Andreas Meier seit 100 Tagen an der Spitze des Landkreises - Für Probleme der Menschen da
In neue Aufgabe hineinwachsen

Lokales
Windischeschenbach
12.08.2014
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Die ersten 100 Tage sind geschafft. Andreas Meier hat sich in seine neue Aufgabe als Landkreischef gut eingearbeitet. Redakteur Martin Staffe sprach mit dem 36-jährigen Windischeschenbacher.

Sie sind jetzt seit 100 Tagen der Chef im Lobkowitzerschloss. Was hat sich in Ihrem Leben geändert?

Die Dominanz des Terminkalenders hat deutlich zugenommen, ebenso die Taktfrequenz, mit der ein Tag abläuft. Außerdem ist man jetzt eine noch öffentlichere Person, als man es als Bürgermeister schon war. Der Abschied vom Rathaus war nicht leicht, aber die sehr herzliche und offene Aufnahme im Landratsamt hat es mir einfacher gemacht.

Zwölf Jahre waren Sie Bürgermeister in Windischeschenbach. Haben Sie sich Ihren neuen Job so vorgestellt?

Als Bürgermeister wurde ich damals eigentlich völlig unvorbereitet ins eiskalte Wasser geworfen, ohne jegliche politische oder verwaltungstechnische Erfahrung. Diese zwölf Jahre und auch die zwei Jahre als stellvertretender Landrat unter Simon Wittmann waren eine sehr gute Vorbereitung auf meine neue Aufgabe. Bürgermeister und erst recht Landrat ist eine Position, die man sich vorher aber nur sehr schwer vorstellen kann. Da muss man auch mit der Zeit und mit den Aufgaben hineinwachsen.

Wie schaut Ihr Arbeitstag aus?

Der beginnt meist zwischen sieben und halb acht Uhr am Schreibtisch im Amt, bei Bedarf aber auch schon bei einem Ortstermin irgendwo im Landkreis. Der enggesteckte Terminkalender kann thematisch alles umfassen. Vom Asylbewerber bis zur Zulassungsstelle ist das Landratsamt betroffen und somit auch der Landrat. Dazu kommen Anfragen und Anliegen von Bürgern, Sitzungen der verschiedenen Ausschüsse des Kreistags, Fachstellengespräche und sonstige Termine, da der Landrat auch vielfältige Funktionen und Ämter in ganz unterschiedlichen Organisationen bekleidet. Abend- und Wochenendtermine sind ebenso an der Tagesordnung, so dass ein Arbeitstag schon mal bis zehn, halb elf Uhr in der Nacht dauert.

Sie sind ja aktiver Feuerwehrmann. Als Bürgermeister konnte man Sie schon einmal bei einem Brand- oder Rettungseinsatz antreffen. Rücken Sie als Landrat auch noch aus?

Selbstverständlich, auch wenn das untertags nun nicht mehr geht, weil ich ja nicht mehr vor Ort bin. Nach Feierabend, in der Nacht oder auch am Wochenende leiste ich aber nach wie vor aktiv Dienst. Landrat und Feuerwehr schließen sich ja nicht automatisch aus. Wenn man einmal mit dem "Feuerwehr-Virus" infiziert ist, bleibt man auch dabei.

Mussten Sie in den ersten drei Monaten schon wichtige Entscheidungen treffen?

Im Landratsamt hat sich personell einiges geändert, besonders in wichtigen Schlüssel- und Führungspositionen. Hier waren einige Weichenstellungen nötig, mit denen ich aber sehr zufrieden bin. Geändert habe ich unter anderem die Ausgabe von Geldleistungen anstelle von Essensgutscheinen an die Asylbewerber. Das vereinfacht die Handhabung und den Verwaltungsaufwand immens. Im Prinzip ist aber jede einzelne Entscheidung wichtig, ganz besonders natürlich immer für die betroffenen Bürger, zum Beispiel bei Bauanträgen.

Was sind die fünf bedeutendsten Maßnahmen beziehungsweise Probleme, die der Landkreis in naher Zukunft stemmen muss?

Da fallen mir wichtige Großprojekte wie die Generalsanierung des Gymnasiums in Neustadt oder die Ortsumgehung Mantel ein, die oberste Priorität haben. Ich möchte außerdem ein Sanierungs- beziehungsweise Modernisierungskonzept für das 30 Jahre alte Jugendtagungshaus Stützelvilla in Windischeschenbach auf den Weg bringen. Auch die Themen Demografie, Kommunalfinanzen und die Energiewende werden uns weiterhin intensiv beschäftigen. Sorgen bereitet mir die Krankenhausfinanzierung und insgesamt der Wandel in der medizinischen Versorgungslandschaft, gerade im Bereich der Hausärzte.

Nicht ganz unproblematisch ist das Verhältnis zur kreisfreien Stadt Weiden. Wie ist Ihr Kontakt zu Oberbürgermeister Kurt Seggewiß?

Persönliche Befindlichkeiten spielen hier keine Rolle. Wir treffen uns regelmäßig und sind gemeinsam mit Landrat Wolfgang Lippert auch in den unterschiedlichsten Gremien, zum Beispiel den Kliniken Nordoberpfalz, vertreten. Klar ist für mich jedoch, dass ich zu allererst die Interessen des Landkreises zu vertreten habe, ebenso wie der OB die der Stadt Weiden. Unser gemeinsames Interesse gilt aber auch der Region insgesamt.

Was ist Ihnen bei Ihrer Amtsführung als Landrat besonders wichtig?

Sich nicht zu verstellen, einfach man selbst bleiben. Auch ein Landrat ist nur ein Mensch mit Fehlern und Schwächen. Ich möchte im Rahmen meiner Möglichkeiten für die Menschen und ihre Probleme da sein, auch wenn ich nicht immer alle zufriedenstellen kann. Im Gegenzug hoffe ich aber auf Nachsicht und Verständnis, wenn bei mir oder den Kollegen im Landratsamt einmal etwas schief geht. Niemand ist unfehlbar.
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