23.04.2017 - 20:00 Uhr
WindischeschenbachOberpfalz

Michael Fitz im Schafferhof Rezept gegen Trump

Einen Barhocker, vier Akustikgitarren und einen Espresso zehn Minuten vor dem Auftritt. Mehr braucht Michael Fitz nicht, um im Schafferhof einen denkwürdigen Abend zu veranstalten.

Persönlich und gefühlvoll stellt sich Michael Fitz mit Liedern nicht nur aus seiner neuen CD "Des Bin I" vor
von Autor gagProfil

(gag) "Des bin I" heißt das Programm, so wie die aktuelle, sehr persönliche CD. Ganz private Empfindungen und Erlebnisse, mit denen sich das Publikum zutiefst identifizieren konnte, sang der Liedermacher in der voll besetzten Tenne. Er hätte ein gutes Rezept, um US-Präsident Trump zu besänftigen.

Nämlich das, was seine Frau anwendet, wenn er dem "Autofahrer-Tourette" verfällt und plötzlich wüst gegen andere Autofahrer schimpft. Sie lullt ihn ein mit "Du bist der beste Autofahrer in Deutschland. Du bist der beste Autofahrer". Und Trump? Würde sicher mit der Beruhigungsformel "Du bist der beste US-Präsident aller Zeiten" genauso sanft werden, sich geborgen fühlen wie ein Baby, vermutet er.

Die Geschichte mit dem Autofahrer-Tourette und dem Babywohlgefühl, mit dem man sich fast "Nackerd" (so heißt eine andere CD von ihm) vorkommt, war eine der Geschichten, die wie ein roter Faden alle seine Lieder zusammenhielt und weiterspann. "Ich bin ein Spätzünder" gestand er. Jahresthemen bekomme er erst später mit, so wie das Thema "Willkommenskultur" von 2016. Dazu hatte er ganz persönliche Gedanken in seinem ersten Lied "Bsuach". Dieser kommt unangemeldet, verschämt verweist er auf sein Chaos ("hab no net aufgramt") und freut sich doch, dass jemand an ihn denkt. "Komm rein, wennst scho da bist".

Das ist das Wesentliche an seinen Texten, dass er das singt und ausspricht, was jeder von uns irgendwie kennt. "Was bin i, was mach i? Bin i des was du suachst, was du brauchst? Sein "Was I bin" versucht darauf Antworten zu finden. So kennen ihn viele seiner Fans nicht, die ihn als Schauspieler im Tatort in Erinnerung haben, als den rauen Kerl. Denn seine tiefgründigen Texte müssen gehört und mitempfunden werden. Das merkte der Künstler auch während des Konzerts an. "Da sind die einen, die schauen, und die anderen, die hören. Letztere lassen irgendwann das Smartphone in der Tasche". In "der Bruada" beschrieb er diese Doppeltätigkeit als Liedermacher und Schauspieler.

Welt voller Narzissten

Dazwischen bemängelte er eine Welt voller Narzissten, besonders unter den Politikern, die sich für die Größten hielten. Der Kontrapunkt dazu sind seine Lieder, oft melancholisch, aber nie trübsinnig. Bescheiden erzählen sie vom alltäglichen Probieren und Scheitern, vom Leben und den persönlichen Erlebnissen. Wie ein Geständnis wirkt "Hintam Zaun". Ist es Feigheit, Vorsicht oder Schüchternheit, dass er hinter dem Zaun abwartet? Auch "I geh net aufs Eis" zeugte von gewisser Zurückhaltung, Abwägung, vielleicht Vernunft, weil er sich lieber seinen eigenen Teich buddelt: das Wasser nur knietief.

Bemerkenswert, dass Fitz diese authentischen Lieder in der Öffentlichkeit präsentiert, jeden in seine Seele schauen lässt. Das gefällt den Zuhörern, sie fühlen sich schnell eins mit dem Künstler, ganz nah, nicht nur räumlich. "Songpoet" wurde er schon genannt, in Norddeutschland, dem "befreundeten Ausland", sogar "Bayerischer Bob Dylan". Seine mundartlichen Texte verstanden sie zwar nicht. Doch dass er "mal etwas Positives spielen" solle, wurde er aufgefordert. Positiv? "Die Liebe ist positiv", doch nach langer Beziehung entstünden oft Dissonanzen, Leere, wird es auch mal "ganz schee kompliziert mit uns zwoa". "Hoam" möchte er schließlich gehen. Heim in sich selbst, mit der philosophischen Frage, ob man "gleichzeitig Beobachter und Beobachteter sein" könne.

Begeistertes Publikum

Zwischen den Liedern, während er erzählte, wechselte oder stimmte er seine Gitarren, die er mal puristisch, mal mitreißend in allen Klangfarben einsetzte. Philosophisch-kreativ waren seine Wortschöpfungen, als er sich in "Hinter meiner Stirn" über den "kleinen dicken Hausverwalter" in seinem Hirn beklagt. Das Publikum war begeistert und forderte schließlich mehrere Zugaben.

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