29.08.2017 - 17:42 Uhr
WiesauOberpfalz

Schließung schon im Februar Im Netto-Markt gehen die Lichter aus

Der Plan stößt zahlreiche Wiesauer vor den Kopf: Schon in einem halben Jahr soll der Netto-Markt schließen. Warum der beliebte und am Marktplatz konkurrenzlose Einkaufsmarkt zumacht, bleibt vielen ein Rätsel.

"Der Anbau war bereits geplant, vorgeschlagen wurden zwei Varianten", informiert Richard Eismann, Sprecher der Eigentümergemeinschaft (links), und verweist auf die Unterlagen in seinem Ordner. Die Verhandlungen blieben jedoch ergebnislos. Kein Verständnis für die Netto-Schließung zeigt Bürgermeister Toni Dutz (rechts). Bild: wro
von Werner RoblProfil

Ein geeigneter Nachmieter werde zurzeit noch gesucht, informiert Richard Eismann, Sprecher der neunköpfigen Eigentümergemeinschaft, die das Ladengeschäft seit 1993 an das Ponholzer Unternehmen vermietet. Aus der Netto-Zentrale, die sich in der Sache inzwischen auch an die Gemeinde wandte, heißt es knapp: Der bisherige Standort werde nicht weiterverfolgt. Die Nachricht, die die Eigentümer der Immobilie bereits im Februar erreichte, kam unvorbereitet. "Es gab keine Anzeichen", so Eismann auf Anfrage von Oberpfalz-Medien.

Über die Schließung wird viel diskutiert. Mit Unverständnis und Kopfschütteln reagieren nicht nur Wiesauer, sondern auch Bürger aus den umliegenden Orten, die gerne in der Filiale am Marktplatz einkaufen. Unterstützt von der Netto-Zentrale und den Eigentümern war vor rund sechs Jahren Geld in die Hand genommen worden, um zu renovieren und um den Standort weiter zu sichern. "Jetzt steht Netto Wiesau trotz Investitionen vor dem Ende", zeigt sich Eismann tief enttäuscht. "Man investiert doch nicht, um dann zuzusperren." Auf Kritik, dass der Laden nicht mehr zeitgemäß oder gar zu klein sei, habe man versucht zu reagieren. Eismann verweist dabei auf einen dicken Aktenordner, gefüllt mit ergebnislos vorgelegten Plänen und Unterlagen für eine Vergrößerung um 440 beziehungsweise 220 Quadratmeter nach Süden hin. Angekauft wurden auch Grundstücke für die Schaffung neuer Parkplätze. Erweiterungs- und Umbaumaßnahmen ohne feste Vereinbarungen aber lehnt die Eigentümergemeinschaft ab: "Wir wollen erst tätig werden, wenn wir einen gesicherten Mietvertrag haben." Eismann ergänzt: "Wir haben Gesprächsbereitschaft signalisiert." Der Standort Marktplatz passe wohl nicht mehr ins Netto-Konzept, kommentiert er die bislang fehlenden Zusagen. Sichtlich verärgert sind auch Bürgermeister Toni Dutz und Geschäftsleiter Thomas Weiß. Seitens des Rathauses habe man sich bislang ohne Erfolg eingesetzt, bedauert Dutz das bisherige Scheitern der Verhandlungen. Als Option bringt er "Netto-City"-Filialen - eine Variante für Innenstädte - ins Spiel. "Wiesau passt denen offenbar nicht mehr in den Kram", interpretiert Dutz das Verhalten des Konzerns. Mit offenem Visier macht er seinem Unmut Luft: "Ich habe kein Verständnis, ich bin im Kampfmodus." Dabei untermauert er seine Haltung mit der positiven Kundenfrequenz: "Netto Wiesau läuft." Wirtschaftliche Gründe lässt er nicht gelten. Toni Dutz, der sich den Kunden, aber auch den Verkäufern im Markt gegenüber verpflichtet sieht, bittet um Verständnis: "Mir sind die Hände gebunden." Den Eigentümern wolle er nicht in den Rücken fallen. Dutz beharrt auf dem innerörtlichen Standort: "Der Marktplatz ist attraktiv und bietet ausreichend Parkplätze. Die Filiale ist ebenerdig und barrierefrei zu erreichen." Nach draußen - an die Peripherie - gehen lehnt er kategorisch ab. Dutz ärgert das (so wörtlich) "kundenfeindliche Verhalten" gewaltig und spricht nicht nur von einer konzeptlosen, sondern auch sehr merkwürdigen Anordnung seitens der Ponholzer Geschäftsleitung. Rücksicht werde weder auf die Verbraucher, schon gar nicht auf die Vermieter genommen, schimpft er lautstark. "Benachteiligte und Verlierer sind einmal mehr die Leute auf der Straße, besonders auch die Älteren unter uns, denen die Möglichkeit zum bequemen Einkauf in der Ortsmitte kurzerhand und aus nicht nachvollziehbaren Gründen weggenommen wird." Wiesau habe seine Unterstützung angeboten. Grundstücke für einen Neubau in der Nähe seien ergebnislos offeriert worden, bestätigt auch Rathaus-Geschäftsleiter Thomas Weiß. "Die Möglichkeit dort zu bauen, wurde als nicht geeignet zurückgewiesen", bedauert Weiß und betont: Geforderte Flächen, beispielsweise im Bereich der Staatsstraße, habe man derzeit leider nicht im Angebot. Dass die Schließung besiegelt scheint, wird von der Netto-Zentrale bestätigt. Die angebotenen Ersatzflächen seien nicht geeignet, andere Grundstücke seien nicht offeriert worden. Der bisherige Standort Wiesau werde im Februar aufgegeben, so ein Sprecher auf telefonische Anfrage. Weitere Gründe nennt er nicht. Keine Angaben will er auch zur Personalsituation in Wiesau machen. Das sei eine interne Sache.

Der Marktplatz ist attraktiv und bietet ausreichend Parkplätze.Bürgermeister Toni Dutz

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