Bissiges Politik- und Gesellschaftskabarett mit der Buschtrommel
Spaß mit Tiefgang

Ein breit gefächertes Programm mit Tiefgang präsentierte "Die Buschtrommel" mit Britta von Anklang und Andreas Breiing (von rechts) mit "Dumpf ist Trumpf". Ob rechts ob links oder geradeaus: So manche Dumpfbacke wurde auf die Schippe genommen.
Kultur
Windischeschenbach
26.03.2017
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Beten für einen höheren Spitzensteuersatz: Ein breitgefächertes Programm mit Tiefgang präsentierte die "Buschtrommel" mit Britta von Anklang und Andreas Breiing (von rechts). Die beiden nahmen so manche Dumpfbacke auf die Schippe. Bild: prh

Das Münsteraner Kabarett-Duo Britta von Anklang und Andreas Breiing zieht am Samstag das Publikum auf der Futura-Kleinkunstbühne mit Witz und Scharfsinn in seinen Bann - und das humoristisch, schauspielerisch und musikalisch auf höchstem Niveau. "Die Buschtrommel" liefert ein Programm mit Spaß, Tiefgang und Potenzial für Diskussionen.

Duo trumpft auf

Zu Beginn wird getrommelt, am Ende gesungen, dazwischen mal getanzt. Ein AfD-Politiker stellt sein Wahlprogramm vor und hält eine flammende Rede über deutsche Tiere in deutschen Zoos. Dabei mutiert er zum Führer mit schwarzem Klebestreifen-Schnäuzer. So trumpft "Die Buschtrommel" kabarettistisch auf und entführt das Futura-Publikum in ihr Universum: "Dumpf ist Trumpf. Ob rechts, ob links: Hauptsache, geradeaus."

Eigentlich steht "Die Buschtrommel" für bissige Politsatire. Bereits zum siebten Mal ist das Duo in Windischeschenbach auf der Bühne, allerdings erstmals in neuer Besetzung. Nach dem Ausstieg von Ludger Wilhelm steht die studierte Sängerin Britta von Anklang an der Seite von Gründungsmitglied Andreas Breiing. Damit hat sich auch der Stil des Kabarett-Duos geändert. Es baut komödiantische und exzellente Gesangselemente ein, die ankommen. Breiing rapt zum Cajón-Rhythmus seiner Partnerin, des "rheinischen Trömmelschen", über den Weltuntergang oder schickt als "Referent White" angesichts dumpfer Politikertypen wie Trump und Erdogan und "Plastiksatans" wie "Kaiser's" und "Aldi" Hallelujas in den Himmel. Von Anklang glänzt als heiße Flamencotänzerin und Sängerin.

Aber auch die bissige Politik- und Gesellschaftssatire kommt natürlich in dem Programm nicht zu kurz. Sie ist seit Gründung der Gruppe deren Markenzeichen. Da geht es zunächst um Milliardäre. Das Publikum darf die Spitzensteuersätze erraten, genauso wie die Summe der Organtransplantationen beim Thema chinesische Organmafia oder die tägliche Milchmenge der Kuh "Elsa".

Nazi-Vergleich retour

Den schäbigen Milchpreis bestimmen die Konzerne, und BVB- und Schalke-Fans werden gegeneinander ausgespielt: "Der Unterschied zwischen einem Handwerker und Schalke liegt darin, dass der Handwerker Meister werden kann." Den Nazi-Vergleich geben die beiden an den türkischen Präsidenten zurück. Er fährt als Dienstwagen einen Mercedes, genauso wie Adolf Hitler damals.

Die Themen sind breitgefächert. Auf den Möhren knabbernden Veganern folgt der holländische Campingsong, um gleich danach der Flüchtlingsproblematik zu weichen. Die "frigiden Pegiden" lieben Schlammcatchen, und beim "A-R-Sch", einem Schwimmwettbewerb zum Asylrechts-Schnellverfahren, bleibt den Zuhörern das Lachen im Hals stecken. Immer wieder streuen die beiden Künstler bitterböse Pointen und Erkenntnisse ein.

Es ist ein ernstzunehmender Spaß mit erheblichem Tiefgang, der am Ende mit großem Beifall belohnt wird. Auch wenn man manchmal den Eindruck gehabt hat, dass der Funke nicht richtig auf das Publikum überspringen wollte: Die kabarettistischen Botschaften in dem abwechslungsreichen Programm kommen an.

Am Ende singt von Anklang "Time to Say Goodbye", und Breiing sagt "Tschüs" zu einem Donald Trump, der lieber Mauern errichten lässt als sie abzubauen, und zu einem türkischen Präsidenten, der seine Kritiker so sehr liebt, dass er sie einsperren lässt, bevor sie ihn einsperren.
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