30.08.2014 - 00:00 Uhr
WindischeschenbachOberpfalz

Kein Geld für die Kunst: Gemälde der Stützelvilla schon seit über 30 Jahren eingemottet Fresken schlummern auf Dachboden

Nach 30 Jahren braucht das Jugendtagungshaus Stützelvilla eine Auffrischung. Das Bettenhaus wirkt düster, Fenster und Betten müssen ausgewechselt werden, und auch die sanitären Anlagen sind nicht mehr auf dem neuesten Stand. Nur wenige wissen aber, dass der Dachboden der einst noblen Glasfabrikanten-Herberge einen Schatz birgt.

von Martin Staffe Kontakt Profil

Dabei hat die schlossähnliche Stützelvilla mit Park schon schlechtere Zeiten gesehen. Ende der 1970er Jahre war sie dem Verfall preisgegeben. Die letzten vom Rathaus einquartierten Mieter verheizten sogar das Inventar, rissen Fußböden und Türstöcke heraus. Nach langen Diskussionen fiel im Kreistag die Entscheidung, sich das 1896 erbaute Gebäude von der Stadt Windischeschenbach schenken zu lassen und daraus ein Jugendtagungshaus zu machen.

Hohe Qualität

Während der 5,5 Millionen D-Mark teuren Baumaßnahme dann die Sensation: Unter schmutzig-grauen Wänden und zerfetzten Tapeten kamen vor allem im riesigen Treppenhaus Fresken und Wandmalereien von hoher künstlerischer Qualität und überragender Leuchtkraft zum Vorschein. Sie zeigen zum Beispiel eine Seejungfrau mit Fischschwanz, die eine Schnecke hält, oder prächtige Rosetten. Die Denkmalpfleger waren begeistert. Die reichen Glasfabrikanten hatten sich hier einen pompösen Herrensitz geschaffen.

Weil die Villa vom Holzschwamm befallen war, mussten die Jugendstilmalereien im sogenannten pompejanischen Stil in einer aufwendigen Aktion abgenommen, konserviert und zwischengelagert werden. Zwei Restauratoren aus Nürnberger waren wochenlang damit beschäftigt, die Gemälde mit Papier oder Stoff zu bekleben, mit Kunststoff einzuschäumen, auszusägen und dann abzulösen.

160 000 Mark kostete die Prozedur, die das Landesamt für Denkmalpflege bezahlte. Das erregte bayernweit Aufsehen. Der damalige Konservator Paul Unterkircher ging davon aus, dass die markanten Bilder nach gut zwei Jahren wieder an der alten Stelle auf Kalkputz eingebettet werden könnten. 1980 waren die Kosten dafür auf bis zu 1,5 Millionen D-Mark geschätzt worden.

Über 20 Jahre in Michldorf

Doch daraus wurde nichts. Wie Denkmalschützer befürchtet hatten, war der Landkreis nicht bereit, diese Summe aufzuwenden. Nicht ganz unbegründet, schließlich warteten wichtigere Maßnahmen auf eine Verwirklichung.

Der Landkreis erwarb die leerstehende Schule in Michldorf (Markt Leuchtenberg) und lagerte hier die Gemälde ein. Wie viele es genau sind, kann niemand sagen.

Im Januar 2001 beschloss der Bauausschuss des Kreistages, dass die Gemälde Michldorf wieder verlassen müssen und der Landkreis die ehemalige Schule verkaufen soll. Schon einen Monat später kehrten die Gemälde in die Stützelvilla zurück, aber nicht an ihren ursprünglichen Platz an den Decken und Wänden, sondern auf den Dachboden. Hier fristen sie seit nunmehr 23 Jahren ein Dornröschendasein. Der Verkauf der Michldorfer Schule dauerte zehn Jahre länger.

Der Vorsitzende des Kreisjugendrings, Martin Neumann, kann sich nicht vorstellen, dass bei der bevorstehenden Modernisierung die Gemälde wieder an die Wände und Decken der Stützelvilla zurückkehren werden. "Es wäre zwar ein Highlight, aber ich gehe davon aus, dass das nicht zu bezahlen sein wird", ist er realistisch.

Demnächst gibt es eine Begehung mit Kreisbaumeister Werner Kraus. Dann werde man sehen, was gemacht werden müsse, damit das Jugendtagungshaus auch in den nächsten 10, 20 Jahren im Topzustand sein werde, meint Neumann.

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.