15.04.2018 - 20:00 Uhr
WiesauOberpfalz

Pläne für Revitalisierung des Wiesauer Bahnhofs Signal für Revitalisierung steht auf Grün

"Das wird ein Haus der Generationen - ein Treffpunkt für alle", schwärmt Bürgermeister Toni Dutz. Die Pläne für Revitalisierung und Sanierung des aus dem Jahr 1882 stammenden Gebäudes sowie die Umgestaltung des Umfelds nehmen immer konkretere Formen an.

Man kann sich ausmalen, welch tolle Stätte aus dem ehemaligen Restaurant wird (links). Die Bahnhofsuhr (rechts) geht noch immer sekundengenau, doch die Zeit im Schalterraum steht still.
von Norbert Grüner Kontakt Profil

Es sind einige Jahre ins Land gezogen, seit die Marktgemeinde Eigentümer des ehemaligen Bahnhofs und der Außenflächen geworden ist. "Für unter 100 000 Euro", wie Bürgermeister Toni Dutz betont, konnten 2014 das Gebäude und 2500 Quadratmeter Grund von einer Immobiliengesellschaft erworben werden. Im November vergangenen Jahres kamen noch Grundstücke im Umgriff dazu, so dass die Gesamtfläche etwa 10 000 Quadratmeter umschließt. Knapp 215 000 Euro hat das zusätzlich gekostet.

Im Bestand erhalten

Auf rund 2,5 Millionen Euro schätzen der Bürgermeister und der Verwaltungs-Geschäftsleiter Thomas Weiß die Kosten für Revitalisierung und Sanierung des Gebäudes. Für die Verwirklichung der Planungen im Außenbereich kämen noch einmal 1,5 bis 2 Millionen Euro dazu. Also ein maximales Gesamtvolumen von 4,5 Millionen Euro. Mit Fördermitteln aus der Offensive Nordostbayern, dem Stadtumbau West, vom Bezirk, dem Landkreis und weiteren Zuschussgebern rechnen sich die Bauherren ein machbares Projekt aus.

"Das Bahnhofgebäude bleibt in seinem Bestand erhalten und bekommt seinen ursprünglichen Charakter zurück", erklärt Dutz. Das heißt, hier werden wieder eine klassische Wartehalle und öffentliche Toiletten für Reisende zur Verfügung stehen. Auch eine Bäckerei, ein Café oder beides seien vorstellbar, sagen Dutz und Weiß. "Eine klassische Bahnhofsnutzung in Verbindung mit teils öffentlich und teils privat genutzten Bereichen", bringt Dutz das Vorhaben auf den Punkt. Eine Arztpraxis, ein Informationsportal, vornehmlich über die Region Steinwald-Stiftland und vielleicht ein Fahrradverleih seien ebenfalls vorstellbar.

Zudem denken Dutz und Weiß an museal genutzte Bereiche und solche, in denen auch Kulturveranstaltungen stattfinden können, zum Beispiel Dichterlesungen oder Konzerte. "Wir wollen ein lebendiges Museum", sagt Dutz. Auch das Thema Geschichte will man im neuen Bahnhof aufgreifen. Es soll erinnert werden an die Historie der Bahn in Wiesau und auch an das Grenzlager Wiesau, in dem einst neben zwei weiteren Lagern in Hof/Moschendorf und Furth im Wald Heimatvertriebene eine erste Bleibe fanden. Gleich mehrere Räume seien dafür denkbar.

Fest stehe, dass die Gemeindebücherei aus dem Rathaus in den ersten oder zweiten Stock des Bahnhofs verlegt wird. Auch für Menschen mit Handicap werde das kein Problem sein, weil das Gebäude einen Aufzug bekomme und komplett barrierefrei umgestaltet werde. Diese Freiheit ende aber an den Bahnsteigen, die der Deutschen Bahn (DB) gehören und eben nicht behindertengerecht seien. Hier hätte die Marktgemeinde schon lange die sogenannte "Regensburger Lösung" parat: ein Außenaufzug, der auf der Bahnhofrückseite bis zum zweiten Stock fährt. Von dort aus könnten die Fahrgäste dann bequem über eine Brücke zum Gleis 2 gelangen. Der entsprechende Vorschlag an die Deutsche Bahn stehe immer noch im Raum. Egal wie diese sich entscheidet, der Aufzug soll in jedem Fall an der Gebäudeaußenseite installiert werden.

Miniatureisenbahn

Über die Ikom Stiftland ist die Einstellung einer Museumsfachkraft, die alle Museen der Region betreut, angedacht. Diese neue Kraft soll von Anfang an das Museumskonzept in Wiesau mit entwerfen und den Bereich später mit betreuen. Für den Innenbereich hat der Bürgermeister einen Herzenswunsch. Um den in Erfüllung gehen zu lassen, hat er bereits mit Thomas Pürner, Inhaber der Firma Modellbau Pürner, gesprochen. Demnach soll in einem separaten Raum eine große Modelleisenbahn entstehen - und zwar keine von der Stange, sondern eine der Region angepasste.

Bei der Verwirklichung will Dutz die Stiftländer Eisenbahnfreunde und weitere Interessierte einbeziehen. Thomas Pürner hat bereits ein Modell des Wiesauer Bahnhofs. Aber das ist Dutz zu wenig. Eine Anlage, die über Jahre hinweg stetig wächst, stellt er sich vor. "Die muss die Landschaft des Landkreises zeigen und historische Strecken, wie beispielsweise Wiesau-Eger oder die Vizinalbahn zwischen Wiesau und Bärnau."

Auch für den Außenbereich gibt es viele tolle Ideen. So könnte etwa an exponierter Stelle ein Gleis aufgebaut werden, auf dem eine Lok und eine oder zwei Loren stehen, wie sie einst für den Kaolinabbau in Wiesau, dort wo heute die Waldseen sind, benutzt wurden. Gut erhaltene Exponate seien bereits vorhanden. Im Anschluss an den Bahnhof in Richtung Berufsschule ist ein neuer Pendlerparkplatz angedacht, auf dem ebenfalls bahnspezifische Gegenstände wie Gleisteile oder Weichen integriert werden könnten. In diesem Bereich sollen dann auch Ladestationen für Elektroautos und -fahrräder aufgebaut werden.

RBO bleibt

Die Regionalbus Ostbayern (RBO), die bereits Räume im Wiesauer Bahnhofsgebäude nutzt, wird dies auch künftig tun. "Nur werden diese viel schöner sein als die jetzigen", verspricht Dutz. Im Anschluss an das Bahnhofsgebäude in Richtung Berufsschule, dort wo aktuell eine Buswendeschleife ist, wird noch vor dem Pendlerparkplatz ein Busbahnhof entstehen. Von hier erreichen Reisende problemlos das Bahnhofsgebäude und den Parkplatz.

Auf die Frage nach dem Zeitplan informieren Toni Dutz und Thomas Weiß, dass noch heuer das entsprechende Planungsbüro gefunden werden soll. 2019 sollte dann, beispielsweise nach den Sommerferien, der Bau beginnen. Wenn alles optimal läuft, konnte das Projekt Ende 2020 abgeschlossen sein.

Wiesauer Bahn- und Ortsgeschichte

1864 wird der Bahn-Streckenabschnitt Weiden-Wiesau-Mitterteich eröffnet, eine kleine Station wird gebaut. Wiesau zählt 363 Einwohner. 1872 wird die Vizinalbahn nach Tirschenreuth eröffnet. 1882 fahren die ersten Schnellzüge von Berlin über Wiesau nach München. Das Bahnhofsgebäude wird gebaut. 1890 zählt Wiesau 1030 Einwohner. 1895 folgt die Erweiterung des Bahnhofsgebäudes. Um 1900 hat der Bahnhof Wiesau 14 Haupt- und Nebengleise. 1910 zählt der Ort 2087 Einwohner. Zum Ende des Ersten Weltkrieges wird die Schnellzugverbindung München-Karlsbad eingestellt. 1945 wird der Bahnhof in Eger/Cheb zerstört, die Zugverbindung ist unterbrochen. Die Zeiten der Schnellzugverbindung nach Berlin sind vorbei. 1952 werden 10 345 Güterwagen umgeschlagen. 1962 wird die Berufsschule Wiesau eröffnet. Ab 1970 ist Wiesau ein Knotenpunkt-Bahnhof für Güterverkehr, die Anlage wird modernisiert. Die Einwohnerzahl steigt auf 5415. 1979 wird die Bahnmeisterei Wiesau aufgelöst, 1981 werden nur noch 1490 Güterwagen umgeschlagen. 1986 endet der Personenverkehr nach Waldsassen, die Einstellung der Linie nach Tirschenreuth folgt 1989 . Ab 2000 wird der Güterverkehr gänzlich eingestellt, 2008 kommt es zum Neustart. 2010 hat die Marktgemeinde 4131 Einwohner, aktuell sind es knapp 4100. (tr)

Das Bahnhofgebäude bleibt in seinem Bestand erhalten und bekommt seinen ursprünglichen Charakter zurück.Bürgermeister Toni Dutz
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