17.08.2014 - 00:00 Uhr
WindischeschenbachOberpfalz

"Quadro Nuevo" erwärmt die Zuhörer an einem kühlen Sommerabend - Lieder aus aller Welt Heiße Musik im ruhigen Johannisthal

"Regenbogen hab ich heute schon mehrere wunderschöne gesehen, aber ich hoffe heute Abend bleibt es doch trocken" - so begrüßte Direktor Manfred Strigl im Innenhof des Exerzitienhauses Johannisthal am Donnerstagabend einige 100 Zuhörer, die in großer Erwartung zum Konzert von "Quadro Nuevo" ("Neuer Rahmen") gekommen waren.

Andreas Hinterseher, Mulo Francel, D.D. Lowka und Evelyn Huber (von links) stehen seit 1996 als "Quadro Nuevo" auf der Bühne. In Johannisthal begeisterten sie die weit über 300 Zuhörer. Der Name des Quartetts bedeutet "Neuer Rahmen" und hat mit vier gar nichts zu tun.
von Eva SeifriedProfil

Der Titel des Programmes lautete treffend "End of the rainbow". Aber vorerst war nicht der Regen das Problem, sondern Staus auf den Autobahnen, so dass das Ensemble kurz vor 20 Uhr noch nicht vollzählig war. Während Strigl mit launigen Worten Sponsoren und dem "Neuen Tag" für die Unterstützung dankte, wurde noch die Harfe auf die Bühne gehievt, und Evelyn Huber musste ihr Instrument auch noch schnell stimmen.

Strigl verschaffte den drei Musikern und ihrer Kollegin noch eine kleine Verschnaufpause, indem er das Ehepaar Ebnet aus Schweinfurt ehrte, das seit 60 Jahren jeden Urlaub in Johannisthal verbringt. Zum Konzert am Donnerstag waren Fans der außergewöhnlichen Musiker bis aus Ortenburg oder Freising angereist.

Musiker im Dialog

Der Regen blieb aus, und die Regenmäntel waren dann auch nicht die perfekte Bekleidung. Es wurde nach Sonnenuntergang so schnell kalt, dass schon Winterjacken die richtige Wahl gewesen wären. Glücklich, wer im Auto noch eine Decke hatte. Spätestens in der Pause wurde diese geholt.

Aber die Kälte konnte der Stimmung nichts anhaben, schon gar nicht den bestens gelaunten Musikern. Mulo Francel (Saxofone, Klarinetten) hatte vor kurzem noch auf der Insel Samos gespielt, konnte sich aber bei den Festspielen in Mecklenburg-Vorpommern, wo die Truppe auf einigen Landgütern in der vergangenen Woche aufgetreten ist, schon wieder an das kühle deutsche Klima gewöhnen.

Beim Lied "Canzone de la Strada" gewann das Publikum gleich den ersten Eindruck eines außergewöhnlichen musikalischen Abends: fantastisches Saxofon-Solo, berauschender Schlussakkord der Harfenistin und auch ein Kontrabass, der schon mal als Trommel benutzt wird. Saxofonist und Percussionist liefern sich einen "Dialog".

Mulo Francel mit Saxofonen und Klarinetten, D.D. Lowka mit Kontrabass und Percussion, Andreas Hinterseher mit Akkordeon, Vibrandoneon und Bandoneon und auch Evelyn Huber mit Harfe und Salterio lassen sich in keine musikalische Schublade stecken. Sie schließen oft vor allem auch bei den Soli mit ihren Instrumenten die Augen und durchleben so ihre Lieder, zu denen es auch viele Hintergrundgeschichten gibt. Die Töne fließen nur so aus ihnen heraus.

"Quadro Nuevo" kommt ohne Noten und Notenständer aus, und so können sich die drei Herren und sogar auch die Harfenistin relativ frei auf der Bühne bewegen, manchmal "tanzen" sie sogar mit ihrem Instrument. Wie Hinterseher erklärte, werden die Stücke schon mit Noten eingeübt, aber dann "können wir das sehr schnell auswendig, weil wir das ja oft spielen. Es entsteht Raum für Improvisationen, je nach Lust und Laune. Wir kennen uns ja gut und wissen dann meistens schon, was der Einzelne macht, und dann passt es immer wieder gut zusammen."

Die Ensemblemitglieder wechseln nicht nur zwischen den Songs oft ihre Instrumente, sondern auch mal mitten im Lied. Da läuft Huber von der Harfe zum Salterio oder der Bassist zu den Percussions. Das Publikum wartete oft auch nicht mit dem Applaus, bis ein Lied zu Ende gespielt war, sondern besondere Soli und Improvisationen wurden auch schon sehr oft mit Szenenbeifall bedacht. Ein Lied, das den Musikern am Herzen liegt, ist "Still, die Nacht ist voller Sterne" vom jüdischen Komponisten Hirsch Glik, der nur knapp über 20 Jahre alt wurde und in Estland ums Leben kam. Melancholie und Temperament wechselten sich ab.

Das Ensemble bringt viele Lieder von seinen Reisen um die Welt mit, etwa aus der Türkei "Antiochia" oder Tangos aus Argentinien. Bei "La Cumparsita" wagte sich niemand auf die "bekieste Tanzfläche" vor der Bühne. Aber die Beine wippten dann schon mit. Für Wärme sorgte das "Gewürzlied" Paprika, und bei "Goethe in Italien" träumte sich das Publikum mit viel Fantasie in eine laue italienische Sommernacht. Ein schnelles Kutschlied schloss sich an.

Als Homage an das Johannisthal gab es aus der Feder von D.D. Lowka "Das ruhige Johannisthal", das eigentlich normalerweise nur das ruhige Tal heißt wie Mulo Francel erklärte. "Ein Komponist, der uns sehr viel gibt, ist Astor Piazzolla", bestätigte der Saxofonspieler Francel, der vom Aussehen und vom Charme her ein wenig an Andre Rieu in jüngerer Ausgabe erinnert. "Piazzolla hat den Tango vermischt mit Jazz, belebt mit Bach und damit die Argentinier gespalten.

Mehrere Zugaben

"Quadro Nuevo" glänzte mit "Das Vergessen" und "Tango der Freiheit" mit einem Harfensolo. Bei Harfenvirtuosin Huber und Bassist D.D. Lowka flogen die Finger in einer Geschwindigkeit über die Saiten, dass man meinte, die fangen zu glühen an. "Wir denken euch ist kalt", wunderten sich die Musiker, als das begeisterte Publikum mit stehenden Ovationen mehrere Zugaben forderte. Mit "Für dich soll's rote Rosen regnen" verschmolz das Publikum zur singenden, schwingenden Einheit. Schließlich wagte sich bei den letzten Takten ein Tanzpaar zum perfekten langsamen Walzer aufs Pflaster.

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