06.04.2018 - 20:00 Uhr
WiesauOberpfalz

Naturdenkmal blieb von Unwettern nicht verschont Die Kreuzberglinde "wächst" nur noch in Erinnerungen

Alte Fotos rufen Erinnerungen wach. So mancher hütet diese Schätze wie seinen Augapfel. Werner Robl ist einer von ihnen und lässt keine Gelegenheit aus, seiner Schatzkiste weitere Fundstücke hinzuzufügen. Nun rückt er die Kreuzberglinde in den Blickpunkt.

Immer wieder schlugen Blitze ein, die nach und nach die Linde am Kreuzberg zerstörten. Was blieb war ein Betonklotz und ein rostiger Eisenring. (Foto leider undatiert). Archivbild: wro
von Werner RoblProfil

Wenn man einer alten Sage Glauben schenken darf, dann soll die Kreuzberglinde von vier jungen Bauern gepflanzt worden sein, die einen Schössling vom heute längst verschwundenen Dorf am Teichelberg zum Kreuzberg getragen haben sollen. Dass der früher sehr mächtige Baum rund 1000 Jahre alt gewesen sein soll, wie man sich in Wiesau erzählte, kann heute nicht mehr bewiesen werden. Jedenfalls - so berichtet die Chronik - beeindruckte der Baum durch seine Maße: zehn Meter Umfang und neun Meter Höhe. Sicher ist, dass gut 20 Leute im Inneren Platz fanden. Die innen hohle Linde war ein beliebter Treffpunkt der Dorfjugend, aber auch der Männer, die sich dort (im Baum) gerne zum Kartenspielen trafen. Einst besaß das Naturdenkmal zwei Hauptäste. Als sich aber die Äste immer mehr ausbreiteten und die nahe Kreuzbergkirche bedrängten, ließ man einen der beiden entfernen. 1912 wurde der Stamm ausgemauert. Man glaubte wohl, ihn damit länger erhalten zu können, weiß die Wiesauer Chronik zu berichten. In den Folgejahren wurde der Baum immer wieder von Blitzen getroffen. Eines Tages lag er zerstört am Boden und war nicht mehr zu retten. Was blieb, war ein drei bis vier Meter hoher Betonklotz, der schließlich auch weggeschafft wurde. Bereits in den 1960er Jahren war die einstige Kreuzberglinde Geschichte. Ein paar Jahre lang erinnerte eine ringförmige Anpflanzung an den einstmals beliebten Treff und das Wahrzeichen.

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