05.02.2018 - 15:10 Uhr
Windischeschenbach

Fastnacht in Franken [Aktualisierung] Fehltritt der Feierwehrkapell'n in Veitshöchheim

Der Auftritt der „Altneihauser Feierwehrkapell’n“ gehört sogar für viele Faschingsmuffel zu den Glanzlichtern bei der „Fastnacht in Franken“ im Bayerischen Fernsehen. Diesmal stehen Norbert Neugirg und seine Truppe nach ihrer Showeinlage allerdings mitten im Sturm der Entrüstung.

Norbert Neugirg von der "Altneihauser Feierwehrkapell'n" bei seinem Auftritt im Jahr 2015 auf der Prunksitzung des Fränkischen Fastnachtsverbandes "Fastnacht in Franken" in Veitshöchheim auf. Archivbild: David Ebener/dpa
von Frank Stüdemann Kontakt Profil

Veitshöchheim. (üd/dpa) Als am Freitagabend im BR-Fernsehen der Quotenrenner „Fastnacht in Franken“ läuft, ist aus Sicht der Oberpfalz eigentlich alles wie immer. Die „Altneihauser Feierwehrkapell’n“ marschiert als Stoßtrupp im „feindlichen Franken“ ein, macht sich in bewährter Manier über die Veranstaltung, die Gastgeber und den Frankenwein lustig. Als Norbert Neugirg und seine Mannen allerdings minutenlang über das Alter von Emmanuel Macrons Ehefrau Brigitte herziehen, sind etliche Zuschauer im Saal hörbar wenig begeistert.

Aures wird deutlich

Die Würzburger „Main-Post“ berichtet, Inge Aures, Vize-Präsidentin des Bayerischen Landtages, habe sich Neugirg noch auf der Bühne nach der Sendung geschnappt: „Wenn du noch mal so etwas singst, dann fliegst du raus“, soll sie gesagt haben. Das Blatt berichtet, die Macron-Nummer sei schon nach der Generalprobe intern ein Thema gewesen, auch bei Vertretern von Fastnacht-Verband und Bayerischem Rundfunk (BR). Wie Oberpfalz-Medien aus dem Umfeld der „Feierwehrkapell’n“ erfuhr, wurde die Kritik, falls es sie denn gab, zu diesem Zeitpunkt jedenfalls nicht an Neugirg und seine Musiker herangetragen.

Schon am Abend der Sendung entlädt sich im Internet der Frust vieler Fans, es gibt aber auch positive Äußerungen (siehe „Stimmen aus dem Netz“). Über das Wochenende kocht die Diskussion um den Auftritt der Oberpfälzer Musik-Komödianten weiter, noch am Montag sind die „Altneihauser“ Gesprächsthema. Auch Heinrich Bedford-Strohm, Landesbischof der evangelischen Kirche in Bayern und Gast der Fernseh-Prunksitzung, hat Lob und Tadel parat: „Das war das stärkste Programm, das ich bisher bei ‚Fastnacht in Franken‘ in Veitshöchheim gesehen habe. Bis auf wenige Ausnahmen (die Sätze über Emmanuel und Brigitte Macron waren voll daneben) eine Kette von Highlights“, schreibt er auf Facebook.

Für den Bayerischen Rundfunk, der die Sendung seit mehr als 30 Jahren live überträgt, ist die „Fastnacht in Franken“ Jahr für Jahr ein Quotenhit, keine andere BR-Sendung wird von so vielen Menschen geschaut. In diesem Jahr schalteten laut Senderangaben 4,21 Millionen Menschen deutschlandweit die Sendung ein; allein 2,48 Millionen davon in Bayern.

Der Sender gibt sich auf Nachfrage der Redaktion am Montag diplomatisch: „Uns haben zu dem speziellen Auftritt der ‚Altneihauser Feierwehrkapell’n‘ durchaus kritische Zuschaueranfragen erreicht, die wir als BR sehr ernst nehmen“, teilt eine Sprecherin schriftlich mit. Sollten durch „besonders zugespitzte satirische Passagen Irritationen entstanden sein“, bedauere das der Sender ausdrücklich.

BR weicht aus

Der Frage, ob es bereits nach der Generalprobe Diskussionen über den Macron-Text gegeben habe und ob man Neugirg gebeten habe, diesen zu ändern, weicht der BR aus: „Die Texte aller Künstler unterliegen einer stetigen Anpassung bis kurz vor der Sendung. Dabei geht es immer aber auch darum, zwischen künstlerischer Freiheit und redaktionellen Eingriffen abzuwägen. Denn die künstlerische Freiheit ist ein besonders geschütztes Grundrecht.“ Der Wirbel um den „Altneihauser“-Auftritt soll laut BR Konsequenzen haben – allerdings bleibt offen, wie genau diese aussehen sollen.

„Die Redaktion wird sich im nächsten Jahr noch genauer mit dem Fastnacht-Verband Franken und den Künstlern im Vorfeld abstimmen“, kündigt der Sender an. „Grundsätzlich sollte ein einzelner Auftritt nicht die gesamte Sendung in Frage stellen.“

Kein Kommentar

„Bei ‚Fastnacht in Franken‘ handelt es sich um eine kabarettistische Sendung in Zusammenarbeit mit dem Fastnacht-Verband Franken, die grundsätzlich von der Zuspitzung lebt“, erklärt der zuständige Redaktionsleiter und stellvertretende Chef des BR-Studios Franken, Norbert Küber. Der Präsident des Fränkischen Fastnacht-Verbandes, Bernhard Schlereth, will jedoch nicht verhehlen, „dass die Zuspitzung vielleicht ein bisschen unglücklich war“.
Die „Altneihauser Feierwehrkapell’n“ selbst hat sich bis Montagabend zu der Debatte weder auf ihrer eigenen Internetseite noch auf Facebook geäußert. Auf Anfrage von Oberpfalz-Medien verweist „Kommandant“ Norbert Neugirg lediglich auf die Stellungnahme des BR, in der dieser die Bedeutung der künstlerischen Freiheit betont.

"Die schärfste alte Hütte"

Neben den traditionellen Seitenhieben auf die Franken im Allgemeinen und den Frankenwein im Speziellen hatte sich die „Altneihauser Feierwehrkapell’n“ bei der „Fastnacht in Franken“ am vergangenen Freitag auf Brigitte Macron eingeschossen. Ihr Gatte Emmanuel, der französische Präsident, „steht neben Puderdosen als Mann mehr auf verblühte Rosen“, spöttelte Norbert Neugirg in seiner Rolle als Kommandant der Gurkentruppe. Macron habe eine Vorliebe für „biologisch zahme, gut abgehangene Damen“. Schon an dieser Stelle waren aus dem Publikum vermehrt Buhrufe zu hören. „Brigitte Macron ist unbestritten/ein gut eingefahrener Schlitten“, setzte Neugirg nach – wieder laute Unmutsbekundungen.

Zur Melodie des Schlagers „Pigalle (Die große Mausefalle)“ spielten die „Altneihauser“ zum Abschluss eine deftig-derbe Ode an die First Lady Frankreichs. „Brigitte, Brigitte, du bist die schärfste alte Hütte mitten in Paris“ lautete der Refrain, und in einer Strophe hieß es: „Macron ist erst zum Mann geworden, als er auf dich stieg.“

Die Wiederholung von „Fastnacht in Franken“ läuft am Faschingsdienstag, 13. Februar, um 12 Uhr im BR.(üd)

Regensburger Kulturwissenschaftler kritisiert Auftritt der „Altneihauser“

Regensburg. (dpa) Der Kulturwissenschaftler Gunther Hirschfelder findet, die „Feierwehrkapell’n“ habe mit ihrem Auftritt bei „Fastnacht in Franken“ eindeutig eine Grenze überschritten. „Das war mutig und dumm. Das ist ein übles Foul, das nach hinten losgegangen ist“, sagt der Professor für vergleichende Kulturwissenschaften von der Universität Regensburg.

Der Angriff auf Macrons Ehefrau sei eine „Ehrverletzung und kein politischer Diskurs“. Witze im Karneval sollen und dürfen derb sein, sagt Hirschfelder weiter.
Aber: „Der Sinn des Karnevals besteht in seiner politischen Diktion darin, auf politische Missstände hinzuweisen und nicht Menschen in ihrer persönlichen Lebenssituation zu diffamieren.“ Die Grenze des Anstands sei mit den Aussagen zu Macrons Frau überschritten. „Das heißt nicht, dass man Macron nicht wegen seiner politischen Fehler hart angreifen darf“, so der Experte für Karnevalsforschung. In Zeiten der #MeToo-Bewegung sind Witze über Frauen ohnehin meist eine Gratwanderung. Die Gesellschaft scheint genauer hinzuschauen.

Das bestätigt auch Hirschfelder: Die Gesellschaft sei sensibilisierter bei Themen, die frauenfeindlich sind. „So eine Sache wäre vor zehn Jahren noch als misslich, aber eben leider auch normal eingestuft worden.“ Viele Komiker unterlassen deshalb sexuelle Anspielungen vorsichtshalber – oder bringen sie nur gegen die Männer.

Maximale Erregung

Angemerkt von Frank Stüdemann

Norbert Neugirg ist als Komödiant kein Mario-Barth-Krawallo und kein Ingo-Appelt-Pöbler, sondern ein kluger Texter, der bis kurz vor jedem Auftritt an seinen Reimen feilt. Deshalb ist es besonders bitter, wenn jetzt solche Wellen der Empörung über ihm und seiner Truppe zusammenschlagen. War der jüngste Auftritt in Veitshöchheim ein Ruhmesblatt in der Karriere der „Feierwehrkapell’n“? Mitnichten. Die Attacken auf Franken und Frankenwein gehören zum Standardrepertoire, wirken aber so langsam abgestanden. Das Abarbeiten am Alter von Brigitte Macron war unnötig und platt. Dass sich darüber die Zuschauer im Internet massiv empören, macht aus der Sache zwar ein Thema. Ein Skandal ist sie deshalb aber noch lange nicht.

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