25.08.2017 - 20:00 Uhr
WindischeschenbachOberpfalz

Windischeschenbacher Motorenspezialist betreut norwegische Rallyeteams (ergänzte Fassung) Junger Friseur für alte Boliden

In der Scheune steht eine Spülmaschine, wie man sie ähnlich in der Gastronomie kennt. Doch statt für Messer und Teller, nutzt Andreas Reis sie für Motoren. Die macht er manchmal sogar fit für die Rallye Monte Carlo.

von Uwe Ibl Kontakt Profil

Den Weg zur Werkstatt im ehemaligen Schweinestall finden vor allem Oldtimerfans. Und die kommen von weit her. Der gebürtige Neuhauser betreut sogar Rennteams aus Norwegen. Die schätzen weniger die originalgetreue Restaurierung ihrer historischen Käfer und Porsche als das Können des Kfz-Meisters beim Aufbau der Autos für den Einsatz bei Rallyes. Er selbst findet die Technik faszinierender, als selbst zu fahren.

"Es ist immer wieder eine Herausforderung, einen Motor zu bauen, besonders für Wettbewerbe." Reis freut sich, wenn der bei einer Rallye mehrere Tausend Kilometer ohne Probleme läuft. Die Monte Carlo ist immer noch eine Sternfahrt. Norweger wie das Mutter-Tochter-Team Torhild und Tine Hallre starten in Oslo oder Göteborg und fahren auf eigener Achse mit dem Oldtimer-Käfer über Bad Homburg an die Côte d'Azur. Mit Anreise sind das locker 3500 Kilometer. Reis: "Das ist heftig mit den alten Autos."

2015 begleitete der Experte für luftgekühlte Motoren Tore Johannessen bei der Tour de Corse Historique als Servicemann mit dem VW-Bully. Johannessen lag auf Platz drei, als der Kabelbaum im Porsche 911 brannte. "Die Rallye ist gelaufen", entschied der norwegische Fahrer.

Nachtarbeit

Für den Oberpfälzer Mechaniker kam Aufgeben nicht in Frage. "Über Nacht habe ich den Kabelbaum herausgeschnitten und das Auto mit rot-weißen Drähten aus dem Fundus neu verkabelt." Als er die Verbindungen kappte, sei ein Raunen durch die Zuschauer gegangen, erinnert sich der 39-Jährige. "Früh um 3 Uhr ist das Auto wieder gelaufen - bis auf den Anlasser." Johannessen schaffte es ins Ziel.

Der Kontakt zu den Skandinaviern kam über den in Weiden wohnenden Norweger Jan Skute zustande. "Ihn habe ich auf mehreren Motorsportveranstaltungen betreut." Meist ist das Serviceteam mit dem T 5-Bus voller Werkzeug und den übliche Verschleißteilen wie Schläuchen, Antriebswellen und Anlasser zu zweit unterwegs. "Die Erfahrung hat gezeigt, was kaputt gehen kann und mehr Leute braucht man da nicht." Meist hat er seinen Freund Ulrich Sertl dabei, und auch der Weidener Stefan Schmidt saß schon mit im Servicemobil.

Im Winter wie bei der Monte Carlo machen Reifenwechsel viel Arbeit. Kleinere Wehwehchen am Auto werden an den Servicepunkten unterwegs repariert, die größeren Blessuren am Abend am Hotel. Auch ein Kölner Oldtimer-Team mit Porsche ist mittlerweile auf der Kundenliste von Reis. Getroffen haben sich Techniker und Fahrer auf dem Schiff zur Mittelmeerinsel Korsika.

In der Werkstatt im ehemaligen Schweinestall des Vaters stehen Motorengehäuse. Die meisten sind zerlegt und in der Spülmaschine von Öl und Ablagerungen gereinigt worden. Schäden versucht Reis soweit möglich zu reparieren, Ersatzteile sind schwer zu finden, Kontakte zu Händlern in der ganzen Welt sind wichtig, um Qualität zu erträglichen Preisen zu bekommen. Autos für historische Rallyes aufzubauen ist eine ganz andere Welt, als eine Originalrestaurierung, wie sie Reis ebenfalls macht. "Bei Motorsportveranstaltungen muss man sich ans Reglement halten, was Motor und Leistung angeht, sowie eine Sicherheitszelle für den Fahrer und Spezialtanks einbauen."

Familienteam

Das Handwerkszeug, um aus den Liebhaberstücken die optimale Leistung herauszukitzeln, hat er während der Lehre an der Drehbank und beim Fräsen für handwerkliche Motoren- und Getriebeinstandsetzung in Tirschenreuth gelernt. Während der zwölf Jahre bei der Bundeswehr machte er seinen Meister. Seit dem vergangenen Jahr ist er komplett selbstständig. Der Vater hat die Landwirtschaft aufgegeben, hilft in Büro und der Werkstatt in den ehemaligen Ställen und Hallen. Freundin Susanne Wunder unterstützt den Motorspezialisten ebenfalls.

Momentan plant Reis für ein vierstündiges Marathonrennen in Hockenheim. Dort war er im vergangene Jahr mit einem Team vom Norwegischen Rally Drivers Club und schwitzte gewaltig über deren Ruhe. "Bei den ersten Testrunden auf der Nordschleife quoll Rauch aus dem Auspuff, der so blau war wie das Auto." Die Skandinavier hatten die Ruhe weg. "Wir dachten, die Karre brennt gleich ab." In der Mittagspause fanden die Mechaniker den Fehler bei dem seltenen Porsche 911 ST. "Der ist ein Vermögen wert." Eine norwegische Werkstatt hatte im Vorfeld etwas an der Ölleitung verbockt. "Mit Hilfe anderer Teams haben wir das repariert und am Ende noch Platz drei geschafft."

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Weitere Informationen im Internet:

www.onetz.de/Bildergalerie

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