08.03.2018 - 17:38 Uhr
Windischeschenbach

Kaisers Salonorchester bringt die 30er Jahre in den Schafferhof Zeitreise mit Orchester

Viele kennen noch die alten Schlager aus der Zeit zwischen den Weltkriegen - den Komponisten Will Glahé oder die Sänger Heinz Rühmann, Zarah Leander, und wie sie alle hießen. Doch kaum jemand weiß noch, dass in den 30er und 40er Jahren Bischofsgrün ein Geheimtipp in Sachen Tanzen war.

Zum Schwelgen, Dahinschmelzen und Tanzen: Kasiers Salonorchester lässt im Schafferhof goldenen Zeiten aufleben. Bilder: gge (2)
von Autor gagProfil

Neuhaus. (gge) Dort gab es die Konditorei Kaiser. Im dazugehörigen Café war jeden Sonntag Tanz, ein Salonorchester spielte für die elegant gekleideten Gäste Foxtrott, Walzer oder Swing. Urgroßvater Georg Kaiser vererbte seine Konditorei, die es heute noch gibt. Und er gab die Originalnoten aus dem Jahr 1939 weiter an seinen Sohn Hermann, und dieser an seinen Enkel Jeremias Kaiser.

"Was sollte ich nun mit den vielen Noten?", fraagte Jeremias Kaiser, elegant im Anzug und mit Kontrabass auf der Schafferhofbühne. "Also hab ich mir ein paar Musiker gesucht, die diese mit mir teilen". Das ist ihm sehr gut gelungen. Seine Mitmusiker lernte er alle beim Studium in Erlangen kennen. Herausgekommen ist "Kaisers Salonorchester".

Moderator, oder wie es damals hieß "Conferencier", Daniel Lorz (Alt-Sax), im Anzug und mit korrektem Scheitel wie auch die anderen Herren des Orchesters, sagte gekonnt im Stil der 1930er Jahre die Stücke an. Dabei hatte er so manche Anekdote auf seinem Spickzettel. "Kleine Mädchen wollen gerne tanzen", dieser Foxtrott schmeichelte sich sofort in die Ohren und Füße des Publikums, das den Takt beschwingt mitwippte. Drei Damen im Kleid, Marlene Meyer und Isabelle Hilpert an den Violinen und Sarina Kreplin am Alt-Sax, waren die Farbtupfer zwischen den Musikern.

Wunderschön klangen in der heutigen modernen Zeit die Titel der Musikstücke von damals. "Ich tanz' mit Fräulein Dolly Swing", "Himmelblaue Augen" oder "Ich schreib ein Brieflein Dir" nahmen das Publikum gefühlsmäßig mit auf eine weite Zeitreise. "Ich brech' die Herzen der stolzesten Frau'n" sang Maximilian Wechsler in Heinz-Rühmann-Manier. Viele im Publikum freuten sich, diese schönen Schlager wieder zu hören und sangen lächelnd mit. Dominant waren das Piano (Benedikt Schönberger) und die drei Saxofone (Carsten Hellinger zusammen mit Daniel Lorz und Sarina Kreplin). Lukas Brand (Trompete) und Julian Rapp (Schlagzeug) setzten rhythmische Akzente. Ein feuriger Paso Doble begleitete in die Pause.

"Rufen Sie mich an, gnädige Frau!" Dieser charmanten Aufforderung ist die betreffende Dame damals sicher gern gefolgt. Aus dem Mund von Daniel Lorz klang es wie Grammophonmusik, seine Bewegungen erinnerten an die der Herren aus den Schwarzweiß-Ufa-Filmen. Das Publikum in der dicht besetzten Tenne war begeistert von diesem ungewöhnlichen Kunstgenuss und spendete euphorisch Beifall. "Wie ein sonniger Mai lacht mir Dein Mund" sang Maximilian als Zugabe. Eine zweite Zugabe war nicht eingeplant, doch die Zuhörer gaben nicht nach und wünschten sich nochmals den Paso Doble "Dorita", den sie schwelgend genossen.

Das Konditorei-Café Kaiser in Bischofsgrün gibt es heute noch. Leider wird dort nicht mehr getanzt. Doch wer weiß, vielleicht ändert sich das, sobald Urenkel Jeremias sein Studium abgeschlossen hat?

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