11.09.2017 - 20:10 Uhr
WindischeschenbachOberpfalz

Musikalische Tour durchs Waldnaabtal Wanderung in einigen Strophen

Am Neuhauser Berg, oben an der Kurve, holt sich Gerhard Windschiegl die Gitarre für eine Liedstrophe vom Rücken. Ein Pfad führt durch Bäume und Gebüsch. Die Wanderer tauchen ein in ein Meer von wilden Pflanzen, ein wunderbares Duftgemisch sowie dort noch nie gehörten Töne.

Magische Momente, der Zauber der Pflanzen und das Moos auf den Steinen des Waldnaabtals sind beim Musizieren mit Nyckelharpa, Gitarren, Gesang und Cajun am Uferpfad weit mehr als mystische Kulisse.
von Uwe Ibl Kontakt Profil

Der gebürtige Neuhauser hat sich einen weiteren Gitarristen, einen Cajun-Drumer, eine Ullersrichterin mit Nyckelharpa und eine Sängerin sowie insgesamt 25 Freunde eingeladen zur musikalischen Wanderung ins Waldnaabtal. Schon am Parkplatz beim Kriegerdenkmal hatten die fünf zum ersten Mal ihre Instrumente aus den Taschen geholt. Der Himmel ist grau, doch der Weitblick auf Steinwald und Bohrturm dient als Kulisse für ein Lied über den Storch, der früher auf der Neuhauser Mühle brütete.

Dann geht es zu Fuß hinunter zum Eingang ins Waldnaabtal. Es folgt eine Strophe mit Dieselmotorenbegleitung durch vorbeifahrende Autos von "Altneuhaus im Waldnaabtal" über den Pfad, "der sich weit übern Kamm schlängelt und flussaufwärts der Naab entlang führt". Gleich darauf tauchen die Wanderer ab auf den Weg am Hang, an dem einige von ihnen vor Jahren Skifahren gelernt haben. Jetzt stehen hier Bäume, unten drückt sich ein Waldnaabarm vorbei. Ein paar Minuten weiter eine matschige Abzweigung. Thomas Urbanek stellt das Cajun auf den Weg, Sabine Kroll hängt sich ebenso ihr aus Schweden stammendes Streichinstrument mit den Holztasten um, wie Thomas Gleixner und Windschiegl die Gitarren.

Ausflügler aus Nürnberg kommen aus dem Tal, bleiben stehen, hören Windschiegls Zoigllied vom "Neuhauser Marihuana" und alle Strophen von "Altneuhaus im Waldnaabtal". CDs, denen dieser Song den Namen gegeben hat, würden sie sofort kaufen. Doch die hat keiner auf die musikalische Waldnaabtalwanderung im Rucksack oder Instrumentenkoffer mitgenommen.

Die Franken gehen zum Mittagessen, die andere Gruppe zieht weiter in Richtung Galgenkatherl. Unterhalb der Felsen, die bis etwa 1800 eine Richtstätte waren, erzählt der Weidener Herbert Baumann die Geschichte der "Schönandl-Katharina". Sie soll hier unschuldig erhängt und beerdigt worden sein.

Etwas weiter an der Mündung der Fichtelnaab packen die Musiker die Instrumente unter den Bäumen erneut aus. Sie stammen zwar zumeist aus Windischeschenbach, Neuhaus und Schirmitz, sind aber bis aus Bamberg und Nürnberg angereist. An einer Stelle, in deren Nähe Windschiegl selbst schon gepaddelt ist, singen sie sein "Kanufoahn".

Weitere Stationen sind die Waldfriedenhütte, Johannisthal und die Gletschermühle. Die Bäume links und rechts stehen am Weg Spalier. "Sie sind ab jetzt stets bei Dir", heißt es in Windschiegls Liebeslied auf das Waldnaabtal. Über die Brücke geht es zum Uferpfad. "Dort drüben ist es dann wie in einer Märchenwelt. Du spürst die Magie und dass Dir nichts mehr fehlt. Der Zauber der Pflanzen, das Moos auf den Steinen begleiten Dich, Du bist nie mehr allein."

Es regnet. Bäume und Schirme schützen die Instrumente vor der Nässe. Die Magie der Sagen und Felsen, der Musik und des Wassers verbinden sich. Ein paar Auf- und Abstiege noch bis zur Blockhütte. Nach dem Essen holen die Musiker noch einmal Cajun, Nyckelharpa und Gitarre aus den Instrumentenkoffern. Im Duett singen Carola Böhm und Windschiegl in der an diesem regnerischen Spätnachmittag nahezu leeren Wirtsstube das Lied von der Sonne, die im Norden aufgeht, und zum Abschluss eines über den heraufziehenden Herbst.

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