13.05.2018 - 11:22 Uhr
WindischeschenbachOberpfalz

"Kofelgschroa" nimmt am Schafferhof Lyrik- und Blasmusikfans gleichermaßen für sich ein Beeindruckender Baaz

Die Schafferhof-Tenne war so voll wie lange nicht, viele Gäste mussten Stehplätze in Kauf nehmen. Das Quartett "Kofelgschroa" mit den rollenden Siebenachtel-Takten, unendlichen Tubapassagen und punkähnlich aufgemotzter Blasmusik findet immer mehr Anhänger.

von Autor gagProfil

Vor Neuhaus gastierten die Jungs aus Oberbayern in Berlin und Nürnberg. Ihre Texte sind im tiefsten Oberammergauerisch gefärbt, vorgetragen mit einer Portion Übermut und Schalk. Überrascht wurden die Zuhörer im Schafferhof mit einer Umbesetzung. Statt des bekannten Tubisten Martin von Mücke betrat eine Frau die Bühne. Theresa Loibl heißt die Neue. Sie hat eine unglaublich ausdauernde Art, zu spielen.

Die sehr tubageprägten Stücke verlangen oft den gleichen Ton, immer wieder wiederholt im anstrengenden Viervierteltakt, ohne "Schnauf- und Schluckpause. Das verlangt einiges in Sachen Atemtechnik. Doch Theresa Loibl schaffte das mit Bravour.

Drei Alben haben die Oberammergauer bisher herausgebracht: Kofelgschroa (2012), Zaun (2014) und Baaz (2016). Spontan reimte der Sänger, Autor, Komponist und Frontmann Max Paul Pongratz über die Hitze im Schafferhof im Stil seiner anderen Lieder: "Es tröpfelt leise dein Gesicht, es spiegelt sich im Fensterlicht". Aus diesem Rhythmus ist im Original das Lied von der Wäsche. "Die Wäsche trocknet an der Sonne, die Wäsche trocknet auch am Wind, die Wäsche trocknet auch am Licht, wie schön ist das eigentlich."

Einfache Texte mit und ohne viel Hintersinn, dazwischen Zweizeiler, ständig wiederholt, das sind die ungewöhnlichen Zutaten der ungewöhnlichen Musiker. Multiinstrumental und nach außen maulfaul, stoisch und gelassen präsentierte sich Matthias Meichelböck (Basstrompete, Trommel, Orgel). Das angekündigte Trommelsolo bestand aus einem einzigen Takt. Mit solchen Überraschungen muss man bei "Kofelgschroa" immer rechnen.

Michael Mücke ergänzt die Musikstücke mit Flügelhorn und Gitarre. Ein Liebeslied kündigte Max an, der Refrain in Endlosschleife: "Es lafft dahi, sche wia a Boch, unsre Liebe lässt nia noch". Typisch und passend auch das Lied von der Loop-Machine, die alles immer wieder wiederholt, was man eingegeben hat: Die Arbeit, unser Leben, Tag für Tag wie eine Loop-Maschine, die hängt, und wieder und wieder dasselbe ausspuckt, stur und monoton. Aber als Erkenntnis: "Loop gibt Struktur, Loop sorgt für Konjunktur."

Am kürzesten, aber auch aggressivsten, ist der Titelsong des Albums "Baaz". Sie lautet nur: "In Baaz keast nei!". Die Interpretation sagt jedoch viel aus, das Publikum kann sich seine eigenen Gedanken machen. So wie bei diesem Zweizeiler "Ich war verliebt in dich, doch heute bin ich froh, dass es nicht du geworden bist."

Viel Szenenapplaus, Gelächter und Zustimmung kommt immer wieder aus dem Publikum. Manche scheinen eingefleischte Fans zu sein, die sogar die schwierigeren Mundarttexte mitsingen können. Besonders beim Lied über die Wäsche. Insgesamt sind es jedoch einfache und logische Texte, die man schon nach einem mal Zuhören mitsingen kann. Was viele natürlich nutzen. Der "Gutenachwalzer" entlässt die Fans endgültig schmunzelnd nach Hause.

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