21.06.2017 - 18:08 Uhr
WindischeschenbachOberpfalz

Mrs.-Zwirbl-Fans sehen rot Aberwitz, Unsinn und wilde Fantasien im Schafferhof

"Wir sehen rot" haben sie ihr Programm benannt, und Schafferhof-Chef Kitty Fütterer gelobt, dass er extra dafür rote Spots angebracht habt. "Für die richtige Stimmung, wenn Mrs. Zwirbl auftritt."

von Autor GGEProfil

Neuhaus. "Dodadadaraa...", mit seltsamen Lauten eröffneten die drei Damen das Konzert in der Zoiglstube im Obergeschoss des Schafferhofs. Tief boarisch natürlich. Stromlos, akustisch und unplugged. Dafür mir viel Un- und Tiefsinn. Das Begrüßungslied heißt eigentlich "Do taat a dar aa stinka ", also "Da täte er dir auch stinken", wie die hochdeutsche Übersetzung lauten würde. Der Song erinnert an Otto Kuen, einen Münchner Chansonnier und Lautkünstler aus den 30er Jahren. Die Arrangements der oft sehr seltsamen Texte sind Evi Keglmaiers Metier, die mit Gesang und Bratsche eine der drei "Zwirbl-Frauen" ist.

Metzgerei in der Wüste

Wild fiedelnd und singend wurde sie begleitet von Maria Hafner (Geige) und Anna Veit, die energisch auf ihrem Kontrabass herumfuhrwerkte. Ein toller akustischer Dreiklang, dazu uferlos absurde Texte, gesungen von drei humorig-selbstbewussten Frauen. Ihre Fantasie schafft es, dass in der endlosen, glutheißen Wüste plötzlich eine Metzgerei steht. Mit frischen Würsten. Frische Würste? Dass man dann aber durch den Hinterausgang dieser Metzgerei wie durch ein schwarzes Loch an den Ammersee kommt - das sind nicht nur Halluzinationen, sondern wohl eher Zauberei und grenzenlos abstruse Fantasie. Das von Keglmaier komponierte Lied über den schönen Metzger und seine Frau wartet mit noch mehr Überraschungen auf. Denn zu essen gibt es nicht Fleisch, sondern Fisch. Ebenso wie beim Jägersmann, der seiner Zukünftigen Backfisch statt Wildbraten aufträgt.

Stilistisch nicht einzuordnen, überraschen die drei Musikerinnen mit immer neuen absurden Texten. Vom nackten Mann singen sie, von einer Liebesgeschichte zwischen einem Mädchen und einem Bären, die nicht gut ausgeht für das Mädchen. Die Sehnsucht des Münchener Stadtmenschen nach den Bergen gipfelt in einer Hymne an Kathmandu nebst nepalesisch angehauchter Musik.

Perfekte Musikerinnen

Evi zupft und schlägt ihre Bratsche nicht nur mit dem Bogen, sondern wie eine Gitarre. Bayerisches Gejodel wechselt sich ab mit argentinischem Tango oder niederbayerischem Blues. Dem Publikum gefällt dieses überraschende Durcheinander des trotz allen Klamauks ihre Instrumente perfekt beherrschenden, musikstudierten Trios. Die Texte dieser "hirn- und herzverbrannten Wirtshausmusik" sind zum Teil alte Lieder bis aus den 30-er Jahren. Je länger das Konzert dauerte, desto mehr ging das Publikum mit, bis zum Schluss mehrere Zugaben fällig wurden.

"Wo sind deine Haare, August?" ist ein der älteren Generation noch gut bekannter frecher Gassenhauer aus den frühen 30er Jahren (gesungen von Brigitte Mira), den Mrs. Zwirbl zum Ende noch draufsetzte und damit ihr Publikum bestens gelaunt entließ.

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