26.02.2018 - 20:36 Uhr
Wiesau

Leitung und Mitarbeiter werfen hin Kreiseinsatzzentrale: Feuer unter dem Dach

Wiesau/Tirschenreuth. Die Mitarbeiter Kreiseinsatzzentrale (KEZ) sind stinksauer. Die beiden Leiter der zur Unterstützung der Integrierten Leitstelle in Weiden gedachten Einrichtung haben ihren sofortigen Rücktritt erklärt. Und mit ihnen hat auch ein großer Teil der Mannschaft die Brocken hingeworfen. Damit ist die im Wiesauer Gerätehaus untergebrachte Krisenstelle nicht einsatzbereit. Und das schon seit 9. Februar.

von Wolfgang Benkhardt Kontakt Profil

Dieses Datum steht auf dem Rücktrittsschreiben, das die Aktiven nach einer internen Krisensitzung im Wiesauer Feuerwehrhaus verfasst haben. Die für die Arbeit in dieser Zentrale besonders geschulten Feuerwehrkameraden sind der Meinung, dass es unter den derzeitigen Vorzeichen keinen Sinn mehr macht, die Unterstützungsarbeit mit der Integrierte Leitstelle Nordoberpfalz (ILS) in Weiden fortzusetzen.

Stefan Brandl und Karl-Heinz Konrad sind die beiden Leiter der Kreiseinsatzzentrale. Sie machen aus ihrer Enttäuschung über die Entwicklung keinen Hehl. Seit Herbst 2013 gibt es die Zentrale bereits. Sie soll im Landkreis Tirschenreuth bei großen Unglücksfällen, schweren Unwettern oder anderen Katastrophen die Integrierte Leitstelle Nordoberpfalz in Weiden entlasten. Der Landkreis hat in den Umbau und die Ausstattung der entsprechenden Räumlichkeiten im Wiesauer Gerätehaus rund 130 000 Euro investiert. Mindestens einmal probt Monat probt die Besatzung seitdem den Ernstfall.

In viereinhalb Jahren gab es nur eine einzige Alarmierung - beim Orkan "Herwart" im vergangenen Herbst. Und die war nach Auskunft der Kreisleitung mehr eine Probe als ein wirklicher Ernstfall. Ein Protokoll zu einer Nachbesprechung dieses Einsatzes brachte nun das Fass zum Überlaufen. "Zwischen den Zeilen wird darin sehr deutlich, dass wir nicht gebraucht werden und auch nicht gewollt sind", schimpft Leiter Brandl.

Er und seine Kollegen hätten sich Anfang Februar aufgrund dieses Protokolls zu einer Krisensitzung im Gerätehaus getroffen. Die Einladung ging über den WhatsApp-Verteiler der Kreiseinsatzzentrale raus. Viele Kameraden kamen und sprachen sich aus. Das Ergebnis war der kollektive Rücktritt der Teilnehmer an der Sitzung. Es hätten in diesen viereinhalb Jahren genug Möglichkeiten gegeben, die Wiesauer Stelle einzubinden, wenn man das wirklich gewollt hätte, so war zu hören. Die Tatsache, dass dies nicht erfolgt sei, habe sich zuletzt auch bei der Übungsmoral gezeigt. Die Schulungen seien immer schlechter besucht gewesen. Der Frust unter den Kollegen sei direkt greifbar, berichtet Brandl.

CSU-Fraktionschef Toni Dutz machte die Differenzen am Montag in der Kreisausschusssitzung im Landratsamt öffentlich. "Da muss schon sehr viel passiert sein, so schnell werfen unsere ehrenamtlichen Feuerwehrleute nicht hin", meinte der Wiesauer Bürgermeister. Er forderte Landrat Wolfgang Lippert zu einer Stellungnahme auf.

Der Landrat bestätigte den Eingang des Rücktrittbriefs, zeigte sich aber optimistisch, dass der "Brand" noch gelöscht werden kann, zumal ihn nach eigenen Angaben die Reaktion aus Wiesau überrascht hatte. An der maßgeblichen Nachbesprechung, die nun so hohe Wellen schlage, habe er selbst teilgenommen, ließ der Landrat wissen. Die Unterredung sei eigentlich sehr zielorientiert und in guter Atmosphäre verlaufen.

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