07.03.2018 - 19:14 Uhr
Windischeschenbach

Interview mit Radiomoderatorin Marion Schieder zum Weltfrauentag "Frauen sollten sich mehr trauen"

Windischeschenbach/München. Frauen verdienten 2016 in Deutschland rund 21 Prozent weniger als Männer. Daran erinnert das europäische Statistikamt zum Weltfrauentag an diesem Donnerstag. Frauen sollten mehr fordern, findet Marion Schieder. Die Moderatorin (Antenne Bayern, München TV) , die aus Pleisdorf bei Windischeschenbach (Kreis Neustadt/WN) stammt, spricht im Interview über das Problem mit dem Lohn, Frauenwitze und die Nationalhymne.

Marion Schieder. Bild: Antenne Bayern
von Elisabeth Saller Kontakt Profil

Weltfrauentag - braucht's das noch?

Marion Schieder: Gute Frage. Ich glaube schon. Ich bin der Meinung, dass der Tag eine gute Gelegenheit ist, sich ins Gedächtnis zu rufen, was Frauen leisten. Das gilt auch für den Weltmännertag. Solche Welttage sollen zum Nachdenken anregen und man sollte sich fragen, was noch zu ändern ist. Es ist eine Gelegenheit, Gedanken auszutauschen.

Was muss sich denn für Frauen noch ändern?

Frauen sollten sich mehr trauen. Zum Beispiel im Berufsleben, bei der Karriere, beim Gehalt. Wir sind zu wenig mutig, sollten klarer mit Forderungen umgehen. Ich rede nicht von Ministerinnen, sondern von Frauen in normalen Berufen. Ich traue mich auch zu wenig, etwas einzufordern. Als Frau sollte man sich öfter fragen, ob ich mir das nicht auch zutraue, was die Männer machen. Wir halten uns manchmal sehr zurück, auch der Harmonie wegen. Da müssen wir uns selbst an die Nase fassen.

Wie finden Sie Witze über Frauen?

(lacht) Ich lache auch über Männerwitze. Aber ich bin eine Verfechterin der Gürtellinie. Solange es nicht um die ordinäre oder primitive Umgangsweise mit der Frau geht, kann ich darüber lachen.

Wie finden Sie das bisherige Bundesministerkabinett? Sind genügend Frauen dabei?

Ich kannte einige gar nicht - Männer und Frauen. Ich schaue aber darauf, ob sie es können. Ich frage mich, ob eine Frau, die vorher nichts mit Bildung zu tun hatte, nun eine gute Bildungsministerin ist oder ein Mann ein guter Finanzminister.

Manche Leute sagen: Wir haben eine Kanzlerin, in Deutschland herrscht Gleichstellung. Wie sehen Sie das?

Unsere Welt besteht nicht daraus, dass eine Frau Bundeskanzlerin ist. Da müssen wir eine Ebene tiefer gehen: Gibt es genug Managerinnen? Gibt es genug Chefinnen? Gibt es genügend Frauen in normalen Arbeitsbereichen? Es gibt keine Gleichstellung, nur weil ein bestimmter Posten wie der des Kanzlers von einer Frau besetzt ist. Da müssen auch auf anderen Posten Frauen sitzen. Was aber ein Schmarrn ist: Wenn es um die Angleichung der deutschen Nationalhymne geht. Das ist Korinthenkackerei. Angemerkt

Noch 100 Jahre

Das Weltwirtschaftsforum hat errechnet, dass es bis zur Gleichstellung noch 100 Jahre dauern soll. Zu lange, findet Bundestagsabgeordnete Marianne Schieder. Deshalb werde das Recht auf befristete Teilzeit bald Gesetz: "Für die Gleichstellung der Geschlechter ist das ein Riesenschritt", teilt Schieder am Mittwoch mit. Der Weidener Verein Dornrose setzt zum Weltfrauentag sexuelle Gewalt am Arbeitsplatz in den Mittelpunkt. Aber die Beratungsstellen brauchen "deutlich mehr finanzielle und personelle Ressourcen, um im Bereich der Diskriminierung und sexuellen Belästigung ... umfangreiche Prävention leisten zu können", schreibt Diplomsozialpädagogin Elisabeth Scherb. (esa)

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