Futura-Gründer Erwin Schlott stirbt im Alter von 82 Jahren
Eine schillernde Figur in aller Bescheidenheit

Erwin Schlott bei der Ausstellung seiner eigenen Werke 2003 in der "Artothek/Futura 87". Bild: nt/az
Kultur
Windischeschenbach
02.01.2017
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Seine Erscheinung war imposant. Ein Baum von einem Mann mit tief tönender, aber nie lauter Stimme. Wenn Erwin Schlott fesselnd über Kunst und Kabarett sprach, hörten nicht nur seine eigentlichen Gesprächspartner zu. Auch alle Umstehenden lauschten den Geschichten des Mannes, der unfreiwillig mal wieder im Mittelpunkt stand, obwohl ihm das eigentlich nicht so richtig lag.

Und Schlott, der am Samstag im Alter von 82 Jahren starb, hatte viel zu erzählen aus einem bewegten Leben. Aus seiner Zeit als Geschäftsführer des Weidener Tanzlokals und späteren Nachtclubs "National" in den 70ern, als Journalist beim "Waldnaabtalanzeiger", als Maler, als Musiker in Amerika, als Jugend-Statist im Bernhard Wicki-Antikriegsfilm "Die Brücke" (1959) und nicht zuletzt als Kulturschaffender in Sachen Kabarett.

Wagnis Leihkunst

All diese Erfahrungen nutzte der Mann, dessen Markenzeichen seine Pfeife war, für die"Futura 87". In jenem Jahr stampfte er die Kleinkunstbühne in Windischeschenbach aus dem Boden, und führte sie über Jahrzehnte um viele Klippen. 2017 feiert sie nun ihr 30-jähriges Jubiläum. Fast 27 Jahre lang hielt sich auch sein zweites, für die Region ungewöhnliches Projekt, die Artothek - eine Ausleihmöglichkeit von Kunst.

Es war eines seiner besonderen Talente, Leute von seinen Ideen überzeugen zu können. Das war auch nötig, denn es gab nicht nur Befürworter der Bühne im Obergeschoss der Mehrzweckhalle, die maximal 99 Personen fasst - "nicht 100, sonst bräuchten wir eine zweite Treppe", pflegte er immer mit Blick auf die Veranstaltungsregeln zu sagen.

So war er, ruhig, humorvoll, offen, aber auch mit dem Eigensinn eines Künstlers und einem großen Bedürfnis nach Privatsphäre. Daher ist von Schlotts zurückgezogenem Leben in einem Holzhaus am Waldrand in Bärnau eher wenig bekannt. Als Kind ging er acht Klassen lang auf die Max-Reger-Schule in Weiden und lebte mit seiner Tante in der "Schlott-Villa" am Hammerweg. Diese verkaufte er später und unterstützte damit seine Tochter, die in Berlin lebt.

Kultur "bei Erwin"

Mit dieser zurückhaltenden, aber in der Sache auch bestimmenden Art gewann er die Künstler vom Lach- und-Schießgesellschaft-Star bis zum aufstrebenden Kabarett-Talent für sich. Durch seine engen Verbindungen zur Münchener Szene lockte er Kabarettisten zu Vorpremieren ihrer neuen Programme in die Oberpfälzer Provinz. Und im Zuge dessen Fans aus ganz Bayern. Alle schätzten die familiäre Atmosphäre "bei Erwin", wo nach der Show alle in den "Oberpfälzer Hof" pilgerten. Schlott hatte sie alle auf seiner Bühne: Dieter Hildebrandt - der sogar Ehrenmitglied des "Futura"-Vereins war - Helmut Schleich, Andreas Giebel, Christoph Süß, Richard Rogler, den jungen Ilja Richter und viele, viele mehr. Wenn sie auftraten, saß er immer hinten in der letzten Reihe am Mischpult, bediente Licht und Sound selbst.

Es gab unvergessliche Momente wie von Django Asyl, der kurz vor Tourstart auf der Bühne mit seinen Merkzetteln kämpfte. Oder Künstler, deren getestete Programme man später nicht wiedererkannte. Das fachkundige "Futura"-Publikum hatte eben an den vermeintlich richtigen Stellen nicht gelacht - die Passagen waren durchgefallen. Von der "Futura" hatte Schlott sich schon länger zurückgezogen, zuletzt lebte der Bärnauer in einem Altersheim in Wiesau. Dort ging er am Silvesterabend von uns - exakt an seinem 82. Geburtstag.
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