20.04.2018 - 12:40 Uhr
WindischeschenbachOberpfalz

Haustrunk in der 92. Avenue Zoiglwirtschaft an der US-Westküste

Hippies und Hollywood, Golden Gate und Grunge. Die US-Westküste macht wie kaum eine andere Weltregion Moden zu Mythen. Etwas oberhalb von Kalifornien versucht sie das mit einem Produkt, in dem viel Oberpfalz steckt.

Das muss Liebe sein: Alan Taylor mit seinen flüssigen Herzensangelegenheiten. Für sein Zoigl-Pils hat er beim "Great American Beer Festival" bereits eine Medaille eingeheimst.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Knapp 9000 Kilometer trennen Neuhaus und Mitterteich von Portland, der Hauptstadt des US-Staats Oregon, in der rund 640 000 Menschen leben. Dort tummeln sich laut Wikipedia-Eintrag die meisten Brauereien der Vereinigten Staaten umgerechnet auf die Einwohnerzahl. Darunter sind etliche Kleinstbetriebe.

Einer davon hat sich in Verbindung mit einem Gasthaus Kultstatus ergoren, so dass von einer Mikrobrauerei bei 11,7 Hektolitern Ausstoß pro Monat eigentlich nicht mehr die Rede sein kann. Sein Name: "Zoiglhaus". Sein Symbol: ein fünfzackiger Stern. Sein Bier: untergärig und kräftig gehopft. Sein Vorbild: der Schafferhof.

Mit Letzterem fangen zugleich die Einschränkungen an, die den Westküsten-Zoigl von den hiesigen Kommunbrauern unterscheiden. "Die nüchterne Einrichtung und das dunkle Holz, so etwas wollten wir auch", erinnert sich Alan Taylor an einen Besuch in Neuhaus im Frühjahr 2011. Taylor ist einer von fünf Gesellschaftern des Zoiglhauses in Portland.

"Kopiert mich nicht"

Als das vor ein paar Jahren noch im Stadium der verrückten Idee war, schaute er bei Wirt Reinhard Fütterer vorbei. Der habe sich über das Interesse des Amerikaners gefreut, aber dringend gebeten: "Kopiert mich nicht komplett, macht was Eigenes." Taylor, der mit einer Hamburgerin verheiratet ist und fließend Deutsch spricht, hat das beherzigt. Im Herbst 2015 wurde seine Vision Wirklichkeit. Seitdem ist das Zoiglhaus dem Geheimtipp-Status im Stadtteil Lents längst entwachsen.

"Ich könnte ohne weiteres davon leben", sagt Taylor, obwohl er noch vier Mitgesellschafter und eine vierköpfige Familie hat. Das Zoiglhaus hat über Portland hinaus die Bierszene von Oregon aufgemischt. Die Regionalzeitung empfiehlt es als eines der "fünf besten Lokale für Kinder". Darauf sind die Besitzer stolz. "Vor 20 Jahren waren Kinder in Brauereien noch gar nicht gern gesehen." Sofern sich die Kleinen nicht gerade gegenseitig in der Spielecke die Bauklötzchen stibitzen, dürfen sie im Zoiglhaus auch mal den Schaum von den Gläsern lecken. Auch so etwas hat sich der 46-Jährige bei Besuchen im "Zoiglland", wie er die Kommunbraustätten der Nordoberpfalz nennt, abgeschaut. Für die gesundheitssensiblen USA fast ein kleiner Tabubruch.

Beim Marketing spielen Taylor und seine Kompagnons dagegen amerikanische Stärken aus. Das Zoiglhaus organisiert einen wöchentlichen Lauftreff mit einem Fitnesstrainer. Wer mitmacht und in der Schänke den Flüssigkeitsverlust ausgleicht, bekommt einen Dollar Rabatt aufs Bier. Ähnliches gibt es für Yoga-Fans. Montags gilt es, beim Pubquiz Schnelligkeit und Allgemeinbildung zu beweisen. Jeden letzten Donnerstag im Monat tritt ein Spaßvogel bei der "Comedy night" auf.

Malz statt Mathe

Doch bei aller Eventkultur - die Bierphilosophie beruht auf der reinen Lehre. Taylor hat in Deutschland Brauereiwissenschaften studiert, nachdem er es auch mit Mathematik und Germanistik versucht hat und sich doch nicht dazu durchringen konnte, den Doktor in Mittelhochdeutsch zu machen. Dazu absolvierte er Stationen in Berlin, Wien, Freiburg und Nesselwang.

Taylor ist außer in seinem Wirtshaus Braumeister in zwei weiteren Brauereien, einer davon in Mexiko. In Portland setzt er auf die Marke Zoigl. Spezialitäten namens Zoigl-Pils und Zoigl-Kölsch sind ganzjährig im Ausschank. Zusätzlich gibt es im Sommer eine Zoigl-Weiße, im Herbst ein Festbier, im Winter dunklen Zoigl und im Frühjahr einen einfachen hellen Zoigl. Dazu kommen Spezialitäten wie "Hopfenbombe" und ein Doppelbock namens "Zoiglator".

Bayerischen Gaumen dürften die Goslarer Spezialität "Gose" oder das in britischer Tradition hergestellte Indian Pale Ale sowie ein Craft Beer namens "Ramona Red" noch exotischer vorkommen. Gleichwohl soll das Zoiglflair in Portlands 92nd Avenue in der Luft liegen. "Das Lokal wächst um das Sudhaus herum, die Gäste sollen beim Brauen dabei sein und die Gemeinschaft mit uns teilen." Taylor war bei Besuchen im Zoiglland fasziniert von Holzfeuerung und offenen Kühlschiffen. So etwas in Oregon zu implementieren, wäre jedoch kaum bezahlbar und mit modernen Vorschriften nicht in Einklang zu bringen.

In einem anderen Punkt ist der Import von Zoigl-Spirit schon gelungen. Ganz in der Tradition der Windischeschenbacher Hausbrauer stellt das Zoiglhaus Interessierten regelmäßig 20 Liter Würze und Hefe zum Abholen zur Verfügung. Das kostet 35 Dollar. "Damit sind die Kosten gedeckt", sagt Taylor. "Die Leute sollen zu Hause ihr Bier selbst ansetzen. Sechs Wochen später treffen wir uns im Zoiglhaus und probieren herum. Dabei küren wir das beste Bier. Der Gewinner bekommt die nächste Abfüllung gratis."

Weniger traditionell geht es auf der Speisekarte zu: Pizza, Ceasar's Salad, Burger, Wiener Schnitzel. Big City eben. Ein Hit für acht Dollar ist die "Soft Bavarian Pretzel with home-made beer-garden cheese". Die legt das Zoiglhaus auch Vegetariern ans Herz. Dieser beer-garden cheese wird im Kleingedruckten als Obatzter bezeichnet. Das hat die US-Westküste den Oberpfälzer Kommunbrauern voraus. Denn die dürfen die cremige Leckerei nur noch gegen Geld beim Namen nennen, damit sie nicht riskieren, dass beim Landesverband der bayerischen Milchwirtschaft kollektiv die Schnappatmung einsetzt.

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Weitere Informationen im Internet:

www.zoiglhaus.com oder bei www.facebook.com/zoiglhaus/

Zungenbrecher

Der exzellente Internet-Auftritt des "Zoiglhaus" erklärt auch, was es mit diesem Bier auf sich hat und wo es herkommt. Den Amerikanern bringt es die Tradition und den Namen mit reichlich Humor nahe: "The word Zoigl is pronounced just like it looks. And it's fun to say. We dare you to say Zoigl five times without breaking into a grin. Besides being incredibly addictive to pronounce, there is something pretty cool behind it all." Auf deutsch: "Das Wort Zoigl wird so ausgesprochen, wie es da steht. Es zu sagen, ist recht lustig. Mal wetten, dass ihr es nicht schafft, es fünfmal nacheinander auszusprechen, ohne loszugrinsen. Das kann schnell zur Sucht werden. Aber die Geschichte dahinter ist ziemlich cool." (phs)

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