20.04.2018 - 16:32 Uhr
WiesauOberpfalz

Simon Rauch möchte mit ökologischem Gartenbau Zeichen setzen Du bist, was du isst

In kurzen Hosen und verstaubten Arbeitsschuhen flitzt Simon Rauch aus dem Treibhaus über den Hof. "Ich habe nicht viel Zeit. Wir müssen die Tomaten einpflanzen", sagt er und wischt sich einen Schmutzfleck von der Stirn. Die Gärtnerei ist nicht seine, dennoch führt er den eingeschlagenen Weg weiter.

Simon Rauch aus Grötschenreuth ist durch und durch Naturfreund. Er lebt ganz nach dem Motto "Du bist, was du isst" und seinem Ansinnen, die Welt ein bisschen besser zu machen. Auf dem Biobauernhof hält er auch sehr zutrauliche Hühner.
von Ulla Britta BaumerProfil

Leugas. Der "Kas-Wast", Sebastian Höcht, hatte auf dem Leugaser Anwesen Nummer 5 als einer der ersten Bauern überhaupt Biogemüse angeboten und so Pioniergeist bewiesen. Rauch, der junge Mann aus Grötschenreuth, ist in seine Fußstapfen gestiegen. Er zählt erst 32 Lenze. Dennoch sind seine Ziele längst klar definiert, geht es um Nachhaltigkeit, Umwelt und die Rettung der Welt.

Bereits als Kind sei er aufgeblüht, wenn er etwas pflanzen durfte, erzählt er. "Meine Mutter hat mir im Garten ein Beet überlassen. Ich war so stolz, wenn was wuchs." Diese Leidenschaft hat ihn später überzeugt, seinen Beruf als Schreiner an den Nagel zu hängen. Zuerst wollte Höcht ihn nicht bei sich arbeiten lassen. Er könne niemanden einstellen.

Also habe der Grötschenreuther unentgeltlich mitangepackt. Zuerst auf einem Feld, bald in den Treibhäusern. Rauchs Fleiß und Liebe zum Gärtnern hatte offenbar den Biobauern überzeugt. Der junge Mann durfte bleiben. Im Juni 2015 starb Höcht plötzlich im Alter von 79 Jahren. "Jetzt musste ich allein zurechtkommen." Rauch erzählt von Heidi Höcht, der Ehefrau des ehemaligen Biobauers. "Sie sagte stets zu ihrem Mann, lern' dem Buben Traktor fahren."

Inzwischen hat der 32-Jährige den Hof gepachtet und bewirtschaftet ihn ganz im Sinne des Ökopioniers von damals weiter. Dabei treiben ihn neue Innovationen ebenso an. Große Maschinen, sinniert Simon Rauch, brauche es nicht. Er zeigt auf einen vorbereiteten, kleinen Acker. Dort wolle er Gemüse per Hand ziehen und pflegen.

"Ich muss ihnen nahe sein. Ich will sehen, wie sie wachsen und was sie an Pflege brauchen. Das geht nicht vom Traktor aus", sagt Rauch. Dabei redet er mitunter über seine Gurken, Tomaten, Zucchini, Karotten, Zwiebeln oder was immer er anbaut, als seien sie seine Kinder. Der 32-Jährige hat eine klare Vision von der Welt, in der er leben möchte. Seine Wertevorstellung ist Nachhaltigkeit, der Schutz der Natur, das Arbeiten in der Freiheit und der seit der Kindheit keimende Wunsch, sich mit den lebensnotwendigen Dingen selbst versorgen zu können. Simon Rauch spricht von Glück. "Es ist nicht das Geld, das glücklich macht."

Nahe dem Wohnhaus gackern 80 Hühner und ein staatlicher weißer Hahn. Auch sie gehören zur neuen ökologischen Wirtschaft auf dem Hof Leugas 5. Rauch hat keine Probleme damit, seine Lieblinge, die ihm auf den Schoß springen, sobald er sich ihnen nähert, auch mal in den Kochtopf zu stecken. "Ich wollte vegan leben. Aber das war nichts für mich", gibt er zu. Doch alles, was es an Fleisch gebe, esse er natürlich dennoch nicht.

Rauch wirft schnell einen Blick in seinen Pflanzkalender. Die Tomaten warten aufs Pikieren, müssen ins Treibhaus. Er ist in Eile, das schöne Wetter sollte genutzt werden. Was den jungen Mann stolz macht: Seine Ideologie geht auf.

Die Leute holen gerne sein Gemüse, bestellen Kartoffel, fragen an nach junge Pflanzen für den eigenen Garten, kaufen regelmäßig die Eier seiner Hühner. "Natürlich gab es anfangs Enttäuschungen. Das gehört dazu und ich habe viel gelernt", sagt der Jungunternehmer. Der Hof ist groß. 100 unterschiedliche Gemüse-Kulturen, fünf Treibhäuser, die Ackerflächen, die Hühner und der Bioladen lassen sich nicht in einem Achtstundentag abarbeiten. "Ich habe nur Gemüse im Kopf", lacht Simon Rauch.

Nachts, nach Feierabend, habe er immer mehr, neue Ideen, wie er seinen Traum umsetzen könnte. Bisher hat Rauch seine Produkte über Bioläden vermarktet. "Ich möchte das nicht mehr. Es muss genug Abnehmer in der Heimat geben", ist er sich sicher. Was er vorhat: Er sucht nach Anteilseignern für eine Art "Bio-Gemüsekiste" (Infokasten ). Am Dienstag, 24. April, um 19 Uhr findet im Postkeller in Weiden die Gründungsveranstaltung statt.

Simon Rauch und sein Partner Andreas Gmeiner haben gute Karten. Bei der kürzlich stattgefunden Infoveranstaltung interessierten sich über 70 Leute für die Visionen dieser jungen Männer von einer besseren, gesünderen und glücklicheren Welt.

Projekt "Solidarische Landwirtschaft Stoapfalz"

Das Projekt von Biobauer Simon Rauch und Agrarökologe Andreas Gmeiner nennt sich "Solidarische Landwirtschaft Stoapfalz" (SoLaWi Stoapfalz). Es hat das Ziel, Anteilseigner wöchentlich mit biologisch erzeugtem Gemüse zu versorgen. Rauch kümmert sich um den Anbau, Gmeiner ist für Logistik, Verwaltung und Vertrieb zuständig. Die Abnehmer tragen gemeinsam die Kosten für die Produktion und bekommen dafür wöchentlich frisches Gemüse. Die "Bio-Gemüsekiste" soll in den Landkreisen Tirschenreuth, Neustadt/WN und in Weiden vertrieben werden. Etwa 100 Anteilseigner sichern mittels einem Abnehmer-Vertrag das Projekt. Nach einer Probezeit von vier Wochen kann jeder entschieden, ob er vertraglich für ein Jahr einsteigen möchte. (ubb)

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Weitere Informationen:

www.solawi-stoapfalz.de

Es ist nicht das Geld, das glücklich macht.Simon Rauch

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