Chance, etwas für die Zukunft zu schaffen, kein Flickwerk." Damit meinte er eine barrierefreie Verlagerung der gesamten Gastronomieabteilung ins Erdgeschoss, inklusive Außenbewirtschaftung. Dafür sollten die unteren Klassenräume ein Stockwerk nach oben wandern. Als Übergangslösung während einer längeren Bauzeit als bis Ende Oktober könnten die Schulen in Wiesau und Erbendorf Ersatz-Kochplätze bieten

Förderung fraglich

Bei all diesen Vorschlägen sah Kreisbaumeister Klaus Weig ein entscheidendes Hindernis: die Zusage der Förderung durch die Regierung der Oberpfalz. Entsprechende Mittel gebe es nur ohne Änderung des Raumprogramms. Die bisherige Begründung für die Mehrkosten liege im statischen Problem. "Durch eine Konzeptänderung würde eine neue Maßnahme entstehen", fürchtete er.

Vor Abweichungen warnte auch der Landrat: "Wenn alles neu ausgeschrieben werden muss, sprengt es den Rahmen." Der Zeitplan, nach den Allerheiligen-Ferien mit der Sanierung im Gastro-Bereich fertig zu sein, sei schon jetzt nur "mit Hängen und Würgen" einzuhalten, sagte Architektin Zita Frey. Der gesamte Klassentrakt könne nach den jetzigen Plänen zu Beginn des Schuljahres 2018/19 fertig sein. "Ein Ersatzneubau oder eine Generalsanierung ist nicht Gegenstand der bisherigen Berechnungen", betonte sie.

Mit Regierung klären

Letztlich beschloss der Kreisausschuss, für 3,7 Millionen Euro Mehrkosten die Sanierung fortzuführen. Allerdings soll noch mit der Regierung abgeklärt werden, ob nicht doch eine Änderung der Raumeinteilung möglich ist und das Lehrrestaurant direkt an den Außenbereich anschließen kann. Wenn ja, würde eine Sondersitzung des Kreistags folgen.

Temperaturen "unerträglich"

Im Neubau an der Berufsschule entstünden im Sommer unerträgliche Temperaturen, wie Dr. Wolfgang Eckstein im Kreisausschuss klagte. Der Schulleiter forderte eine zusätzliche Klimatisierung: "Wir können nicht ständig hitzefrei geben." Eine Klimaanlage würde die Betriebskosten erheblich erhöhen, entgegnete Architektin Zita Frey. Auch sei der installierte automatische Sonnenschutz in dem Bau bisher noch gar nicht programmiert gewesen. "Ich nehme die Hinweise ernst, aber die Hitzeentwicklung testen wir jetzt mal ein Jahr", griff Landrat Lippert in die Debatte ein. Dann könne man darüber reden, ob das Belüftungs- und Beschattungssystem zu optimieren sei. (as)

 

 

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