Förderantrag für Zoiglskulpturen im Februar
Feurige Diskussion in Bronze

4,50 Meter hoch sollen die Bronzeskulpturen die Einzigartigkeit des Zoigls in der nördlichen Oberpfalz symbolisieren. Mit der Idee können sich die Gemeinden anfreunden, über die Gestaltung sind die Meinungen geteilt. Bild: Schönberger
Vermischtes
Windischeschenbach
13.01.2017
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Von einer einmaligen Chance und einem Zusammentreffen glücklicher Umstände sprechen die einen. "Greislich" und "Grampf" schreiben die anderen, Gerüchte gibt es obendrein.

Der Zoigl, von dem man sagt, er bringe die Leute zusammen, scheint einen Spaltpilz zu haben. Dabei geht es bei der Diskussion gar nicht um das Bier und im engeren Wortsinn auch nicht um die Zoiglkultur der nördliche Oberpfalz. Ein Stein des Anstoßes ist ein Krug, einer aus Steingut, in dem der Zoigl derzeit nur selten daherkommt. Aber nicht nur deswegen machen manche Gegner mobil. Aufreger ist ein Kunstwerk. Genaugenommen sogar fünf 4,50 Meter hohe Plastiken des Amberger Künstlers Harald Bäumler.

Dessen Vater Heribert kennt sich auch noch als Ruheständler aus im Finanz- und Zuschussdschungel. Als solcher begleitet er das 250 000-Euro-Projekt kaufmännisch, damit es der Kulturverein Bohème als Träger mit einer 70-prozentigen Leader-Förderung stemmen könnte. Die beteiligten Kommunen müssten 20 Prozent der Kosten schultern.

"Der Verein bringt Leistung und Geld ein", betont Bohème-Vorsitzender Jürgen Herda. Er spricht von einer günstigen Gelegenheit, wenn man darüberhinaus wisse, was Bronzeskulpturen in Material und Herstellung bei der Gießerei kosten. Für die künstlerische Leistung werde kein Geld ausgegeben. Außerdem habe Mitterteich den Bau eines Brunnens vorgehabt. Das ist der eine Wegweiser für die Idee eines Skulpturenweges, der Eslarn, Neuhaus, Windischeschenbach, Falkenberg und Mitterteich verbindet.

Kunst verbindet

Der andere, quasi der Ausgangspunkt, ist Norbert Neugirg. Die kabarettistische Ikone der Zoiglwerbung ackert schon seit Jahren an der Abgrenzung des Originals vom Nachahmer. Mit dem sprachkundigen Bäumler junior war er des öfteren auch im Nachbarland unterwegs. Dabei entstand irgendwann die Idee für ein Projekt Zoigldenkmal. "2004 habe ich begonnen, mich mit dem Zoigl zu beschäftigen", begegnet der Kommandant der "Altneihauser Feierwehrkapelln" Gerüchten, dass sein Einsatz für die fünf Skulpturen etwas mit erst in jüngster Zeit aufgekeimten freundschaftlichen Verbindungen innerhalb der Familien Neugirg und Bäumler zu tun hätte.

Bereits Mitte 2013 stand der Gedanke für ein einzelnes Zoigldenkmal in Windischeschenbach auf der Tagesordnung des Stadtrats. Gloser-Wirt Martin Popp hätte ein Grundstück zur Verfügung gestellt, gestorben ist es nach einer Ablehnung durch den Stadtrat. Schon damals war der Entwurf kontrovers diskutiert worden.

Popp spricht sich heute prinzipiell für die fünf Skulpturen aus. Er gibt aber zu, nicht ganz glücklich über die Entwürfe für die beiden Stiftland-Gemeinden Falkenberg und Mitterteich zu sein. "Dem einen gefällt es, dem anderen eben nicht." Man solle die Chance, wahrnehmen, die das Projekt für den Fremdenverkehr und den Zoigl biete. "Wir nehmen solche Angebote wahr, wenn wir irgendwo im Urlaub sind." Er hätte vorgeschlagen, dass Künstler aus den einzelnen Orten Künstler die Werke gestalten.

Das aber wäre eine teure und kaum zu finanzierende Sache gewesen, meint Herda. Experten der Regionalförderung hätten davon abgeraten, einen Wettbewerb vor Ort zu organisieren. Außerdem hätte so eine Vorgehensweise lange gedauert.

Köpfe bekommen Körper

Mittlerweile liegen die Grundsatzbeschlüsse der meisten Stadt- und Gemeinderäte vor, dass man sich beteiligen wolle. Die Ausgestaltung selbst fand allerdings kaum einhellig Gefallen. In Mitterteich werden Neugirg und Künstler Bäumler deshalb am Montag im Stadtrat eine überarbeitete Version vorstellen. Wie es heißt, sollen dann nicht nur Köpfe der Zoigltrinker aus dem Boden ragen, sondern ganze Gestalten.

Allerdings werden die Räte kein neues Bronzemodell beurteilen könne. "Das überfordert unsere finanziellen Möglichkeiten", begründet Bohème-Chef Herda. Die bestehenden Klein-Skulpturen habe man in Vorleistung als Vorlagen anfertigen lassen, um den Entscheidern eine Vorstellung der Ideen zu vermitteln.

Entflammter Tropfen

Für die Förderung sei ein roter Faden bei den Kunstwerken nötig, sagte Neugirg. Das sei bei den Entwürfen der liegende Zoiglstern als Granit- sockel und der mystisch anmutende Biertropfen, der an eine Flamme erinnere. Anfang Februar will der Kulturverein die Förderung beantragen. Das geht zur Not auch mit vier Standorten." Wenn einer nicht mitmache täte es ihm sehr leid.

Hans-Michael Pilz ist beim Landwirtschaftsamt (AELF) in Neumarkt für die Leader-Förderung für den ländlichen Raum in der Region zuständig. Für ihn repräsentiert das Projekt eine regionale Besonderheit, die es wert ist, herausgehoben zu werden. Dazu komme auch noch der touristische Aspekt, den ein Zoigl-radweg zwischen den fünf Kommunen noch unterstreichen soll.

Dem Grundgedanken stimmt auch der Vorsitzende der Neuhauser Kommunbrauer, Thomas Witt zu. "Ich finde es okay, dass für die fünf Zoiglhochburgen und deren gemeinsamen Auftritt etwas gemacht wird." Die Ausgestaltung gefalle eben dem einen und dem anderen eben nicht.

Wuchtiger Tropfen - Angemerkt von Uwe IblZugegeben, einen Freudentaumel samt wohlklingender Lobeshymnen wie in Hamburg zur Eröffnung der Elbphilharmonie wird es rund um die fünf Oberpfälzer Kommunbrauhäuser nicht geben. Auch dann nicht, wenn die Diskussion um die Kunstwerke bei den Bewohnern abebbt und der Brau- und Genussprozess des Zoigls in massiver Bronze unübersehbar dasteht.
Allerdings ist bei dem Kunstprojekt für den echten, unverfälschten Zoigl auch keine Preissteigerung in ungeahnte Höhen zu erwarten. Das versprechen die Initiatoren mit, wenn sie von einer einmaligen Gelegenheit sprechen.
Über Kunst lässt sich trefflich streiten. Allein von dieser Definition her sind Bäumlers Werke schon vor der Realisierung Kunst und werden es auch lange Zeit sein. Doch zum Schäumen sollte der wuchtige Bronzetropfen auf Granit den Zoiglgänger ebensowenig bringen, wie das Zoiglfass zum Überlaufen. Für Gesprächsstoff sorgt er in fünffacher Ausfertigung allemal – und das hoffentlich auch bei vielen Gästen.
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