Kabarett "Die Buschtrommel" bietet über zwei Stunden lang beste Unterhaltung bei der "Futura"
Politischen Anspruch nie aus den Augen verlieren

Feine politische Satire mit hohem Unterhaltungswert präsentierte "Die Buschtrommel" mit Andreas Breiing und Ludger Wilhelm (von links) mit ihrem aktuellen Programm "Tunnel am Ende des Lichts" auf der Kleinkunstbühne der Futura. Bild: prh
Kultur
Windischeschenbach
15.04.2013
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Ganz ordentlich auf die kabarettistische "Buschtrommel" klopfte am Wochenende das gleichnamige Duo Andreas Breiing und Ludger Wilhelm auf der Kleinkunstbühne der "Futura '87". Nur "Tunnel am Ende des Lichts" sahen die beiden in ihrem aktuellen Programm bei den anstehenden politischen und gesellschaftlichen Problemen in Deutschland. Lösungen boten sie nicht an, aber anerkennende Worte für deren Ausmaß.

Schluss mit dem Gesülze

Gemeinsam träumten sie von einer besseren Welt mit den drei V's: Vertrauen, Völkerverständigung und Frieden. Doch schnell war Schluss mit dem Gesülze. Gnadenlos geißelten sie das Gebaren von Politikern, Wirtschaftsmanagern und der Bankenwelt, stets spitzfindig, aktuell und vor allem wortgewandt. Politischen Zündstoff verpackten sie in amüsante Szenen mit gesellschaftspolitischem Charakter.

Da bewarb sich Günther Watmann um den Job des Regierungssprechers und verstand es, Schlagzeilen im Sinne von Angela Merkel zu verkaufen. Ludger Wilhelm mimte den im Trainingsanzug mit überdimensionaler Goldkette auftretender Willi Prollschewski, der mit kuriosen Bankgeschäften prahlte. Breiing trat vor die eigene Kamera, um den Mitgliedern des humanistischen Freundeskreises der antiken Kultur aus Trachius zu berichten, verlor dabei aber immer wieder angesichts nervender Souvenirverkäufer die Beherrschung. Die Kabarettisten zogen damit die Zuhörer in einen ganz eigenen Bann, die mit Gelächter, spontanen Zwischenrufen oder erschütterndem Schweigen reagierten.
Ein Hauch von Comedy wehte durch den Saal bei der musikalischen Elegie an die USA. In den Westernsong vom "Geisterreiter" verpackte Breiing die politische Doppelmoral der Amerikaner, während Wilhelm im rosa Ballett-Tütü in Cheerleader-Manier die Freiheitsstatue darstellte.

Das Niveau des Programms, bei dem der Zuhörer zwischen den Zeilen lesen konnte und sich nicht über billige Witze unter der Gürtellinie amüsieren musste, steigerte sich nach der Pause. Lachtränen trieb es so manchem Zuhörer bei dem Märchen über "Das Wulf", eine seltene Spezies der Bundespräsidenten a.D., in die Augen. Wilhelm glänzte mit großer Nickelbrille als hervorragender Erzähler. In langen Ledermänteln und mit Sonnenbrillen wiesen sie als Geheimdienstler auf die neoliberale Bedrohung FDP hin oder verbreiteten als Rentner Angst und Schrecken bei Zukunftsszenarien.

Umwerfende Parodie

Breiing gab dabei in Sequenzen den großen Führer, den er auch in einem Ein-Mann-Dokumentar-Theaterstück darstellt. Zu morgendlicher Stunde um drei Uhr war Wilhelm spontan nach dem Genuss süffigen Windischeschenbacher Zoigls die umwerfende Parodie auf den nordkoreanischen Diktator Kim Jong Un eingefallen, der mit vielen "L's" statt "R's" vor dem Spiegel die Abnahme einer Militärparade probte.
Nach großem Applaus zitierten die hervorragenden Kabarettisten mit großem schauspielerischen Potenzial aktuelle Aussagen von Spitzenmanagern zum Thema Bonuszahlungen. "Die Buschtrommel" bot über zwei Stunden lang beste Unterhaltung, ohne dabei jedoch den politischen Anspruch, den sich die beiden auf ihre Fahnen geschrieben haben, aus den Augen zu verlieren. Das Publikum war von der abwechslungsreichen, stets aktuellen Politsatire vom Allerfeinsten begeistert.
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