12.03.2018 - 14:02 Uhr
Windischeschenbach

Stadt seit Dezember Besitzer des "Oberpfälzer Hofes" Regierung will Areal zunächst städtebaulich prüfen

Wo einst die Theke stand, ragen Rohre und Leitungen aus dem Boden. An der Garderobe hängt ein Kleiderbügel aus Holz. Nur Vorhänge und Lampen erinnern daran, dass der Raum einmal ein Gastzimmer war. Dabei steht der "Oberpfälzer Hof" erst seit Ende Dezember 2017 leer.

Gardinen am Fenster und Pflanzen vor dem Haus: Von außen weist wenig darauf hin, dass der "Oberpfälzer Hof" geschlossen ist.
von Michaela Lowak Kontakt Profil

Von außen sieht das ehemalige Hotel aus wie immer. Vor dem Haus stehen Pflanzkästen mit Thujen. An den Fenstern hängen Gardinen. Fremde, die von weitem die große Werbetafel lesen, kommen zunächst nicht auf die Idee, dass in dem Gebäude kein Leben mehr ist.

Bei genauerem Hinsehen fällt auf, dass in den Schaukästen vor dem Eingang keine Speisekarte mehr hängt, sondern die Siedlergemeinschaft die Preise für den Verleih von Gartengeräten bekannt gibt. Ein Zettel an der Tür weist darauf hin, dass die bisherigen Betreiber in der Carl-Orff-Straße weiterhin ein paar Gästezimmer anbieten. Ein Service für unverhoffte Besucher, die von der Schließung nichts mitbekommen haben. Erika und Herrmann Enders haben sich aus Altersgründen aus der Gastronomie zurückgezogen.

Als die Suche nach geeigneten Nachfolgern im Sande verlief, entschloss sich die Stadt, den Gebäudekomplex zu kaufen. Eine Möglichkeit wäre, das Haus wegzureißen und an dieser Stelle Wohnungen zu bauen. Bürgermeister Karlheinz Budnik will sich nicht festlegen, wie schnell sich dieses Vorhaben realisieren lässt. "In den nächsten Wochen wird noch nichts zu sehen sein", gibt er bekannt. "Niemand darf sich wundern, wenn nach Ostern noch keine Abrissbirne kommt." Dennoch soll das Vorhaben zügig angepackt werden. Derzeit sind der Stadt jedoch die Hände gebunden. Bevor ein Beschluss über die weitere Verwendung gefasst wird, ist zunächst auf Bitten der Regierung der Oberpfalz eine städtebauliche Beurteilung dieses zentral gelegenen Komplexes vorzunehmen. Bürgermeister Budnik rechnet mit dem Vorliegen dieses Ergebnisses in der zweiten Jahreshälfte 2018.

Ein Großteil des Mobiliars ist verkauft, aber im gesamten Haus finden sich immer wieder Stücke, die anscheinend niemand haben wollte. Auf einem Tisch im ehemaligen Gastzimmer stapeln sich verschiedene Teller, Tassen, Brotkörbchen, Auflaufformen und Schneidbretter. In einem Fremdenzimmer im ersten Stock liegen unzählige Bettdecken und Kissen übereinander am Boden, die an das Lager für die Prinzessin auf der Erbse erinnern.

Die kalten Tage der vergangenen Wochen haben das Gebäude, in dem nicht mehr geheizt wird, in einen Eisbunker verwandelt, was den unwirklichen Eindruck nur noch verstärkt. Hier ein alter Kleiderschrank, da ein Bettgestell ohne Matratze und Lattenrost. Und immer wieder kleine Röhrenfernsehgeräte, die im Zeitalter von Flachbildschirmen, aus einer längst vergangenen Zeit zu stammen scheinen. Auch der öffentliche Münzsprechapparat im Treppenhaus dürfte schon einige Jahre auf dem Buckel haben. Neben Geldeinwurf zeigt ein Schild an, dass das Telefon sowohl mit 10 und 50 Pfennigstücken als auch mit 1, 2 oder 5 Mark gefüttert werden kann.

Aus dem zweiten Stock des ehemaligen Hotels bietet sich eine schöne Aussicht auf die Stadt, was für potenzielle Mieter durchaus ein Pluspunkt sein könnte. Der Freistaat unterstützt das städtische Vorhaben, auf dem Areal des "Oberpfälzer Hofes" Wohnungen zu bauen. Der Fördertopf des Kommunalen Wohnraumförderungsprogramm beinhaltet insgesamt 600 Millionen Euro. Bürgermeister Budnik macht aber deutlich, dass die neue Nutzung auch im Hinblick auf die städtebauliche Entwicklung zu betrachten ist, in die die Stadt wieder einsteigen möchte. "Eine weitere Fördervoraussetzung der Regierung der Oberpfalz", betont der Rathauschef.

Auch der Kauf des Areals, zu dem das frühere Gierisch-Haus gehört, verlief in enger Ansprache mit Regensburg. Bevor die Stadt Geld locker machte, musste ein amtlich vereidigter Sachverständiger beauftragt werden, der den Wert des Gebäudes schätzte. Über die Gerüchte, die zur Zeit die Runde machen, kann Budnik nur den Kopf schütteln. "Von einer Million Euro kann nicht die Rede sein", dementiert er den angeblichen Kaufpreis, über den getuschelt wird. "Das stimmt nicht." Nicht alles fällt der Abrissbirne zum Opfer. Was mit den Bleiglasfenster im Erdgeschoss geschieht, kann der Bürgermeister nicht sagen. "Wir werden eine schöne Verwendung finden. Entsorgt werden sie jedenfalls nicht." Unter anderem zeigen die Fenster das Stadtwappen und die Kirche.

Futura im Rückblick

Raritäten im Nebenzimmer

Im Nebenzimmer finden sich Schätze, die viel zu schade sind, um mit dem Gebäude zu verschwinden. Viele der Kabarettisten, die im Laufe der Jahre bei der Futura '87 auf der Bühne standen, übernachteten im "Oberpfälzer Hof". Die Familie Enders hat eine Galerie angelegt. An den Wänden hängen Bilder von Michael Mittermeier, Luise Kinseher, Dieter Hildebrand, Michael Altinger, Erwin Pelzig, Bernd Regenauer, Holger Paetz oder Simone Solgar - um nur einige zu nennen. Die Fotos, die auch Stadtgeschichte dokumentieren, werden nicht weggeworfen, sondern bekommen einen Platz im Waldnaabtal-Museum. (mic)

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