12.12.2017 - 15:46 Uhr
WindischeschenbachOberpfalz

Junger Rottaler-Hengst wird bald zur Zucht zugelassen "Monaco" darf Papa werden

Den Fototermin kommentiert "Monaco" mit gutmütigem Schnauben. Neugierig blickt er in die Kamera, als ob er ganz genau wüsste, dass es heute nur um ihn geht. Besitzer Bernhard Käß freut sich, dass sich der Hengst so gut entwickelt hat. Nach der zweiten Köring-Prüfung kann er ihn zur Zucht seiner Rottaler-Pferde einsetzen.

Rottaler-Hengst "Monaco" blickt neugierig in die Kamera. Besitzer Bernhard Käß, Bettina Schieder und Ulrike Kost freuen sich, dass das dreieinhalbjährige Warmblut bald als Deckhengst eingesetzt werden kann. Bild: mic
von Michaela Lowak Kontakt Profil

Neuhaus/Klobenreuth. Das scheint auf den ersten Blick nichts besonderes, doch die Rottaler gehören einer vom Aussterben bedrohten Pferderasse an und sind auf der roten Liste der bedrohten Haustierarten aufgeführt. Weltweit gibt es nur noch 80 Tiere. Der Förderkreis der Rottaler Pferde, der sich vor 15 Jahren gegründet hat, will dem entgegen wirken. Ein Großteil der Pferde gehört Besitzern in der Oberpfalz und in Oberfranken. Teil eins der Körung-Prüfung hat "Monaco" schon mit Bravour bewältigt. Wenn er in den nächsten Monaten noch den zweiten Teil erfolgreich absolviert, kann er für die Zucht eingesetzt werden. Der dreieinhalbjährige Hengst steht auf dem Hof von Andreas Füssl und Ulrike Kost in Klobenreuth. Dort hat Käß noch einen weiteren Rottaler-Hengst eingestellt.

Geschlechtertrennung

Seine Stuten leben am Lindenhof bei Neuhaus. Die Geschlechtertrennung ist ganz bewusst gewählt. "So ist es ruhiger im Stall", erklärt Bettina Schieder schmunzelnd. Auch ihre Rottaler-Stute hat sie in Lindenhof untergebracht. Ebenso wie Käß gehört sie dem Förderkreis an und ist ein leidenschaftlicher Anhänger der alten Pferderasse. Dass die Rottaler Pferde fast verschwunden wären, lag daran, dass viele nur noch ein Sportpferd züchten wollten. Hannoveraner und Holsteiner flossen mit ein. "Und irgendwann gab es nur noch das süddeutsche Warmblut", bedauert Schieder.

Bernhard Käß kam durch Zufall zu den Rottaler Pferden. "Ich hatte früher schon Pferde und habe wieder eines gesucht." Als er sich letztendlich entschieden hat, informierte ihn der Vorbesitzer so nebenbei: "Übrigens, das ist ein Rottaler." Erst dann habe er sich mit der Problematik näher befasst und mit der Zucht begonnen. "Wir werden immer ein bisschen belächelt", erzählt Käß. Doch der Erfolg gibt ihm Recht. "In den vergangenen 15 Jahren hatten wir ungefähr 10 Fohlen." 2017 sind 8 Stuten gedeckt worden. "Mal schauen, wie viele Fohlen auf die Welt kommen."

Viel Training

Um "Monaco" für die zweite Körung-Prüfung die fit zu machen, bedarf es viel Geduld und Training. Deshalb überlegt Käß den Hengst für 2 Monate in Moritzburg unterzubringen. Auf den sächsischen Landgestüt in der Nähe von Dresden könnte der Hengst alles lernen, was er für die Prüfung braucht. Dazu gehört ein Wesenstest, bei dem das Pferd zeigen muss, dass es sich beispielsweise nicht vor Luftballons oder einem Regenschirm fürchtet. Weitere Anforderung sind unter anderem einen Schlitten mit Gewicht ziehen, dreimal anhalten, dreimal stehen bleiben. "Damit wird getestet, ob das Pferd dabei ruhig ist oder die Bewegungen hektisch ausführt", erklärt Bettina Schieder.

Der Förderkreis, dem 55 Mitglieder angehören, rührt fleißig die Werbetrommel und geht mit den Rottalern immer wieder in die Öffentlichkeit: Dazu zählt die Grüne Woche in Berlin, der Rosstag in Neusath oder das Zentrale Landwirtschaftsfest in München. Bettina Schieder hat sich in die Rottaler Pferde regelrecht verliebt: "Es gibt auch viele andere tolle Pferde. Doch für mich sind es die besten. Sie sind sehr entspannt im Gelände, man kann mit ihnen auch Kutsche fahren, voltigieren oder sie als Therapiepferd einsetzen."

In den vergangenen 15 Jahren hatten wir ungefähr 10 Fohlen.Bernhard Käß

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