03.11.2017 - 20:32 Uhr
WindischeschenbachOberpfalz

Susanne Hartmann gibt Lotte, Lucki und Gustl ein neues Zuhause Ponyglück mal drei

Wenn's regnet, bleiben Lotte, Lucki und Gustl lieber im Stall. Als es vor ein paar Wochen bei der Pferdesegnung in Trevesen zu tröpfeln anfängt, muss sich Susanne Hartmann mit ihren Ponys in einem Bushäuschen unterstellen. Die 28-Jährige besitzt noch zwei große Pferde, doch die Kleinen sind ihre Leidenschaft.

Die Ponys Gustl, Lotte und Lucki (von links) genießen ihr Leben unter der Obhut von Susanne Hartmann. Alle drei kämpften mit widrigen Bedingungen, bevor die 28-Jährige sie aufnahm. Bild: mic
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Von Michaela Lowak

Jedes der Ponys hat ein Schicksal hinter sich und darf nun bei Susanne Hartmann ein glückliches Pferdeleben führen. "Gustl kam 2012 zu mir", erinnert sich die Tierliebhaberin. "Ich habe ihn auf dem Tierschutzhof Oberpfalz in Wörth an der Donau entdeckt." Dort haben die Hartmanns Sachspenden hingefahren, um die Arbeit der ehrenamtlichen Helfer zu unterstützen. Susanne ist zu diesem Zeitpunkt auf der Suche nach einem dritten Pony. Als sie das Pferdchen sieht, ist es um sie geschehen. "Ich habe mich verliebt", gibt sie zu.

Gustl heißt zu diesem Zeitpunkt noch Gustje und stammt aus Belgien. Die Polizei hatte kurz zuvor bei Regenstauf einen Tiertransporter gestoppt. Auf der Ladefläche drängten sich nicht nur fünf Großpferde, sondern auch drei Ponys. Alle Tiere waren in den Laster regelrecht hineingestopft worden. Der Lkw sollte die Pferde zum Schlachten nach Rumänien bringen. Warum das Shetlandpony geschlachtet werden sollte, ist Susanne heute noch ein Rätsel. "Er war kerngesund." Die Wunde am Kopf, die er sich beim Transport zugezogen hatte, verheilte schnell, doch bis der kleine Kerl wieder Vertrauen fasste, dauerte eine Zeitlang. "Er war sehr kopfscheu und fürchtete sich vor Männern." Die Tierschützerin vermutet, dass er recht grob in den Lastwagen gezogen wurde. Im Laufe der Jahre schüttelt Gustl seine Ängste ab und findet es ganz normal, wenn er gelegentlich von Susannes Bruder oder Vater versorgt wird. "Auch vorm Hufschmied hat er keine Angst mehr."

Belgier in der Oberpfalz

Das Shetlandpony kämpft in den ersten Monaten bei den Hartmanns noch mit einem weiteren Problem. Er kann mit dem Oberpfälzer Dialekt nichts anfangen. In seinem früheren Leben reden die Menschen mit ihm französisch. Doch auch das gehört der Vergangenheit an. Der Belgier entwickelt sich zu einem echten Oberpfälzer, der sich mit seinen zwei- und vierbeinigen Freunden bestens versteht.

Während Gustl relativ pflegeleicht ist, muss Pferdeoma Lotte ganz besonders umsorgt werden. "Wie alt sie genau ist, wissen wir nicht", bedauert Susanne Hartmann. "Eventuell ist sie sogar noch vor 1985 geboren." Der Tierarzt schätzt das Alter zwischen 30 bis 40 Jahre. "Sie ist eine sehr alte Dame mit einer schlimmen Vergangenheit", blickt Susanne zurück. Bevor Lotte 2009 nach Windischeschenbach kam, stand sie in einem Verschlag ohne Licht. Sie hatte Haken an den Zähnen und die Rippen traten hervor. Durch eine Zahnfehlstellung war sie nicht in der Lage, Futter aufzunehmen.

Die Hartmanns lassen die Zähne zwar richten, doch Heu kann Lotte dennoch nicht fressen. Die Seniorin bekommt stattdessen Heucops. Das zu Pellets gepresste Heu wird mit Wasser angerührt, und diesen Brei kann das Pony schlabbern. Dazu darf die alte Stute am Abend in eine eigene Box. "Sie hat dann die ganze Nacht Zeit, aus ihrer Schüssel zu fressen", erklärt die 28-Jährige. "Und die anderen können ihr nichts wegnehmen." Auch Gustl und Lucki würden die leckeren Heucops schmecken. Außerdem bekommt Lotte täglich eine Tablette gegen das Cushing-Syndrom, eine Hormonstörung. Wenn es kälter wird, packt die Pferdefreundin ihre Lotte in eine Decke. "Tagsüber trägt sie eine Thermo-, nachts eine Stalldecke."

Kein Jungspund

Der dritte im Bunde heißt Lucki und ist blind. Er verlor sein Augenlicht durch eine Infektionskrankheit. Der kleine Kerl lebte bis vor einigen Jahren auf der Schweinmühle. Besitzer Hans Senft hatte sich Sorgen gemacht, dass der Trubel auf dem Ferienhof für Lucki zu viel sein könnte. Auch Susanne Hartmann bestätigt: "Viele streichelnde Kinder und ein blindes Pony - das war auf Dauer zu riskant für beide Seiten." Auch Luki ist kein Jungspund mehr. Er wird auf 20 Jahre oder älter geschätzt. Trotz seiner Sehbehinderung findet er sich gut zurecht. In seinem Stall, von dem aus er nach draußen kann, wann immer er will, kennt er sich aus. Wenn die Kleinen auf die Koppel dürfen, werden nur Gustl und Lotte geführt. Lucki orientiert sich am Hufgeklapper der anderen und trottet problemlos hinterher.

Ausflug nach Trevesen

Die beiden älteren Ponys dürfen im Stall einen geruhsamen Lebensabend verbringen. Sie werden weder geritten noch müssen sie sonst irgendwelche Leistungen bringen. "Mit dem Gustl versuche ich gelegentlich Sulky zu fahren", erzählt Susanne. Doch alles geschieht ohne Leistungsdruck. Bei der täglichen Versorgung der Pferde hilft Mutter Monika, wo sie nur kann. Sie schaut meist am Morgen nach den Pferden, die Tochter übernimmt die Abendschicht. Monika Hartmann war auch mit dabei, als Susanne mit ihren drei Kleinen nach Trevesen zur Pferdesegnung gefahren ist. "Das ist für uns eine Art Jahresausflug", schmunzelt Susanne. Die Pferdchen würden brav im Hänger fahren und auch in Trevesen würden sie die vielen Streicheleinheiten, die sie bekommen, regelrecht genießen.

Vor kurzem absolvierte die Windischeschenbacherin einen Lehrgang zum Pferdewart im Almesbach. Dort lernte sie "alles, was man über argerechte Pferdehaltung wissen muss". Themen sind unter anderem die Fütterung, Krankheiten und Erste Hilfe. "Das war mir wichtig, denn jedes Tier hat andere Bedürfnisse." Und wer wüsste das nicht besser, als eine Pferdeliebhaberin, die vom Schicksal gebeutelten Ponys ein neues Zuhause gibt.

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