14.02.2018 - 19:04 Uhr
Wiesau

Veterinärin Anika Hederer berichtet von BR-Drehtagen Tierisch im Fernseh-Einsatz

Als resolute Tierärztin mit Herz ist Anika Hederer nicht nur im Stiftland bekannt. Seit Januar sind Aktionen mit der Wiesauerin bayernweit zu sehen - jeden Montag in der Fernsehdokumentation "Tierischer Einsatz Bayern".

Eine Tierarztpraxis mit Warte- und Behandlungszimmer sucht man bei Anika Hederer vergeblich. Ihr Auto ist Fortbewegungsmittel und Apotheke zugleich. Ein Fach (oben links) ist für Süssigkeiten reserviert, die sie an die Kinder verschenkt. Bild: wro
von Werner RoblProfil

Angefangen hat alles mit einer Meldung im Deutschen Tierärzteblatt, erzählt die Landtierärztin. Anika Hederer (39) lebt mit ihrer Familie am östlichen Ausläufer des Wiesauer Kreuzberges. Eine Praxis mit Anmeldung und Wartezimmer gibt es dort aber nicht. Die verheiratete Mutter zweier Kinder (7 und 9) ist mit ihrer fahrbaren Praxis, inklusive Apotheke, im weiten Umkreis viel unterwegs. Dabei hat sie vergangenes Jahr ein Kamerateam begleitet. Gemeinsam mit anderen erfahrenen Kollegen und drei angehenden Veterinären ist sie noch zwei Mal am Montag um 20.15 Uhr (19. und 26. Februar) im Bayerischen Fernsehen zu sehen.

Anrufe ereilen sie bis aus Selb, Weiden oder Regenstauf. Ihr Weg führt sie nach Oberviechtach oder auch aber auch mal "nur" nach Pressath. Feierabend? Hederer lacht: "Man macht ordentlich Kilometer. Wenn's sein muss, fahre ich auch mitten in der Nacht. Wenn das Telefon läutet, bin ich auf Adrenalin." Bereits im Kindesalter überraschte sie ihre Eltern mit dem Berufswunsch, Tierärztin zu werden. Anika Hederer machte am Stiftland-Gymnasium in Tirschenreuth Abitur. Danach folgte das Studium in Leipzig. 2011 wurde die rollende Praxis schließlich eröffnet. Die Wiesauerin ist seitdem tierisch oft im Einsatz.

Umgang mit großen Tieren

"Etwas anderes als der Umgang mit großen Tieren kam bei mir nie in Frage", sagt die Veterinärin, die seit Jahresbeginn nicht nur im Ort für Gesprächsstoff sorgt. Schuld daran ist das Bayerische Fernsehen, das für die Serie Anika Hederer ausgesucht hat. Neben der Famulantin Ines aus Straubing, die in der Früh anrückte und die Wiesauerin auf den Touren zu den vierbeinigen Patienten begleitete, traten die angehenden Tierärzte Anna und Christian auf.

Doch wie kam es dazu, dass eine Landtierärztin aus dem Steinwald nach einer kurzen Meldung in einer Fachzeitschrift ins Blickfeld des Bayerischen Fernsehens rückte? "Der Kontakt kam nicht durch mich zustande", verweist Anika Hederer auf die erste Verbindung vor bereits sieben Jahren durch das Tierärzteblatt, den "Grünen Heinrich". Einmal im Jahr erscheint darin eine lange Statistik, wie viele Tierärzte wo niedergelassen sind.

Alleinstellungsmerkmal

Und dann gab es dort eine Spalte mit Angaben wie eigene Großtierpraxis, mit Besamung, in Bayern, Frau, zwischen 30 und 40: "Die einzige Frau, die darin auftauchte, das war halt ich. Damit fing alles an." Offenbar hatte auch der BR von diesem "Alleinstellungsmerkmal" aus der Oberpfalz Wind bekommen. "Wenig später entstand die Idee, eine Serie mit außergewöhnlichen Tierärzten zu machen", erinnert sich die Wiesauerin und bedauert, dass das Vorhaben nach Probeaufnahmen gleich wieder "in die Tonne geklopft" wurde.

Doch 2015 gab es einen Wechsel in der Chefetage der Redaktion und man überprüfte alles Weggeworfene neu. Eines Tages läutete das Telefon und der neue Redaktionsleiter fragte in Wiesau an, ob die Veterinärin wieder dabei sein will. Damit war der "Tierische Einsatz Bayern" geboren, fortentwickelt von Regisseur Michael Gärtner. Studenten der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität wurden hinzugefügt, die Arbeit von erfahrenen und angehenden Tierärzten rückte in den Fokus.

Plötzlich ganze Staffel

"Aus einer einzigen Sendung wurde urplötzlich eine Staffel mit acht Folgen", berichtet Anika Hederer. Anders als vor sieben Jahren brauchte es jedoch einige Überredungskünste des Regisseurs: "Der Michi Gärtner war dermaßen eloquent, der hat mich einfach überzeugt." Entspannt erzählt sie von den fünf nicht zusammenhängenden Drehtagen in Abstimmung mit den angehenden Tierärzten und dem dreiköpfigen Team vom Bayerischen Fernsehen. "Nicht jeder der besuchten Landwirte war bereit, im Film zu erscheinen." Darauf habe das Filmteam stets Rücksicht genommen. "Die Männer warteten halt dann brav draußen, während ich meiner Arbeit nachging." Von "total entspannten" Filmaufnahmen erzählt die Wiesauerin, die allerdings nicht immer versteht, warum die eine oder andere interessante Szene herausgeschnitten wurde und dafür ihr unwichtiger erscheinende Dinge gezeigt wurden. Begleitet wurde die Landtierärztin von den Kameraleuten Thomas Rode oder Roland Dietl, die sie auch als "begnadete Drohnenpiloten" beschreibt, und Maximilian Rödel, der für den Ton verantwortlich war. Ein Anruf von ihr genügte: "Sie waren auf Abruf bereit."

Beim Drehen vergesse man rasch das Drumherum: "Ich war selber überrascht, was ich alles von mir gegeben habe." Da nicht alle Szenen zusammenhängend gedreht wurden, musste peinlichst auch auf Kleinigkeiten wie zum Beispiel die gemeinsam mit der Tochter gestaltete Fingernageldeko von Anika Hederer geachtet werden. "Dann hab ich halt in der Nacht vor den Drehstunden Blumen und Schmetterlinge geklebt, weil das hübsche Zeug auf den Fingernägeln plötzlich fehlte."

Realistische Darstellung

Die Arbeitsabläufe wurden realistisch dargestellt, fasst die Tierärztin zusammen. Die Reaktionen fielen durchwegs positiv aus: "Du bist im Fernsehen wie immer", war in einigen der vielen Kurznachrichten gleich nach Folge eins zu lesen. "Ich wüsste auch gar nicht, wie ich anders sein sollte", zuckt die Stiftländerin mit den Schultern. Die abschließende Frage, ob sie als Landtierärztin glücklich ist, beantwortet sie schnörkellos im Dialekt: "Ja, scho!"

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