04.09.2014 - 00:00 Uhr
WindischeschenbachOberpfalz

Stämme Neuhaus und Windischeschenbach testen Stadt auf Barrierefreiheit Bergauf schieben kostet Kraft

Integration von Menschen mit Behinderung ist in den Medien zwar häufig Thema, im Alltag aber oft weit vom angestrebten Zeil entfernt. Für die Aktion "Nix besonderes" setzten sich die Pfadfinder selbst in Rollstühle und regten damit die Menschen in Windischeschenbach zum Nachdenken an.

Vor solchen Stufen kapituliert jeder Rollstuhlfahrer. Pfadfinder aus Neuhaus und Windischeschenbach testeten die Stadt auf Barrierefreiheit. Bild: wrm
von Miriam SperberProfil

Sechs Gruppen waren in der Stadt unterwegs, um Geschäfte, Einrichtungen, Spielplätze und Banken auf Barrierefreiheit zu testen. Die Rollstühle hatte das AWO-Seniorenheim zur Verfügung gestellt. Je nach Bedingungen vergaben die Gruppen grüne, gelbe oder rote Fähnchen. Kriterien waren Erreichbarkeit, Höhe der Stufen und die sanitären Anlagen.

Die Gruppen fragten bei den Verkäufern und Inhabern nach, ob sie schon Erfahrungen mit Rollstuhlfahrern gemacht haben. In Gaststuben, wo oft Treppen unvermeidbar sind, wurden beispielsweise Menschen mit Behinderung oftmals die Treppen hinaufgetragen. Inwieweit das für den Betroffenen angenehm ist, sei dahingestellt.

Schnell merkten die Mädchen und Buben, dass es viel Kraft kostet, einen Rollstuhl bergauf zum nächsten Supermarkt zu schieben - alleine fast unmöglich.

Treppen zu Geschäften waren die größten Hürden - vor allem in der Hauptstraße. Das bedeutete Kraftaufwand für den Schieber: Er müsste den Rollstuhl kippen, um ihn über die Stufe zu ziehen. Die Pfadfinder, die dabei passiv im Rollstuhl saßen, fühlten sich nicht sehr wohl. "Es ist ein komisches Gefühl, total auf den Fahrer angewiesen zu sein", meinte eine Pfadfinderin.

Einige Geschäfte haben rampenähnliche Spuren über Treppen eingebaut. In einer Bank war dies allerdings sehr umständlich. Die Rampe über die drei Stufen hinweg war sehr steil. Sogar mir Schwung war es unmöglich, hinauf zu kommen. Am Ende packten vier Kinder mit an, bis das Hindernis überwunden war. Eine Friseurstube hat eine gute Lösung gefunden: "Für Personen mit Rollator, Rollstuhl oder auch Kinderwagen haben wir eine Rampe, die wir bei Bedarf über die Treppe legen können", meint die Friseurin.

Lebensmittelgeschäfte waren gut per Rollstuhl zu erreichen. Schwieriger wurde es im Laden, wenn man den Joghurt aus dem oberen Kühlregal haben wollte oder die Packung Nudeln aus der untersten Reihe. Teilweise wird Rollstuhlfahrern Hilfe angeboten. Im Geschäft könne sich der gehbehinderte Mensch an der Kasse melden und um Hilfe bitten, erklärte eine Verkäuferin.

Die Kinder lernten, dass sie immer wieder auf fremde Hilfe angewiesen waren. Selbst in der Eisdiele in Windischeschenbach musste erst gemeinsam die Stufe überwunden werden. Das Ziel der Pfadfinder war mit der Aktion auf jeden Fall erreicht: den Menschen die Augen öffnen und zum Nachdenken anregen. Die Ergebnisse wurden im Internet in die "wheelmap" eingetragen. Sie soll Menschen mit Rollstuhl, Gehhilfen, oder Kinderwagen helfen, ihren Urlaub oder ihren Alltag in Windischeschenbach besser planen zu können.

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