Im Dialog die Zukunft gestalten

Hervorragend besucht war der Neujahrsempfang der Marktgemeinde Wiesau am Samstagabend im Rathaussaal. Mit dabei auch Bundestagsabgeordneter Reiner Meier (Bildmitte). Bild: wro
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Wiesau
08.01.2017
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Für Farbtupfer sorgten beim Neujahrsempfang die Wiesauer Sternsinger. Bürgermeister Toni Dutz (links im Bild) hob in seiner Rede hervor: "Wir haben die Weichen richtig gestellt." Bild: wro

"Die menschliche Gesellschaft gleicht einem Gewölbe, das zusammenstürzen müsste, wenn sich nicht die einzelnen Steine gegenseitig stützen würden", zitierte Bürgermeister Toni Dutz den Philosophen Seneca und freute sich über den ausgezeichneten Besuch des Neujahrsempfangs.

Die "Juwies" vom Musikverein Wiesau und die Falkenberger Zoiglmusik umrahmten am Samstag den offiziellen Teil eines wieder einmal mehr als gelungenen Abends. In seiner Neujahrsansprache versprach Dutz den Zuhörern, zu alten Traditionen zurückkehren zu wollen: "Die Neujahrsempfänge finden ab 2018 wieder einen Tag vor Dreikönig statt." Daran solle nicht mehr gerüttelt werden.

"Postfaktisch" - das Wort des Jahres 2016 - stand im Mittelpunkt der Grußworte der Geistlichen. Pfarrer Max Früchtl überbrachte die Segenswünsche der Pfarrei; begleitet wurde er von einer farbenfrohen Abordnung der Sternsinger. Wie der evangelische Pfarrer Martin Schlenk bedauerte auch der katholische Priester, dass Halbwahrheiten häufig in sozialen Medien ohne Anspruch auf Realität in die Welt gesetzt würden. Ohne etwas zu hinterfragen, werde es weitergegeben, kommentiert und diskutiert. Als besonders besorgniserregend empfand Pfarrer Schlenk menschenverachtende Parolen, aber auch, wenn versucht werde, Wahlkämpfe zu manipulieren. Schlenk verwies abschließend auf das Reformationsjubiläum in diesem Jahr.

Zufrieden stellte Bürgermeister Toni Dutz fest: "Der Neujahrsempfang hat sich - wie ich finde - zu einem guten Begegnungs- und Gesprächsforum entwickelt, um sich in lockerer Runde über die Ziele für das neue Jahr auszutauschen." Dutz fuhr fort: Gerade in einer Kommune sei es entscheidend, im Dialog zu bleiben und bei wichtigen Projekten zusammenzuarbeiten. Toni Dutz zog eine positive Bilanz zum zurückliegenden Jahr: "Die Zahl der Wiesauer, die gute Arbeit haben, ist so hoch wie schon lange nicht mehr. Die meisten Schulabsolventen haben einen Ausbildungsplatz gefunden." Gut aufgestellt seien der örtliche Handel und das Gewerbe.

Integration

Der Bürgermeister stellte heraus: "Wir haben die Weichen richtig gestellt." Er versprach: "Auf diesem Weg werden wir voranschreiten." Als besondere Schwerpunkte nannte Dutz die Kinderbetreuung und die Bildung. Als nach wie vor große Aufgabe betrachte er die Integration von Flüchtlingen "Das aber bindet Mittel und Kräfte." Viele in Wiesau seien bereit, die im Ort lebenden Flüchtlinge zu unterstützen. "Sie zeigen ein bemerkenswertes Engagement", lobte Dutz deren Einsatz. Integration sei aber nur möglich, wenn der Wille dazu vorhanden sei. Notwendig sei das Erlernen der Sprache. "Auch wenn mit dem neuen Jahr eigentlich nur eine neue Jahreszahl verbunden ist, fragt man sich doch, was 2017 bringen mag", fuhr Dutz fort. Dabei bedauerte er das Fehlen von Gemeinsamkeiten in der Europäischen Union. Nationale Interessen gewännen immer mehr die Oberhand. Den "Brexit" nannte er ein Alarmsignal.

Demokratie, so Dutz, sei nicht irgendeine Staatsform. "Demokratie bedeutet Dialog." Nicht immer sei alles perfekt. Dutz hob aber hervor: "Unsere Demokratie hat sich bewährt." Demokratie brauche Menschen, die Demokratie leben, damit sie stabil bleibe und gut funktioniere. "Kommune heißt Gemeinschaft - das sind wir alle", sagte Dutz unter dem Beifall der vielen Gäste. Als Wünsche für das kommende Jahr nannte Dutz: weniger Todesfälle, mehr Geburten. "Weiter wünsche ich mir viele Arbeitsplätze im Ort, Farbe an den Häusern und möglichst wenig Einsätze für die Feuerwehren und BRK-Helfer." Den in der Gemeinde ansässigen Unternehmen wünschte er Erfolg, der Landwirtschaft gute Erträge und "anständige Preise." An Bundestagsabgeordneten Reiner Meier gewandt, bat er um reichlich fließende Zuschüsse und notwendige Gelder wie die Stabilisierungshilfen. Die Wunschliste des Bürgermeisters erstreckte sich über rund zwei handbeschriebene DIN A 4-Seiten und schloss mit der eindringlichen Bitte an alle, stets ein wachsames Auge zu haben. Als besorgniserregend bezeichnete er den zunehmenden Vandalismus im Ort. Autorennen beim Sportzentrum und blinde Zerstörungswut könnten nicht mehr einfach hingenommen werden.

Gewerbegebiet ausweisen

An anderer Stelle richtete der Bürgermeister den Blick auf "große Ziele". Als Beispiel nannte er die Erschließung des interkommunalen Gewerbegebietes. Dutz verwies aber auch auf das 60-jährige Bestehen des Musikvereins, das Bürgerfest im Sommer und auf den Nordgautag 2018. Das Gemeindeoberhaupt schloss mit einem Oberpfälzer Spruch: "Göih an sichern Wech, nou göist niat irr. Nimm's Leb'n wöis kummt, is' a nu sua schwaar. Am End' war's g'faalt, wenn's leichter waar." Mit einem "A glückselig' neis Johr" bat Dutz schließlich zum Singen der Bayernhymne. (Weiterer Bericht folgt)

Die Zahl der Wiesauer, die gute Arbeit haben, ist so hoch wie schon lange nicht mehr.Bürgermeister Toni Dutz
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