05.03.2018 - 20:00 Uhr
Windischeschenbach

Gelungener Saisonauftakt bei der Futura. "BlöZinger" inszenieren mit "Erich" ein rasantes ... Feuerwerk an familiären Absurditäten

Von Hans Prem

Mit ihrem Programm "Erich" überzeugen "BlöZinger" mit Robert Blöchl und Roland Penzinger (von rechts) zum Auftakt der Futura-Saison. Mimik und Gestik setzen gut getimte Pointen.
von Hans PremProfil

Windischeschenbach . Elf Typen, wie sie unterschiedlicher nicht sein können, vier Autos und viel Kaugummi braucht es, um die Absurditäten familiärer Befindlichkeiten witzig aufzuarbeiten. Die beiden österreichischen Kabarettisten Robert Blöchl und Roland Penzinger alias "BlöZinger" tun dies in einem fetzigen Roadmovie.

Pantomime und Clownerie

In ihrem Programm "Erich" nutzen die Oberösterreicher das Werkzeug der Pantomime und der Clownerie. Über Letztere haben sie sich bei ihrer Arbeit als "Cliniclowns" kennengelernt. Beide Genres beherrschen sie ausgezeichnet. Rasant wechseln sie die Rollen, reiht sich Szene an Szene. Dabei sind Requisiten rar. Zwei Stühle genügen, um wahlweise vorder- oder Rücksitze verschiedener Autos oder den zu kurzen Sarg von Erich zu repräsentieren. Das geniale Komikerpaar hat Mimik und Gestik so perfektioniert, dass jede Rolle sofort identifizierbar ist und eine plastische Szenerie im Kopf des Zuschauers entsteht. Die beiden drehen einen Film, der ohne große Worte vielfach nur mit der Mimik treffsichere Pointen setzt. Auch der typisch österreichische Schmäh, den die einzelnen Familienmitglieder untereinander austauschen, kommt natürlich nicht zu kurz.

Der Anlass, warum sich das ungleiche Brüderpaar Jakob und Simon nach über 20 Jahren wieder trifft, ist die Beerdigung von Familienoberhaupt Erich. Der große, ältere Penzinger spielt dabei den kleinen Bruder Simon, der die Familie verlassen hat und als Lebenskünstler durch die Welt zieht. Der kleinere, jüngere Blöchl gibt den großen seriösen Bruder Jakob, der immer noch im 30 Jahre alten Fiat des Vaters, zusammengehalten durch Kaugummis im Wert von 3000 Euro, herumfährt.

"Glauben sie, ihre Familie ist normal?", fragt Jakob ins Publikum. Erstes Gelächter brandet in der ausverkauften Futura auf. Was ist schon normal, wird sich der eine oder andere denken. Irgendwann ist Familie wie ein Loch im Socken. Man versucht es zu verstecken, es ist einem peinlich. Das führen BlöZinger eindrucksvoll im entstehenden Roadmovie vor Augen.

Bigotte Tante Herta

Neben den beiden Brüdern haben sich auch die Geschwister des Verstorbenen in Form von Knastbruder Alfons, der an Tourett erkrankten Tante Trude, der bigotten Tante Herta und deren geknechtetem Mann Paul angesagt. Als Trude schließlich die Asche des Verstorbenen in einer Keksdose entführt, um dessen letzten Willen zu erfüllen, entsteht ein klassisches Roadmovie mit Verfolgungsjagd. Stefan und Harry (Ähnlichkeiten mit der Krimi-Serie "Derrick" sind rein zufällig) beobachten die Szenerie, in der auch der umwerfende Lachyoga-Guru Ashanti mit seinen indischen Weisheiten und der wortkarge Knastbruder von Alfons die Lacher auf ihrer Seite haben.

Am Ende stellt sich noch die Frage, darf ein Luftballonverkäufer auf dem Friedhof schwarze Luftballons verkaufen? Die Antwort ist "ja", denn so schwarz wie Farbe der Ballons ist auch vielfach der österreichische Humor, mit dem die beiden ihr Programm garnieren. Doch nicht nur dieser, sondern auch die mimischen und gestischen Leistungen der beiden treiben den Zuhörern fast unaufhörlich Lachtränen in die Augen.

Am Ende gibt es einen riesigen Applaus für ein Programm, das ohne große Worte auskommt, von der Pantomime und der Clownerie lebt. Eine Form des Kabaretts, wie man sie so auf der Kleinkunstbühne der Futura wohl noch nicht erlebt hat. Das hier gespielte Programm macht den Abend zu einem wahren Kinoerlebnis, erfrischend wie "Hubba Bubba", "Bazooka" oder "Spearmint Chewing Gum".

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