31.08.2014 - 00:00 Uhr
WindischeschenbachOberpfalz

Von "C" wie Christ bis "M" wie Mungbohnen: Pater Raphael ein vielschichtiger Aushilfspriester Glauben mit der richtigen Würze

Hinsichtlich Körpergröße und -masse ist er zwar eine eher unauffällige Erscheinung. Aber im Alltag der Pfarreiengemeinschaft war er sowohl in St. Emmeram Windischeschenbach als auch in Heilig-Geist Neuhaus und der Filiale Bernstein sehr präsent: Pater Raphael Neeklamkavil, priesterliche Urlaubsvertretung im August.

Zwei, die im Urlaubsmonat August in der Pfarreiengemeinschaft die Stellung hielten: Gemeindereferent Helmut Nürnberger (links) und Pater Raphael Neelamkavil (rechts). Der indische Geistliche geht bald an die Uni Bochum zurück. Bild: wrt
von Inge WürthProfil

Der Geistliche ist knapp über 50 Jahre alt, wirkt jedoch wesentlich jünger. Nur die vereinzelten silbrigen Haare auf dem Hinterkopf lassen den Schluss zu, dass es sich vermutlich doch nicht mehr um einen ganz jungen Mann handelt. Pater Raphael spricht ausgezeichnet Deutsch und ist bestens mit der Grammatik vertraut.

Nahezu fehlerlos

Trotzdem will er seine Kenntnisse weiter verbessern. "Sprechen Sie mich an, korrigieren Sie mich", legte er schon beim ersten Gottesdienst den Gläubigen nahe. Wegen fehlender Vokabeln - seine Ausdrucksweise ist nahezu fehlerlos - aber durch sein offenes Wesen, seine Aufgeschlossenheit und seine Freundlichkeit hat der Priester in kurzer Zeit viele Leute kennengelernt, Kontakte geknüpft und Gespräche geführt.

Als Urlaubsvertretung hat er mit den Gläubigen Gottesdienste gefeiert und auch alle anderen Aufgaben übernommen. Stets hilfreich an seiner Seite stand, wie er dankbar erwähnt, Gemeindereferent Helmut Nürnberger, der ihn mit Rat und Tat unterstützte. Besuche von Veranstaltungen in den Pfarreien waren Gelegenheiten, ebenfalls mit Menschen zusammenzukommen und sich zu unterhalten. Beim ersten Gottesdienst noch eine Überraschung, dann ein geschätztes Ritual bei den Messfeiern waren Pater Raphaels indische Gesänge. Auch bei seinen Besuchen außerhalb des Gotteshauses erfreute er die Menschen mit Liedern, deren Inhalt er auch immer kurz erklärte. Dabei gehören meditative und religiöse Stücke ebenso zu seinem Repertoire wie Liebeslieder aus indischen Filmen.

Singen sei sein Hobby und diene ihm zur Entspannung, erzählt der Pater. Für andere Freizeitbeschäftigungen hat Raphael wenig Zeit, denn wann immer es möglich ist, sitzt er vor seinem Laptop und schreibt an seiner Doktorarbeit. "Causal Possible Worlds and Continous Creation" ist das Thema und auf seinem Schreibtisch liegt ein Stapel Bücher, die es dafür durchzuarbeiten gilt. Ähnlich beeindruckend auch die Titel seiner Masterarbeit "Physics without Metaphysics?" und seiner bereits publizierten indischen Doktorarbeit "Causal Ubiquity in Quantum Physics".

Der Geistliche hat in Indien Philosophie gelehrt, kam vor vier Jahren nach Deutschland und war zuerst in Münster. Nachdem sich ihm die Chance eines Stipendiums für drei Jahre geboten hat, wird er nach seiner Vertretungszeit an diversen Pfarrstellen wieder an die Uni nach Bochum zurückkehren, um dort zu promovieren. Von den vier Jahren, die er insgesamt benötigt, sind drei durch das Stipendium abgedeckt, mit der Arbeit als Urlaubsvertretung in den Sommermonaten will er die restliche Zeit finanzieren.

Gerne denkt er an seine erste Urlaubs-Einsatzstelle in Grafenwöhr zurück, wo man ihn herzlich aufgenommen habe. Er erinnert sich, dass er seinen Deutschkenntnissen damals noch nicht so sehr vertraute. Auch in Windischeschenbach habe er sich gleich wohlgefühlt, die Pfarreiengemeinschaft sei ihm gegenüber freundlich und offen gewesen, angefangen von den Ministranten, über die Mesner und Seelsorger bis zu den Gläubigen.

Gesang und Tipps

Neben den indischen Sprachen Malayalam, Marathi, Hindi und Tamil faszinierte ihn schon immer Deutsch. Dass er nahezu fehlerfrei spricht, ist seinem Ehrgeiz zu verdanken. Mit einem weniger guten Ergebnis wollte er sich nicht zufrieden geben. Pater Raphael ist es ein Anliegen, Seelsorger zu sein. Glaubensgespräche und Meditation sind ihm wichtig.

Er legt Wert auf gesunde Ernährung. Rohkost steht täglich auf seinem Speiseplan, verriet er. Oft gibt es bei Treffen mit ihm zum indischen Gesang auch noch den einen oder anderen Gesundheitstipp, sei es der positive Effekt beim Verzehr von Mungbohnen oder die heilsame Wirkung von Honig mit Curcuma. Nach Windischeschenbach ist der Geistliche noch in Weiden am Klinikum und in St. Josef eingesetzt, bevor es zurück nach Bochum geht.

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