Schlechtes Wetter macht Geschichtspark-Jubiläum keinen Strich durch die Rechnung
Wo die Slawen schlafen

Zwar hat die Mittelalterband ihre Musik modern "aufgemotzt", jedoch sind die Instrumente authentisch wie einst.
Vermischtes
Wiesau
02.07.2017
62
0
 
Die Parkbesucher konnten zusehen, wie die Slawen in aufwändigen Handarbeitstechniken ihre Kleidung fertigten.

Während die Frauen Handarbeiten erledigen, bauen die Männer Hütten und schmieden Werkzeuge. Die klassische Geschlechtertrennung aus dem Mittelalter ist in Bärnau wieder an der Tagesordnung. Allerdings nur im Geschichtspark, der am Wochenende mit Slawentagen fünfjähriges Bestehen feiert.

Bärnau. (ubb) Eigentlich hat Thomas Krause Feierabend, aber er öffnet seinen Marktstand wieder. Ein Kollege interessiert sich für ein Tuch. Seide schwebt diesem vor, für sein Unterkleid. Was die beiden Männer aushandeln, gilt, auch wenn der Verkauf wie in einem Theaterspiel in mittelalterlicher Kleidung stattfindet. Schließlich brauchen die Darsteller im Geschichtspark Bärnau-Tachov für ihre authentische Kleidung auch authentisches Material.

Am Samstag und Sonntag hat Krause seinen Stand hauptsächlich für die Park-Besucher geöffnet. Damit er diesen professionelle Antworten auf Fragen zu der Slawen-Kleidung geben kann, hat der Vogtländer sich viel Wissen im Vorfeld angeeignet. Der Schmied vor Ort, Roland Joas, kommt aus Mitterteich und schmiedet schon immer. "Wir gehören hier dem Rabenvolk an", erklärt er. Joas hat sein Schmiedefeuer zur vorgerückten Stunde bereits gelöscht. Auf der letzten Glut brutzeln Bratwürste. Die könnten durchgehen als Speise der Slawen, ebenso wie das Fleisch am offenen Feuer im Langhaus. Dies beteuern die Männer zumindest auf die Frage, ob das jetzt noch mittelalterlich sei, wobei sie sich ein Schmunzeln nicht verbeißen können.

Aufwändige Handarbeit

Ein langer Tag geht seinem Ende zu, an dem die "Slawen"-Frauen Handarbeiten gefertigt haben, wie das Knüpfen von Bändern nach der Haithabu-Technik. In Schleswig-Holstein habe man diese Flechttechnik in Haithabu entdeckt, erklärt eine Darstellerin. Daher der Name. Hanna Radeck aus München demonstriert am Wochenende das sogenannte Kammweben. Ihr fertiges Produkt kann sie umgehend einsetzen: Die gewebten Bänder hindern ihre warmen Beinlinge am Rutschen. Und was haben die Männer fertig gebracht? "Wir? Wir haben das Dach gedeckt, den Anbau aufgestellt, überhaupt das Haus gebaut", lachen diese.

Dann ist sie schon zu hören, die Mittelalterband "Amici Musicae Antiquae", die zum fünfjährigen Bestehen des Geschichtspark draußen vor den Toren aufspielt an diesem Abend. Was klingt wie aus früheren Jahrhunderten, sind moderne Spielleute, die gerne eine Zeitreise antreten, um mittelalterliche Musik rockig rüberzubringen.

Das kann die Gruppe sehr gut, deshalb ist der spärliche Konzertbesuch sehr schade. Aber es ist halt nicht jeder hart und stur wie ein "Wikinger", oder nach Bärnauer Vorbild besser "wie ein Slawe". Es ist kalt, es regnet, und überhaupt erweist sich das Wetter am Samstagabend leider als nicht Open-Air-tauglich. Also müssen die attraktiven Jungs in ihrem klasse Outfits und die hübsche Bauchtänzerin für einen kleinen "Haufen" tapferer Slawen-Nachfahren spielen.

Rollende Köpfe

Der Spielfreude tut das keinen Abbruch. Ebenso gehen Bier und Bratwürste, von Vorsitzendem Alfred Wolf vom Verein Via Carolina höchstpersönlich serviert, spielend weg. Bandgründer Alois Meindl präsentiert mit der "Rabenballade" sogar eine Welturaufführung, die er in "Schwabenballade" umgetauft hat. Da rollen die Köpfe, reiten Rittersleut' ohne Oberkörper nach der Schlacht weiter und überhaupt geht's im Text reichlich "brutal" ans Eingemachte.

Das sorgt für Heiterkeit, es wird gelacht und zu Meindls acht Trinksprüchen wird kräftig angestoßen. Egal, wenn's gleichzeitig in den Bierhumpen hineinregnet - ein Prosit auf den Bärnauer Geschichtspark!
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.