Glasstraßenpreis für den Friedensengel
Rote Flügel wecken Hoffnung

Erwin Otte, Kulturpreisträger der Oberpflalz, erhielt für seinen Friedensengel den Glasstraßenpreis 2016 (rechts). Die Skulptur mit ihren roten Flügeln steht seit April auf der Panzersperre in Windischeschenbach. In seinem Atelier in Reuth präsentiert der Künstler ein Modell (links) seines Werks. Bild: mic
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Windischeschenbach
16.12.2016
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In der Morgendämmerung, kurz bevor die Sonne aufgeht, erstrahlt der Friedensengel in besonderem Glanz. Bild: hfz

Seit April steht der Friedensengel auf der Panzersperre in Windischeschenbach. Künstler Erwin Otte erhielt nun für seine Skulptur den Glasstraßenpreis 2016.

Von Michaela Lowak

Die Idee ein Mahnmals auf einem Relikt aus dem kalten Krieg landen zu lassen, hatte Otte bereits von 20 Jahren. Inzwischen findet der gläserne Friedensengel auch bayernweit Anerkennung.

Was bedeutet es für Sie, den Glasstraßenpreis erhalten zu haben?

Erwin Otte: Natürlich bin ich stolz darauf. Der Glasstraßenpreis wird nur alle zwei Jahre verliehen. Das ist eine Auszeichnung mit Dimension. Ich sehe mich dadurch in meiner Arbeit bestätigt, zumal mich die achtköpfige Jury einstimmig zum Sieger erkoren hat.

Sie waren zur Preisverleihung nach Riedlhütte im Bayerischen Wald eingeladen...

Das war fast wie bei einer Bambi-Verleihung. Die Verantwortlichen habe es sehr spannend gemacht. Ein Filmteam aus Passau hatte mich im Vorfeld in meinem Atelier besucht und auch in Windischeschenbach gedreht. Der Clip lief dann bei der Verleihung, nachdem bekannt war, dass ich gewonnen hatte.

Aber Sie wussten von Ihrem Erfolg?

Ja, ich bin per Post informiert worden. Allerdings durfte ich nichts verraten.

Es gab 14 Mitbewerber. Hatten Sie sich vorher Chancen auf den Sieg ausgerechnet?

Sagen wir mal, ich hatte ein gutes Gefühl.

Stimmt es, dass Sie fast verschwitzt haben, die Unterlagen für den Wettbewerb einzureichen?

Ja, das ist richtig. Aber zum Glück hat mich Sandra Henkens, die Tourismusreferentin der Stadt Windischeschenbach, kurz vor Abgabeschluss noch angerufen.

Der Friedensengel hat Sie als Künstler von der ersten Idee 1996 bis zur Umsetzung im April viele Jahre begleitet.

Ja, das war ein Projekt mit Herzblut. Ich war von Anfang an von dieser Aufgabe beseelt. Das gab mir auch die Energie, dieses Werk zu vollenden.

Die roten Flügel des Engels leuchten schon von weitem. Warum haben Sie sich für die Farbe Rot entschieden?

Rot setzt einen starken Akzent und steht für wahre Liebe. Gleichzeitig verweist Rot als Energie- und Signalfarbe mahnend auf den negativen Teil der Menschheitsgeschichte, aus der wir längst hätten lernen sollen. Der markante dritte Flügel steht für ein hoffentlich friedvolles drittes Jahrtausend.

Viele Betrachter haben von einer ganz besonderen, positiven Stimmung berichtet. Wie kommt das?

Farbe ist der Schlüssel zur Seele. Das darf man nicht unterschätzten. Vor allem, wenn die Sonne die Flügel durchdringt und das rote Glas zum Leuchten bringt. Das kann schon Emotionen schaffen.

Zu welcher Tageszeit sollte man sich den Friedensengel anschauen?

Meiner Meinung nach ist der beste Zeitpunkt am Vormittag, wenn die gläsernen Flügel im Gegenlicht leuchten. Das lässt sich vom Ausblick der Plattform erleben.

Sie bekamen bestimmt viele Glückwünsche...

Ja, auch Leute, die ich nicht kannte, haben mir gratuliert. Sogar Olaf Heinrich, der Bezirkstagspräsident von Niederbayern, beglückwünschte mich schriftlich.

Warum ist Glas als Ausdruck der Kunst so einzigartig?

Früher habe ich mehr Bilder gemalt, aber auch damals war mir Licht schon wichtig. Mit Glas lässt sich die Lichtwirkung besser steuern. Glas ist ein hochinteressanter Werkstoff mit vielen Möglichkeiten. Durch die reflektierende Oberfläche wird auch der Raum in besonderer Weise thematisiert

Was kommt nach dem Friedensengel?

Hoffentlich Friede! Ich kann mir schon einiges für die Zukunft vorstellen. Doch genaues möchte ich noch nicht sagen.

Glasstraßenpreis 2016Mit dem Glasstraßenpreis sollen Ideen und Projekte gewürdigt werden, die die Glasstraße bereichern und das Interesse am Thema Glas im Oberpfälzer und Bayerischen Wald wecken.

"Aus unsere Sicht ist das eine tolle Geschichte", freut sich Projektleiter Stefan Moder vom Tourismusmarketing Ostbayern. Der Friedensengel verbindet die lange Tradition des Glases in der Region, mit einem modernen Gedanken und dem Symbol für den Frieden im 21. Jahrhundert. "Viele fühlen sich von dieser Skulptur angesprochen", sagt Moder. Auch touristisch gesehen sei der Friedensengel eine Bereicherung.

Bürgermeister Karlheinz Budnik aus Windischeschenbach weiß, wie mühsam und steinig Erwin Ottes Weg von der Idee bis zur Verwirklichung war. Es sei nicht immer einfach gewesen, die Interessen der Deutschen Bahn, der Bundeswehr und der Stadt zu koordinieren. "Deshalb freut es mich sehr, dass der Friedensengel mit dem Glasstraßenpreis 2016 bedacht wurde", sagte er.

"Es mir ein Herzensanliegen. Ich freue mich sehr, dass ein Künstler aus dem Oberpfälzer Wald gewonnen hat", sagte Reinhold Zapf , der frühere Tourismuschef des Landkreises Neustadt. Er sei sehr positiv überrascht gewesen, dass sich die Jury einstimmig für den Friedensengel entschieden habe. "Ein tolles Objekt", schwärmt er. Vor einigen Jahre hätte ein Projekt in Waldsassen gewonnen, deshalb sei es jetzt um so schöner, den Preis in den Landkreis Neustadt geholt zu haben. "Erwin Otte ist ein würdiger Preisträger", betont Zapf. Früher sei man achtlos an der Panzersperre vorbei gefahren. Zapf hofft, dass durch den Preis die Glasstraße wieder mehr Auftrieb bekommt. Auch Goldsteig-Wanderer und kunstinteressierte Zoiglgänger könnten einen Abstecher zum Friedensengel machen. (mic)
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