01.11.2017 - 20:00 Uhr
WindischeschenbachOberpfalz

Musikkabarettist Nepo Fitz rast in seinem Programm „Saumensch“ durch allzu menschliche ... Das Gute geht nicht ohne das Böse

Was ist der Mensch? Ist er gut, oder ist er böse? Diese Fragen bewegen die Menschheit, seit es Philosophen gibt. Auch den Kabarettisten Nepo Fitz treiben sie um. In seinem aktuellen Programm "Saumensch - sind wir gut oder böse?" kann er das Rätsel allerdings auch auf der Kleinkunstbühne der Futura nicht endgültig lösen.

Ist der Mensch nun gut oder böse? Endgültig klären konnte Nepo Fitz die Frage in seinem aktuellen Programm "Saumensch - sind wir gut oder böse?" auch nicht. Bild: Prem
von Hans PremProfil

Bio auf der Schippe

"Das Gute geht nicht ohne das Böse", stellt er nach einer funkig-rockigen Eingangsnummer am Klavier fest. Menschen sind vom Satan besessen, oder wer hat noch nie den ZDF-Fernsehgarten gesehen? Ob Atombomben, Facebook, Trump, Putin, Andrea Berg oder Andreas Gabalier: Überall tobt der Kampf gegen das Böse. "Am Schlimmsten aber sind die Amigos", sagt der jüngste bühnenpräsente Spross der bayerischen Schauspieler-Dynastie Fitz fest. Scheinbar wahllos reiht er Geschichte an Geschichte aus dem Alltag aneinander, erzählt von sich und seiner Familie, in der er schon als Kind das Gute und das Böse hautnah erlebte.

Es geht um moralische Aspekte der Ernährung, von der Hühnerhaltung über Bio bis zum wenig appetitlichen Plädoyer für nachhaltigen Kannibalismus. Als Verfechter von Aldi-Instant-Bröselkaffee im Schraubverschlussglas dröselt er dabei Zusammenhänge auf.

Energetisch aufgeladen und vielseitig begabt wirbelt er wie ein Derwisch über die Bühne, stellt immer wieder musikalische Zuspielungen ein, zu denen er seine hervorragend ausgebildete Stimme einsetzt. Er sitzt oder steht am Klavier, um seine rockigen Nummern in die Tasten zu hämmern. Fitz verwickelt sich in rasend schnelle Zwiegespräche, und parodiert mit fantastischen Stimmen und Gesten. Umweltschützer sind für ihn nicht unbedingt Sympathieträger. Er entwickelt ein Ranking der Sympathiewerte von Tieren und kommt zu der Erkenntnis, dass es viele Viecher gibt, die der Mensch nicht braucht, zum Beispiel Ratten mit Kanalisations-Hintergrund. Die Krönung der tierischen Schöpfung ist jedoch zweifelsfrei die Sau. Schon beim Klang des Namens läuft ihm das Wasser im Mund zusammen, sodass er zum Schluss kommt: "Der Mensch ist ein Saumensch".

"Arme Schweine" sind auch die beiden einzigen Männer in der ersten Reihe, die er immer wieder, wie auch den Rest des Publikums, in seine Show mit einbezieht. Er lässt seine Zuhörer wie Zombies in Zeitlupe nach den beiden greifen, lässt sie aufstehen und bei seinen umwerfenden musikalischen Nummern mitrappen und -klatschen.

Womanizer mit Perücke

Seine Qualitäten als Frauenheld in Form eines Hansi-Hinterseer-Verschnitts mit Lederhose und blonder Perücke spielt er im zweiten Teil seines abwechslungsreichen Programms aus. Der "Love-Couch" und Erfinder der Dating-App wischt auf dem stillen Örtchen seine Matches und lässt Frauen entscheiden, ob sie Sixpack am Stepper oder eher Bierwampe bevorzugen. In der bitterbösen Satire auf Internet-Kontaktblogs mit ihrer menschenverachtenden Sprache und platten Sex-Protzereien scheut der drahtige Kabarettist als "Peepshow-Max" auch nicht vor einem Bühnenstrip. Feinrippunterhemd und knallrote Satin-Unterhose behält er allerdings an.

Rasend schnell springt er zu den Reichsbürgern, die Zuneigung brauchen, wechselt zu Haufenlobern und wünscht der AfD eine starke Hand, wie sie einst ein Franz Josef Strauß hatte. Der Kirche rät er zur besseren Performance. Die stimmt bei ihm, dem Rock-n-Roll-Musiker unter den Kabarettisten. Am Ende zeichnet er noch ein düsteres Zukunftsszenario in der die Daten die absolute Macht haben, das Maschinenzeitalter Einzug hält, die Welt vom Bioprinter beherrscht wird und das dann ewige Leben die Gefahr birgt, dass "die Deppen in 400 Jahren immer noch da sind". Sein Tipp fürs begrenzte Leben: "Nicht immer eine blöde Sau zu sein".

Nepo Fitz bekommt am Ende großen Applaus für eine mitreißende Performance und Bühnenpräsenz, in der er sowohl als Schauspieler und Parodist, als Kabarettist mit feinem Humor und vor allem auch als hervorragender Musiker glänzt.

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