10.09.2017 - 20:00 Uhr
WindischeschenbachOberpfalz

Der Kabarettist Frederic Hormut serviert ein Programm mit augenzwinkerndem Schalk Klappe halten und trotzdem reden

Die Rollen sind am Freitagabend beim Start in den zweiten Teil der Futura-Saison klar verteilt: Das Publikum hält die Klappe, reden tut nur der Kabarettist Frederic Hormuth auf der Bühne. Ein paradoxer Titel in paradoxen Zeiten wird zum Programm.

Frederic Hormuth serviert dem Futura-Publikum ein kabarettistisch geschliffenes und erheiterndes Programm. Bild: prh
von Hans PremProfil

"Halt die Klappe - wir müssen reden" ist unterhaltsam und humorvoll, liefert Denkanstöße, begeistert das Publikum. Der Heppenheimer Kabarettist spricht Klartext: geschliffen, erfrischend und glänzend recherchiert. Er präsentiert wortgewaltig Wahrheiten und Pointen, die sowohl überraschen als auch erheitern und teilweise auch betroffen machen. Oftmals zäumt er das Pferd von hinten auf, vermittelt dem Publikum Vorfälle aus einem ganz anderen Blickwinkel und kommt zu Ergebnissen wie diesem: Martin Schulz wird niemals Kanzlerin, und an allem sind nur die Rothschilds schuld. Dass Meinungen weit auseinandergehen können, stellt Hormuth gleich zu Beginn des Abends fest. "Manche meinen, Impfungen machen krank und Horst Seehofer macht einen guten Job. Ich meine, es ist anders rum".

In Zeiten, in denen im Lande der Meinungskampf zwischen Abendlandrettern, Morgenmuffeln, Bio-Burgern, Veganern, Reichsbürgern und Dieselaffäre tobe, rechtes Gedankengut durch Nazis, AfD und Pegida wieder auf fruchtbaren Boden falle, sei er nicht still, und alle, die so etwas nicht haben wollten, sollten es auch nicht sein. Das ist seine Botschaft. Dazu liefert er dem Publikum kabarettistisch brillant sezierte Denkanstöße, ohne plump oder beleidigend zu werden. Seine Pointen serviert er trocken und teils deftig, dass einem hin und wieder das Lachen im Halse stecken bleibt.

Punktgenaue Polit-Analysen wechseln rasant mit die Gesellschaft bewegenden Aspekten. Themen wie die Flüchtlingsdebatte oder das Burnout erzeugende Hamsterrad der modernen Gesellschaft nimmt er gehörig aufs Korn. Und wer soll es am Ende rausreißen? Die Bundeswehr. Im Inneren, versteht sich.

Aufgelockert wird das Programm immer wieder mit musikalischen Einlagen. Darin verpackt er seine kabarettistischen Respektlosigkeiten über die Wahrheit, Helikoptereltern die über ihrer Brut schweben, oder den Vorsatz, dass ab heute alles anders wird. Dabei wird klar: Hormuth ist nicht nur ein glänzender Kabarettist, sondern auch ein begnadeter Pianist.

Am Ende freut sich Hormuth wieder einmal über einen "schönen, kleinen Abend bei der Futura", bei der er bereits zum dritten Mal zu Gast war. Seinem Publikum gibt er die Tatsache, dass Demokratie nix für Feiglinge ist, mit auf den Heimweg, aber nicht bevor er noch eine begeistert erklatschte Zugabe gibt. Das umwerfende Lied vom "Honigbrot" vergnügt noch einmal enorm.

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