18.10.2017 - 15:24 Uhr
WindischeschenbachOberpfalz

Mit der kabarettistischen Mistgabel kämpft Alfred Mittermeier gegen das Chaos im Garten Eden Zeit zum Ausmisten

Mit der verbalen Keule weichgeklopft und dann mit dem satirischen Skalpell fein seziert bekommen Politik und Gesellschaft im aktuellen Programm von Alfred Mittermeier ihr kabarettistisches Fett gehörig weg. Höchst amüsant und intelligent.

Mit spitzer satirischer Gabel hat der oberbayerische Kabarettist Alfred Mittermeier scharfsinnig und höchst amüsant Neurosen und anderes Unkraut im Chaos unserer Welt ausgemistet. Bild: Prem
von Hans PremProfil

Die Mistgabel als Werkzeug hat Alfred Mittermeier zu Hause gelassen, als er am Samstag die Futura-Bühne betritt. Dabei gab der oberbayerische Kabarettist seinem Programm den Namen "Ausmisten". Den Mist den Pegida, AfD, oder orientalische und amerikanische Präsidenten verzapfen, lupft er mit satirischen Mitteln. Er holt zum kabarettistischen Rundumschlag gegen die Politik, Gesellschaft, laktoseintolerante Autonome ebenso, wie gegen seine Heimat Bayern aus. Nicht mit der Brachialität des vierzackigen Gartengeräts, sondern mit Sprachwitz und einer großen Portion schwarzem Humor.

Seine Pointen zünden auch in ihren Wortspielen. Eine Friedenspfeife pfeift auf den Frieden und ein Beamter braucht eine Kaffeepause vom exzessiven Kaffeetrinken.

Mittermeier ist ein Grenzgänger zwischen Kabarett und Comedy. Ein wenig hat das sicher auch mit seinem jüngeren Bruder Michael zu tun, dem wohl angesagtesten Stand-Up-Comedian hierzulande. Doch Alfred ist deutlich politischer, wortgewaltiger mit einem starken Hang zu Wortspielereien, manchmal auch etwas zynisch, immer mit scharfsinniger Beobachtungsgabe ausgestattet. Satire schützt vor beleidigten Leberwürsten ebenso, wie vor orientalischen Präsidenten. "Eines gibt es nicht: Rücksicht", macht er zu Beginn seines genialen Programms in Reimform deutlich. Diesem Motto bleibt er auch den ganzen Abend treu.

Mit scharfer Zunge

Das Futura-Publikum befindet sich in einer komfortablen Situation: Die Zuhörer können sitzen, er muss stehen. Dies spiegele auch die zukünftige Gesellschaft wieder: Es gibt eine Oberschicht (Er, auf der Bühne), keine Mittelschicht und den Rest, ganz unten (das Publikum). Nach dem Motto "wer zahlt, schafft an" ist allerdings nicht er, sondern sein Publikum der Chef und so startet er auch mit scharfer Zunge, schnell denkend, sprachlich funkelnd und bissig in die Frühschicht. Auf einem feinen satirischen Seil balanciert er zwischen Politik, Boulevard und Alltag, erklärt erheiternd Zusammenhänge und gibt Politikern, Chinesen, Rechten, Bankern oder Beamten das, was sie sich über Jahre hart erarbeitet und auch verdient haben: Stiche mit der kabarettistischen Mistgabel. Hin und wieder versteigt er sich in witzige Fantastereien. So verschwinden jährlich 3,8 Milliarden Euro des Länderfinanzausgleichs im Berliner Haushaltsloch. Das müsse nach unten unbegrenzt offen sein. Ihm wird deshalb das chinesische Wirtschaftswunder klar. "Dort gibt es übrigens keine Oberpfälzer, denn alles, was bellt, kommt auf den Grill", schweift er kurz ab.

Unabhängiger Freistaat

Wie ein roter Faden zieht sich der Gedanke, Bayern solle sich von Deutschland scheiden und unabhängig werden - der "Bayexit" - durch sein Programm. Da gibt es dann eine eigene Währung, den "Diridari", und wer in den Freistaat integriert werden will, muss zunächst einmal im Weihwasser baden. Auch ein bayerisches Grundgesetz müsste geschaffen werden. Dabei genügen drei Paragraphen: "Mir san mir", "Wer ko, der ko" und schließlich "Passt scho".

Für Mittermeier ist ein Kabarettabend wie ein "One-Night-Stand": "Man kommt zusammen, hat Spaß und geht dann wieder getrennte Wege". Das ist auch an diesem Abend so. Die Erinnerung daran, wird aber bei vielen noch lange nachhallen, denn der Kabarettist begeistert seine Zuhörer restlos, bringt sie zum Lachen, wie zum Nachdenken. Das österreichische Motto "Wenn du eine Buchstabensuppe isst, kommt hinten noch lange kein Gedicht heraus", trifft nicht zu. Er ist ein glänzender Wortakrobat mit einem blitzgescheiten Programm.

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp