29.04.2018 - 16:48 Uhr
WindischeschenbachOberpfalz

Theatergruppe der "Waldnaabtaler" feiert gelungene Premiere Leinen los für lustige Lügen

Wenn eine "Kreuzfahrt im Saustall" auf dem Programm steht, geht man wohl mit der Erwartung ins Theater, dass kein Trauerspiel aufgeführt wird. "D'Waldnaabtaler" setzen eher auf ein Dauerfeuer an Lachsalven.

von Inge WürthProfil

Die Premiere am Freitag erfüllte alle Erwartungen. Dramatisch ging es für die Protagonisten trotzdem zu, als sie sich zur Gaudi des Publikums in ihren eigenen Lügengeschichten verstrickten und in peinliche Situationen manövrierten.

Sepp Speckmann, gespielt von Dominik Neitz, ist Schweinezüchter, der es gut versteht, Arbeit auf den Lehrbuben Xaverl (Sebastian Plödt) abzuwälzen und sich lieber eine schöne Zeit mit Freund Girgl (Ulli Rammler) zu machen. Dass Xaverl auch ein Auge auf Speckmanns Tochter Anna (Victoria Grimaldi) geworfen hat, gefällt dem Papa natürlich gar nicht.

Beim Schützenfest im Dorf spricht der Bauer dem Alkohol so intensiv zu, dass er sich heftig danebenbenimmt und einen kompletten Blackout hat. Tochter Anna hat bei der Fest-Tombola mittlerweile den Hauptpreis gewonnen - eine Kreuzfahrt im Mittelmeer. Nachdem der Vater hierzu die Erlaubnis sicher nicht geben wird, hecken die Verliebten einen Plan aus und möchten den Vater auf die Reise schicken, um ein paar Tage ungestörte Zweisamkeit zu genießen.

Bei Sepps Erinnerungslücken ist es ein Leichtes, ihm das Gewinnerlos unterzuschieben. Dessen anfängliche Freude verwandelt sich in Panik, als er erfährt, dass eine Kreuzfahrt grundsätzlich per Schiff und auf dem Wasser stattfindet - hat er doch seit frühester Kindheit ein ernstes Wassertrauma, welches sogar Badewanne und Wasser als Getränk beinhaltet. Diese Angst möchte er natürlich weder seiner Familie, noch der Bürgermeisterin Karin Moserer (Rafaela Grimaldi) eingestehen. Und schon gar nicht der Ratschinger Lisa (Manuela Faget), die mit dem Radl unterwegs ist und "mit der alt'n Schesn schneller als das Internet" Tratsch verbreitet.

Girgl erweist sich als wahrer Freund. Er wird die Reise antreten; der feige Sepp will sich derweil über dem Saustall verstecken. Das geht nicht ganz ohne aufzufallen, Gattin Gerda (Uli Grünauer) wittert einen Einbrecher und Dorfgendarm Schorsch Becker (Markus Gesierich) sieht nach dem Rechten, obwohl er "den Beruf gern, die Arbeit aber dick" hat.

Um den Schwindel nicht auffliegen zu lassen, verwandelt sich der fast ertappte Sepp flugs in seine Halbschwester Seffie, die der Polizist auch prompt verliebt umschwärmt. Die Seffie bleibt vorerst auf dem Hof. Man stellt gewisse Familien-Ähnlichkeiten fest, sie "stinkt sogar wie der Sepp." Eine Hiobsbotschaft erreicht plötzlich das Dorf: das Kreuzfahrtschiff ist gesunken.

Gerda Speckmann sorgt sich um ihren Gatten, aber auch Girgls Ehefrau Mare (Tanja Ernst) vermisst den ihren seit Tagen, beide Männer tauchen letztendlich - wenn zum Teil auch etwas ramponiert - wieder auf. Lehrbub Xaverl kommt den Dingen auf die Spur und bekommt für sein Schweigen seine Anna.

Den Akteuren merkt man an, dass sie mit Freude spielen. Herrlich: der Anblick von Dominik Neitz als Sepp in Feinripp-Unterwäsche oder mit Pumps und Rüschensöckchen. Den Charme des Stücks machen auch Kleinigkeiten am Rande aus: etwa das geheime Schnapsversteck, das trotzdem jeder kennt und sich daraus bedient; das Muttermal, das aussieht wie ein prominenter Stadtrat in jungen Jahren, oder das flotte Fahrrad der Ratschinger Lisa, das sogar geblitzt wird ("Ratscherei erledigt si niat vo alloi").

Sämtliche Schauspieler haben auch Aufgaben wie Bühnenbau, Masken und Kostüme übernommen. Regisseur Markus Gesierich und Leiterin Tanja Ernst probten seit Weihnachten intensiv mit ihrem Team. Wer wieder einmal herzlich lachen will, dem sei diese turbulente Kreuzfahrt wärmstens empfohlen. Nach den Terminen in Windischeschenbach gibt es das Theaterstück noch mal in Neuhaus im "Bahler-Stodl" am 11./12. und 13. Mai zu sehen.

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp