Matthias Ningel erklärt die Generation Y bei der Futura
Eltern als App

Ningel versteht seine Altersgenossen manchmal selbst nicht. Bild: Konrad
Kultur
Windischeschenbach
11.04.2017
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Matthias Ningel erklärt die "Generation Y": In der Futura witzelt der 29-Jährige über die Probleme beim Serien-Schauen übers Internet und über den Schock, als seine Eltern ihn zum Auszug aus dem Kinderzimmer drängen wollen. Dabei seien sie für ihn doch die beste App, denn sie können einfach alles.

Er ist ein Singer/Songwriter, spielt allerdings nicht Gitarre, sondern hat sich als Gesangsbegleitung das Klavier ausgesucht. Das gelingt ihm gut: Seine kraftvollen Klangkaskaden reißen mit, seine Fingerfertigkeit lädt zum Träumen ein und seine Texte regen zum Schmunzeln an. "Eigentlich bin ich Musiker", sagt der 29-Jährige. "Das Kabarett kommt danach."

Beim Auftritt in der Futura in Windischeschenbach am Freitag zeigt er sein erstes richtiges Programm "Jugenddämmerung". "Jedem Anfang wohnt ein Zaudern inne", singt er zu Beginn und hat, was ihn selbst betrifft, damit völlig unrecht: Ausdrucksstark, voller Spielwitz und Intelligenz sind seine Stücke.

Der Deutsche Kabarettmeister 2016 be- und verurteilt pointiert die Unsitten seiner Generation. So überspitzt er die Problemen, die beim Anschauen von Serien im Internet auftauchen: "Ich muss dauernd Pop-Ups wegklicken - So ein Mist, jetzt buffert der", singt er. Nicht jeder aus dem Publikum kann ihm folgen.

Zum Auszug genötigt


Bei der besten App der Welt sind aber wieder alle ganz bei ihm: Die, lässt Ningel wissen, könne einfach alles. Die beste App, das seien seine Eltern. Bloß haben die vor kurzem ihren Dienst eingestellt und den jungen Künstler zum Auszug aus dem Kinderzimmer genötigt. "Sohn, ich kann dich nicht mit 30 Jahren noch um den Block zum einschlafen fahren", mimt er seine Mutter. "Sohn, ich hätte schon gerne Enkelchen", zitiert er und stolpert gleichzeitig vor gespieltem Schock rückwärts quer über die Bühne. "Hat jemand vor, sich in nächster Zeit fortzupflanzen?", fragt er mit ernstem Gesicht in die Runde und erntet Gekicher.

Segway und Jakobsweg


Tatsächlich ist sein Programm eher für die Generation gemacht, die zum Beweis ihrer Liebe Vorhängeschlösser an Brücken festmacht oder die Kindersendung "Als die Tiere den Wald verließen" aus den 90ern kennt - beziehungsweise von ihr traumatisiert wurde.

Ob Ningel über den viel erfolgreicheren Jugendfreund Rolf singt, der mit dem Segway den Jakobsweg entlang gefahren ist, kritisch über die neuesten Yoga-Trends berichtet oder seinen fünfzehn Jahre alten Pullover immer noch ganz gut findet: Witz und Hintersinn entdeckt er überall. Allerdings fehlt ihm insgesamt der rote Faden im Programm. Hymnisch wird es bei seinem Abschluss-Song, den er seiner Ilona widmet.

Aus voller Kehle singt er der unglücklichen Liebe seines Lebens nach, die übrigens vor zehn Jahren einmal mit Rolf ganz eng getanzt hat: "Ilona - wär ich ein Drucker, wärst du der Toner", und packt zum ersten Mal am Abend die Blues-Harp aus. "Ilona, ich wär so gerne der Bewohner - deines wunderbaren, liebevollen Herzens", schmettert Ningel und fordert am Ende der Veranstaltung die Anwesenden auf, mit ihm Beethovens "Freude, schöner Götterfunken" zu summen. So geht der geistreiche und überaus melodiöse Abend leider etwas ruckartig zu Ende.

Windischeschenbach heißt ja auch "Das Auenland Deutschlands".Kabarettist Matthias Ningel
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