23.02.2018 - 17:34 Uhr
Windischeschenbach

Neues Zuhause für "Digitale Landkarten Bayern" Tür auf für neues Leben in der Villa

20 Stufen muss Kurt Giehl in Zukunft auf dem Weg zur Arbeit nehmen. 31 Jahre lang waren die Stufen zur Stützelvilla hauptsächlich Kulisse für Gruppenfotos von Jugendfreizeiten oder Vereinen - sobald die Villa umgebaut ist, führen sie zum Amt für "Digitale Landkarten Bayern".

Ein Traum von einem Arbeitsplatz: Der Flur mit dem Treppengeländer aus Eisen und dem Mosaik am Boden ist ein echter Hingucker - das findet auch Kurt Giehl vom Amt für "Digitale Landkarten Bayern".
von Maria Oberleitner Kontakt Profil

Giehl lässt die Treppe hinter sich und betritt die Stützelvilla durch den Haupteingang. Angenehm warme Luft schlägt ihm entgegen. "Heizen müssen wir trotzdem, damit wir gut durch den Winter kommen und nichts kaputt geht", erklärt er. Das Wasser dagegen sei abgestellt. Nur eine Toilette im Erdgeschoss des Bettentrakts ist noch benutzbar. "Für die Besucher der Serenaden", sagt er. Die Aura des Jugendtagungshauses liegt förmlich noch in der Luft. "Anmeldung" steht an einer Tür im Erdgeschoss - dahinter an der Wand hängt ein Kästchen, behangen über und über mit Schlüsseln. Schlüssel für den Bettentrakt, die Cafeteria, das Stuhllager, den Werkraum, das Billardzimmer oder den Spieleschrank.

Gegenüber der alten Post arbeiten gerade 23 Personen für "Digitale Landkarten Bayern" - in Sichtweite der Stützelvilla. Kurt Giehl, Leiter des Amtsbereichs Innere Dienste, ist einer von ihnen. Während er und seine Kollegen gerade nur Blickkontakt zur Villa pflegen, sollen sie in einigen Jahren darin arbeiten können.

Giehl hält sich am grünen Treppengeländer aus Eisen fest und zeigt auf das Mosaik am Boden: "Soweit ich weiß, ist das noch original. Nur ganz hinten, in der letzten Reihe, da wurde schon nachgebessert." Wenn er in die Zukunft blickt, sieht Giehl den "blauen Salon" im ersten Stock als repräsentativen Besprechungsraum vor sich. Er drückt einen Schalter, ein kleiner Kronleuchter taucht den Raum in warmes Licht. Er zieht die blauen Vorhänge zur Seite und wirft einen Blick in den Park. "Es ist uns ein Anliegen, den Parkcharakter zu erhalten. Wir wollen uns hier nicht abschotten, die Tür zum Park soll deshalb allen Bürgen offenstehen, wenn es nach uns geht", sagt er und lässt seinen Blick nach links wandern.

"Die Hausmeisterwohnung dagegen werden wir wohl nicht mehr brauchen." Diese wurde beim Umbau zum Jugendhaus extra gebaut, ähnlich wie der Bettentrakt auf der Nordseite. Übertritt man die Schwelle zum Anbau, befindet man sich in einer anderen Welt. Zimmer 19 ist das letzte Schlafzimmer am Gang, ein Einzelzimmer. Direkt gegenüber, Zimmer 20, ist ein ausgedientes Viererzimmer. Vier alte Bettlampen hängen noch an der Wand, im Bad liegt ein Fön, und ein kleiner laminierter Zettel klebt an den Fliesen: "Bitte den Duschvorhang in die Wanne legen, um Überschwemmungen zu verhindern." Zum Ende vergangenen Jahres hat der Kreisjugendring sein Mobiliar ausgeräumt.

Danach untersuchte das Bauamt die Böden auf Schadstoffe. "Alles schadstofffrei", berichtet Giehl. In der Villa soll voraussichtlich ab 2023 die Leitung der Abteilung "Kartographie und Geotopographie" des Landesamts für Digitalisierung, Breitband und Vermessung untergebracht werden. "Wir sind zum Beispiel verantwortlich für den Bayernatlas", erklärt Giehl.

"Gerade befinden wir uns in der heißen Planungsphase. Jetzt wird entschieden, wie genau die Villa in ein paar Jahren aussehen soll." Neun Millionen Euro will der Freistaat investieren. Es steht unter anderem zur Diskussion, ob der Bettentrakt aus den 80er Jahren umgebaut oder abgerissen wird. Weil die Einrichtung modern sein soll, das Gebäude aber historisch und denkmalgeschützt ist, seien die Planungen recht komplex, so die Presseinformation des Ministeriums. Man will vorerst klären, in wie vielen Abschnitten der Umbau erfolgen soll.

Davon hänge dann auch ab, ob Gebäudeteile vielleicht noch vor dem geplanten Fertigstellungstermin im Jahr 2023 bezogen werden können. Giehl betritt die Terrasse auf der Südseite und atmet tief ein. Hier befand sich ehemals der Speisesaal, direkt darunter die Küche. Er zeigt auf die ehemalige "Annahütte", in der bis 1927 Glas gefertigt wurde. "Gegenüber, im Norden, sieht man direkt auf die Burg Neuhaus."

Er malt sich gerne aus, wie es hier später aussehen könnte. "Die größte Herausforderung wird in meinen Augen sein, aus den großen Räumen kleine Büros zu machen."Wann der Umbau beginnt, ist offen. Voraussichtlich 2019, informiert die Pressestelle des Heimatministeriums, nachdem der Landtag den Plänen zugestimmt hat. "Bis dahin arbeiten wir noch in Sichtweite", sagt Giehl und sperrt den Haupteingang ab.

Geschichte der Stützelvilla

Die Stützelvilla ist ein Schmuckstück, ohne Zweifel. Von klein kann allerdings nicht die Rede sein, denn das Gelände ist fast 10 000 Quadratmeter groß. 1887/88 erbaute Glasfabrikant Ludwig Winkler zusammen mit Schwiegersohn Eduard Stützel die Jugendstil-Villa im Stil der Neurenaissance. Nach der Pleite der Klarahütte 1927 wurde die Villa Eigentum der Bayerischen Staatsbank Fürth, später kaufte sie die Stadt Windischeschenbach. Ab 1935 wurde sie von Reichswehr und NSDAP genutzt, im Zweiten Weltkrieg diente sie als Lazarett, Polizeischule und Volkssturm-Quartier, nach dem Krieg als Herberge für US-Militär und Notunterkunft für Heimatvertriebene. Bis Mitte der 70er Jahre wohnten Obdachlose in der Villa, sie verfiel. Für die Nutzung als Jugendtagungshaus schenkte die Stadt dem Landkreis Villa und Park, bis 1984 wurde sie saniert und erweitert, nach 2015 schließlich zur Unterbringung von Asylbewerbern genutzt. In einigen Jahren wird darin "Digitale Landkarten Bayern" untergebracht sein. (olr)

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