18.06.2014 - 00:00 Uhr
WindischeschenbachOberpfalz

Christine Schneider schreibt Buch über Verlust ihrer Tochter Steffie - Diagnose Leukämie: Von Hoffnung, Mut und Trauer

Auf den ersten Blick ein ganz normaler Alltag im schmucken Haus von Christine und Willi Schneider am Stadtrand von Windischeschenbach. Im gepflegten Vorgarten grünt und blüht es, die Hausherrin kommt gerade vom Dienst als Krankenschwester in einer geriatrischen Klinik nach Hause. Ein ganz normaler Tag, möchte man meinen - doch seit Juli 2012 ist nichts mehr so wie vorher. Tochter Stefanie starb im Alter von 24 Jahren an Leukämie.

Christine Schneider versuchte, den Leidensweg ihrer Tochter Stefanie in einem Buch zu verarbeiten. Ehemann Willi stand ihr in den schweren Zeit immer zur Seite. Bild: wrt
von Inge WürthProfil

Im Juni 2011 erfuhr Stefanie von der schockierenden Diagnose. Über ein Jahr lang erlebte die Familie ein Auf und Ab von Hoffnung und Tiefschlägen. Christine Schneider hat über diese Zeit ein Buch geschrieben "Voller Hoffnung gekämpft - Diagnose Leukämie". Sie will mit ihren Erfahrungen Menschen erreichen, die Ähnliches erleben oder erlebt haben, möchte Hoffnung machen, Trost spenden und anderen Betroffenen weitergeben, dass es auch glückliche Situationen gab, so wie beispielsweise die Hochzeit ihrer Tochter Steffi mit Bräutigam Armin im Mai 2012. Schon während der Krankheit der Tochter führte die Mutter eine Art Tagebuch über den Verlauf der Behandlung, jedoch in keinem Moment mit einem Gedanken daran, dass die Krankheit anders als gut enden könnte.

Hoffnung nie aufgegeben

Diese Aufzeichnungen unterstützten die Autorin zwar beim Schreiben des Buches, jedoch auch ohne diese Hilfe ist - wie die Mutter erzählt - jeder einzelne Tag und Abschnitt der Krankheit unauslöschlich ins Gedächtnis geprägt. Auch ohne Notizen kann sie sich an alle Behandlungen, Rückschläge, Therapieabschnitte und Termine erinnern. Dabei, so betont sie, war bis zwei Tage vor dem Tod der Tochter immer ohne Zweifel klar, dass das Ganze ein positives Ende nehmen musste und würde.

Weder die Familie noch die Tochter verloren Hoffnung und Zuversicht. "Vor allem Steffi stellte sich allen Situationen mit der für sie typischen Fröhlichkeit und Offenheit", erzählt Christine Schneider. Chemotherapie, die verschiedensten Medikamente, die Stammzellen-Transplantation, Rückschläge, Abstoßungsreaktionen, ein Lymphom, das wieder verschwand - Höhen und Tiefen in einer Zeit, von der die Mutter im Rückblick sagt: "Ich weiß nicht, wie wir das geschafft haben. Aber man tut in einer derartigen Situation einfach das, was getan werden muss."

Die Krankheit der Tochter bestimmte das Leben. Zum einen war da die psychische Belastung, Angst und Sorge um Steffi, aber auch das praktische Managen des Alltags: bei Klinikaufenthalten die regelmäßigen Besuche, die aufwendigen Putzaktionen, immer wenn Steffi nach Hause durfte. Ihr Umfeld sollte so steril wie möglich sein, deshalb wurde ständig geputzt und gewaschen und der Koch- und Speiseplan so umgestellt, dass die Tochter nicht mit möglichen Keimen und Bakterien in Berührung kam. Eine ganze Reihe von Nahrungsmitteln, angefangen von Salaten und Rohkost waren tabu.

Hochzeit am 5. Mai 2012

Die Familie sah optimistisch in die Zukunft, und am 5. Mai 2012 feierte sie mit vielen Freunden, Verwandten und Bekannten die Hochzeit von Stefanie und Armin. Viele Familien-Fotos in der Wohnung der Schneiders zeigen das strahlende glückliche Paar.

Die Schneiders erinnern sich, wie das gesamte Ärzte-Team zusammen mit der Patientin auf den Heiratstermin hin arbeitete und alles tat, damit Steffi bis dahin fit war. Vier Wochen Zeit war dem jungen Ehepaar und der Familie vergönnt, bis Stefanie nach erneuten Problemen wieder in die Klinik musste. Eine Nebenerscheinung der Krankheit - ein Pilzinfekt - wurde ihr schließlich zum Verhängnis. Der Pilz kann verschiedene Organe und Körperteile befallen und teils undramatisch behandelt werden. Bei Steffi stieg er fatalerweise ins Gehirn. Die junge Frau starb am 12. Juli 2012 im Alter von 24 Jahren.

Vom März bis September 2013 schrieb Christine Schneider auf, wie sie die Krankheit der Tochter erlebt hat. Abends setzte sie sich hin, musste sich zuerst aufraffen, sich wieder mit den schmerzlichen Details zu konfrontieren, stellte dann aber fest, wie die Worte mit der Zeit von selbst auf das Papier flossen.

Mut machen

Ob ihr das Schreiben half, die Tragödie zu verarbeiten, weiß sie noch nicht, zu präsent sind die Geschehnisse. Vorerst ist ihre Intention, anderen Menschen Mut zu machen. Auch konnte sie sich nicht überwinden, das Geschriebene noch einmal zu lesen und bedauert, dass deswegen vielleicht der eine oder andere der vielen Menschen, die Anteil genommen haben, nicht erwähnt wurde.

Es ist ihr aber ein Bedürfnis, all denen zu danken, die es gut meinten, stellvertretend für alle die Freundin, die auf dem Jakobsweg einen Stein mit den Anliegen der Familie niederlegte. Bei Steffi trafen viele unglückliche Umstände zusammen, meint die Familie, aber die Krankheit kann auch ein gutes Ende nehmen und besiegt werden. "Voller Hoffnung gekämpft - Diagnose Leukämie" - ein bewegendes Buch, nicht nur für Betroffene.

 

 

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