Kabarettist Michael Altinger verstrickt sich bei der Futura '87 in den Fallen der modernen ...
Aberwitzige SMS-Grüße aus Strunzenöd

Kultur
Windischeschenbach
10.03.2014
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Wer sich politisches Kabarett oder tiefgründige, beißende Satire erhofft hatte, wurde am Wochenende bei der Futura '87 enttäuscht. Dafür bot Michael Altinger zwei Abende lang gute Unterhaltung und eine richtige Gaudi mit den bewährten Instrumenten des Kabaretts: dem Publikum einen vergrößernden Spiegel vorzuhalten und die dann deutlich gewordenen Zeiterscheinungen zu überzeichnen.

"Ich sag's lieber direkt" heißt das neue Programm des niederbayerischen Kabarettisten, der SMS, Smileys, Facebook und Co. nichts abgewinnen kann. Den direkten Kontakt zum Publikum stellt Altinger nicht nur wegen der räumlichen Nähe im ausverkauften Saal sofort her. Die Pointen, die er in kurzen Abständen abgefeuert, sitzen, und die Besucher schmeißen sich weg vor Lachen. Das Publikum selbst kommt ungeschoren davon, denn für seine Spitzen hat Altinger in Martin Julius Faber, den er als seine Band vorstellt, ein williges Opfer. Zum Dank begleitet ihn Faber bei seinen wenigen Liedern auf Gitarre und Keyboard und gewinnt die Sympathien der Zuschauer. Die Stücke haben meist morbide Züge. So reimt Altinger, das Publikum solle "nicht lachen über die Sachen, die mich tot machen". Beckenbodengymnastik zum Beispiel hat er falsch verstanden: Er wartet am Boden des Schwimmbades auf den Trainer.

Abneigung gegen "supi"

In der Art, wie nur Niederbayern auf die Dinge des Alltags schauen und sie bewerten, lehnt Altinger Smartphones für Kleinstkinder ab. Er braucht ein Buch statt E-Books und würde am liebsten allen, die das Wort "supi" verwenden, ein "Smartphone quer ins Maul stecken". Die Handlung seiner scheinbar einzelnen skurrilen Szenen spielt im fiktiven idylischen Strunzenöd. Dort findet sich alles - von den Rokoko-Katholiken bis zum ehrenamtlichen Wirt, der gleichzeitig Bürgermeister ist. Kurz blitzt in dem zweistündigen Programm das politische Kabarett durch, als Altinger das bayerische Kabinett zur derzeit schicken Entschleunigung in den Wald schickt. Anzug und schwarze Brille reichen, und schon ist der CSU-Politiker fertig mit Dobrindt als Prototyp.

Schnell geht es wieder zurück nach Strunzenöd, wo Altinger mit Kinderbüchern und der resoluten Kindergärtnerin "Tante Augenia" abrechnet. Der Zuschauer lernt, dass "Ich bin ich" ein Buch für Demente ist, die "Raupe Nimmersatt" alles egoistisch den anderen wegfrisst und "Oh, wie schön ist Panama" von zwei Spießern handelt, die um die Welt ziehen und zum Schluss ihr altes Haus als schönsten Ort empfinden. Die scheinbar harmlosen Kinderbücher haben laut Altinger schwere Folgen für die Entwicklung der Gesellschaft, denn aus den Kindern könnten später nur egoistische Spießer werden.

Niederbayerische Typen

Altinger will einen Heimatkrimi schreiben, der eigentlich schon fertig und verfilmt ist. "Verscharrt und vergessen an der Waldnaab" sinniert er nach einem Titel, der sich als roter Faden gemeinsam mit der mysteriösen Sprachnachricht "Du hasst, was du hast" auf seinem "Daheimvolksempfang-Ferngesprächskast'l" durch das Programm zieht. Dazwischen meandert Altinger durch Beschreibungen niederbayerischer Typen, Szenen aus dem Familienleben mit pubertierenden Söhnen und den Trends, denen viele selbst in Strunzenöd hinterherhecheln. Ein großes Küchenmesser ist das einzige Requisit, aber zu größeren Verletzungen kommt es nicht - abgesehen von einigen harmlosen Lachanfällen.
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