Gelungener Saisonauftakt bei der Futura mit Typen-Kabarett von Franziska Wanninger
Gut sollte gut genug sein

Herrliches Typen-Kabarett mit jeder Menge Lacher präsentierte Franziska Wanninger zum Saisonauftakt der Futura-Kleinkunstbühne. Bild: Prem
Kultur
Windischeschenbach
12.03.2017
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Von Hans Prem

Windischeschenbach. Saisonauftakt auf der Kleinkunstbühne der Futura: Die oberbayerische Kabarettistin und Schauspielerin Franziska Wanninger gewährt in ihrem Programm "AHOIbe - Guadisguadgnua" tiefe Einblicke in die Abgründe eines jungen Künstlerlebens. Sie hat in einer facettenreichen Handlung die Lacher auf ihrer Seite und glänzt mit Typen-Kabarett.

Traumatisiertes Kind


Das Leben ist kein Wunschkonzert für die junge Kabarettistin. Aus wirtschaftlichen Gründen ist sie ihrer Tante Elfriede wie eine Leibeigene ausgeliefert. "Die ist so geizig, dass sie sich nach ihrem Tod nur bis zum Bauch eingraben lässt, damit sie die Grabpflege noch selbst besorgen kann", vermutet sie. Bereits als Kind durfte sie im Krippenspiel nur den zweiten Ochsen spielen und zur Kommunion musste sie ein Second-Hand-Kleid tragen und sah mit ihrer dicken braunen Kerze wie die Dienstmagd unter all den Prinzessinnen aus. Ob als Buchhändlerin, die durch den Beratungsdiebstahl von Amazon-Kunden arbeitslos wurde oder jetzt als junge Kabarettistin, die von ihrem Manager unter Druck gesetzt wird ("Du kriegst den Trampl aus dem Land, aber das Land nicht aus dem Trampl"): Der Alltag meint es nicht gut mit der ehrlichen Haut.

Auf Kreuzfahrt


Zu allem Überfluss zwingt sie der Manager, ein Programm für eine Aida-Kreuzfahrt zu schreiben. Was fehlt, ist die zündende Idee. Aber für was hat man ein Publikum, das hilft? Das wird zum Teil der Handlung und soll Gradmesser für ihre lauen Witze sein. Es mutiert dabei zu bezahlten Anklatschern. Mangels Einfällen versteigt sie sich in sorglos wirkende Plaudereien die immer in humorvollen Pointen enden. Rasend schnell schlüpft Wanninger in die verschiedensten Figuren, füllt diese mit viel Liebe und Gespür aus und entblößt deren Charaktere mit großer kabarettistischer Treffsicherheit. Alleine die Mimik sorgt immer wieder für einen hohen Erkennungswert und große Erheiterung.

Sie deckt Seilschaften auf und erforscht geheime Wünsche einer von Perfektion und Außenwirkung besessenen Gesellschaft, für die der Rasenmäherbulldog mit Getränkehalter und der lang ersehnte Thermomix nur Momentaufnahmen auf dem Weg zum perfekten Gesamtbild sind.

"Warum müssen wir immer als Mass herumlaufen, wo man sich doch meistens nur als "Hoibe" fühlt, immer Idealen wie der Schönheit hinterher hecheln, wo doch jeder weiß, dass Cellulite durch die Erschütterungen beim Joggen kommt". Oder was ist Glück? Wenn der Bus genauso spät dran ist wie man verschlafen hat oder wenn Tante Elfriede durch Herzstillstand hinweggerafft wird?

"Ahoi, Ahoi, a Hoibe"


Ihr Fazit: Lassen wir es doch einfach einmal gut sein. Warum ist "guad" nicht endlich einmal "guad gnua". Das bezahlte Publikum ist begeistert, Aida kann kommen. Dort genießt sie dann in einem Rap "Ahoi, Ahoi, a Hoibe" mit unbeschwertem Blick auf die Küste von Afrika, auf Ebola und Kindersoldaten. Das Futura-Publikum lässt keinerlei Anzeichen einer befürchteten Klatschblockade erkennen.
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