Holger Paetz bei der Kleinkunstbühne der Futura 87 in Windischeschenbach
Erster Klasse steht sich’s anders

Der Münchener Kabarettist Holger Paetz ist schon Stammgast bei der Futura; nicht zum ersten Mal trug er seinen sarkastisch-satirischen Jahresrückblick vor. Bild: zaf
Kultur
Windischeschenbach
12.12.2016
56
0

Es hat doch so toll angefangen, das Jahr 2016. "Mit 47 Hinrichtungen in Saudi-Arabien." Gewohnt sarkastisch und schonungslos blickt Holger Paetz auf das zu Ende gehende Jahr zurück. Der Münchener ist ein gern gesehener Gast auf der Kleinkunstbühne der Futura 87 in Windischeschenbach. Er beruhigt: "Keine Angst vor Reichsbürgern! Die sind ja bei der Polizei."

Uli Hoeneß darf eher raus: "Wegen guter Führung und hervorragender Sozialprognose." Der Skandal um Franz Beckenbauer darf natürlich keinesfalls unerwähnt bleiben. Der habe von diesen Geldern ja angeblich nichts gewusst. Das sei Beckenbauer durchaus zuzutrauen, einem Mann "der Sätze bringe, wie ,In einem Jahr hab ich mal 15 Monate durchgespielt', oder ,Die Schweden sind keine Holländer.' "

Die RAF sei auch nicht mehr das, was sie mal war. Paetz spielt auf den Raubüberfall auf einen Geldtransporter an. "Die gelten höchstens noch als Rentner-Armee-Fraktion." Die Silvesternacht in Köln: Ein Thema, bei dem die Politik nur beschwichtigte. "Naja, vielleicht waren das ja verdeckte Heiratsanträge und keine Übergriffe", meint Paetz sarkastisch. Da brauche man sich nicht wundern, dass die AfD zulege. Denn die brauche ja gar nichts zu tun außer "hinsetzen und warten." Aber was verspreche die AfD eigentlich? Strafmündigkeit von Jugendlichen schon ab 12 Jahren. "Anscheinend kommen sie anders mit ihren Kindern nicht zurecht."

Was waren das für Zeiten, "als man noch in die Luft blasen konnte, was man wollte." Es geht um den Abgasskandal. Beruhigend, dass die Stickstoffwerte 2020 nur noch 110 Prozent über dem Grenzwert liegen dürfen. In dem Zusammenhang könne man auch gleich den Schwur des Verkehrsministers ändern von "Das Wohl des deutschen Volkes" zu "Das Wohl des deutschen Volks...wagens." Fazit: "Die USA haben die Todesstrafe, die EU die Autoindustrie."

Darf Satire alles? Sogar der preisgekrönte Holger Paetz ist der Meinung, dass Satire vor allem auch angezeigt werden dürfe, auch was den Fall Böhmermann betreffe. "Warum will die Deutsche Bahn mein Verständnis?" Da ist Paetz sicher nicht der einzige, der sich das fragt. Vor allem, wenn man eine Sitzplatzreservierung hat, der Wagen dann aber nicht da ist. "Erster Klasse steht sich's anders", ist sich Paetz sicher.

Der Brexit: etwas das die Engländer wollten, aber zugleich auch nicht. "Was haben wir nur getan?" ist am Tag danach in der englischen Zeitung Daily Mail zu lesen. In diesem Zusammenhang zitiert der Kabarettist einen Satz aus einem Leserbrief, dem er voll und ganz zustimmt: "Ohne die EU wäre England ein Dampfmaschinenmuseum mit schlechtem Essen."
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.