Baustelle in der Neustädter Straße in Windischeschenbach
Sisyphusarbeit am Fundament

Lagebesprechung auf der Baustelle: Diplom-Ingenieur Günter Schwab (Zweiter von links) informiert Bürgermeister Karlheinz Budnik und Geschäftsleiter Wolfgang Walberer über den Fortschritt der Arbeiten. Bild: mic
Politik
Windischeschenbach
23.08.2017
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Die Baustelle in der Neustädter Straße gehört zurzeit zu den beliebtesten Gesprächsthemen in der Stadt. Wie lange dauern die Arbeiten? Hätte es gereicht, die Fahrbahn halbseitig zu sperren? Warum sind nicht mehr Arbeiter im Einsatz? Diplom-Ingenieur Günter Schwab hat Antworten.

Dass an der Ecke Neustädter Straße/Schlosshof ein Regenüberlauf gebaut wird, wissen die meisten. Doch wie umfangreich und mühsam die Vorarbeiten für diese Maßnahme sind, kann sich niemand vorstellen.

"Um überhaupt mit dem Bau des Regenüberlaufes anfangen zu können, mussten wir erst die Fundamente der umliegenden Häuser verstärken", erklärt der Kanalexperte vom Weidener Ingenieurbüro Zwick. Die Fachleute sprechen von Unterfangungsarbeiten. "Viele Gebäude in der Neustädter Straße stammen aus einer Zeit, in der es nicht üblich war, einen Keller zu bauen", fügt Bürgermeister Karlheinz Budnik hinzu. Die Fundamente bestanden damals aus geschichteten Feldsteinen. Das mag für ein Haus genügen, doch umfangreichen Tiefbauarbeiten hält dies nicht stand.

Die Stabilisierung der Grundmauern gleicht einer Sisyphusarbeit. Es muss abschnittsweise aufgegraben und Beton unter das Steinfundament gegossen werden. "Leider geht das nicht auf einmal, sondern kann nur peu à peu erfolgen, denn der Beton muss erst erhärten, bevor es mit dem nächsten Abschnitt weitergehen kann", sagt Schwab. Das erklärt auch, warum nur wenige Bauarbeiter vor Ort anzutreffen sind.

Mit dem eigentlichen Bau des Regenüberlaufs, der 12 mal 4 Meter misst und 3 Meter in die Tiefe reicht, kann nächste Woche endlich begonnen werden. Dann rückt die Firma Gollwitzer mit schwerem Bohrgerät an. Für den Überlauf muss eine Pfahlwand eingesetzt und dann vier Meter in die Tiefe gegraben werden. Viele mögen sich die Frage stellen, warum dieser Standort gewählt wurde, wenn die Realisierung so kompliziert ist? "Wir haben im Vorfeld einige Untersuchungen angestellt", erklärt Schwab. "Um das Abwasser optimal abzuleiten, ist hier genau der richtige Platz." Hätte beispielsweise in einem anderen Stadtteil ein derartiger Überlauf gebaut werden müssen, würden die Arbeiten um einiges schneller gehen, ist sich Bürgermeister Budnik sicher.

Wenn die Pfahlwand im Boden ist, wird der Bautrupp auch aufgestockt, schließlich sollen nicht nur der Kanal, sondern alle anderen Versorgungsleitungen erneuert werden. Dazu gehört auch, Leerrohre für den Breitbandausbau zu legen.

Wenn das Wetter mitspielt, dürften die Arbeiten in der Neustädter Straße bis Weihnachten beendet sein. Dann wird die Sperre aufgehoben, die aus Sicherheitsgründen nur komplett möglich war. "Eine halbseitige Sperrung hätte viel zu viel Gefahrenpotenzial mit sich gebracht." Außerdem wäre an der Engstelle neben einem Bagger nicht einmal mehr Platz für ein Auto. 2018 geht es mit dem Ausbau des Schlosshofs weiter.

Bürgermeister Budnik dankt den Anwohner für ihre Geduld und ihr Verständnis: "Mir ist klar, dass sie viel mitmachen müssen." Einige können den Bauarbeiten jedoch auch Gutes abgewinnen, denn seitdem die Neustädter Straße komplett gesperrt ist, würde wenigstens nachts Ruhe einkehren. Und die gebe es in dieser Form sonst nicht.

Um überhaupt mit dem Bau des Regenüberlaufes anfangen zu können, mussten wir erst die Fundamente der umliegenden Häuser verstärken.Diplom-Ingenieur Günter Schwab
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