29.09.2017 - 20:06 Uhr
WindischeschenbachOberpfalz

Johann Herrnböck sucht Gleichgesinnte "Das Gute von damals"

Schnell mal eine Tiefkühlpizza in den Ofen zu schieben, kommt für Johann Herrnböck nicht in Frage. "Viele junge Leute wissen gar nicht mehr, was es heißt, mit guten, heimischen Produkten zu kochen", sagt er nachdenklich. Der 57-Jährige sucht Gleichgesinnte, um an die nächste Generation "das Gute von damals" weiterzugeben.

Johann Herrnböck blättert in dem handgeschriebenen Kochbuch seiner Großmutter. Die Aufzeichnungen stammen von 1930 und sind in altdeutscher Schrift verfasst. "Es wäre schön, wenn sich jemand finden würde, der das noch lesen kann", sagt er. Bild: mic
von Michaela Lowak Kontakt Profil

Herrnböck denkt an eine Art Stammtisch, der sich einmal im Monat zum Gedankenaustausch trifft. "Mir geht es dabei nicht nur um Essen, sondern um vieles mehr." Der gelernte Koch lebt seit Ende März in Neuhaus. Nach drei Schlaganfällen muss er kürzertreten und darf nicht mehr ins Berufsleben zurückkehren. Zuletzt war er Küchenchef in der Schlossschänke in Friedenfels.

Im Krankenhaus und auf Reha hatte er Zeit zu grübeln. "Ich habe mir viele Gedanken gemacht, was ich tun kann. Wie kann ich meine Erfahrungen weitergeben?" Zum Interview hat Herrnböck alte Kochbücher seiner Großmutter mitgebracht. Handgeschrieben, in altdeutscher Schrift. Feinsäuberlich hatte die Oma 1930 ihre Rezepte notiert. Die Titel wie Spargelcremesuppe oder Kartoffelsuppe lassen sich gerade noch entziffern, doch dann wird es schwierig. "Mehr bringe ich nicht zusammen", gibt er zu. "Aber auch das könnte ein Thema künftiger Treffen sein, Leute zu finden, die die alte Schrift noch lesen können."

Herrnböcks Gedankenspiele sind vielfältig. Auf einem Block stehen Schlagworte wie Erntedank, Zoigl, Gutes von damals, Tante-Emma-Läden, Wirtshäuser, Bauernhöfe, sauber und fair. "Wenn man eine Wiese sieht, auf der die Hühner im Gras picken dürfen, bekommt man gleich Lust, ein frisches Ei zu essen." Der 57-Jährige erzählt von seinem Vater. "Er hat immer gesagt, dass eine Henne mindestens 10 Quadratmeter braucht."

Auch wenn Herrnböck nicht mehr in der Gastronomie arbeitet, gehört seine Leidenschaft der guten Küche. Deshalb landet er mit seinen Ideen immer wieder beim Essen. Seine Erfahrungen als Koch und als Mitglied bei "Slow Food Deutschland" kommen ihm dabei zugute. Er beginnt zu schwärmen, wenn er von den vielfältigen Möglichkeiten spricht, "alles Gute zu verwerten". "Der Hahnenkamm ist beispielsweise eine Spezialität. Oder denken Sie an Pizza oder Lasagne, das sind Gerichte, bei denen es ursprünglich um die Resteverwertung ging." Früher hätten die Menschen 50 Prozent ihres Einkommens für Essen ausgegeben. "Inzwischen will keiner mehr etwas zahlen", bedauert Herrnböck.

Ob sein Aufruf Erfolg hat, kann er nicht beurteilen. Bei Pfarrer Hubert Bartel hat er schon vorgesprochen. Auch Landrat Andreas Meier und Bürgermeister Karlheinz Budnik will er für das Thema sensibilisieren.

Ich habe mir viele Gedanken gemacht, was ich tun kann. Wie kann ich meine Erfahrungen weitergeben?Johann Herrnböck

Erstes Treffen

Zu einem ersten Treffen lädt Johann Herrnböck am Mittwoch, 11. Oktober, um 19 Uhr in die "Wolframstuben" ein. "Georg Forster war von meiner Idee begeistert und hat spontan seine Zoiglstube zur Verfügung gestellt." Herrnböck hofft, möglichst viele Menschen zusammenzubringen. "Jeder, der sich für das Thema interessiert, ist willkommen", sagte er. (mic)

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