17.10.2017 - 17:32 Uhr
WinklarnOberpfalz

Gebaute Geschichte konservieren

Die Chancen, im ehemaligen Thammer-Anwesen ein "Zentrum für Baukultur und Denkmalpflege" in die Tat umzusetzen, stehen gut. Nicht zuletzt deshalb, weil ein breites Netzwerk aus Fachstellen die Notwendigkeit eines solchen Leuchtturmprojekts mit grenzüberschreitendem Charakter und Strahlkraft weit über die Region hinaus bejaht. Und auch deswegen, weil viele Fördergeldgeber mit ins Boot kommen.

Zum ganztägigen Symposium "Errichtung eines Zentrums für Baukultur und Denkmalpflege" begrüßte Bürgermeisterin Sonja Meier (am Rednerpult) im Winklarner Pfarrheim eine hochkarätige Teilnehmer-Runde, darunter auch Kooperationspartner aus Tschechien. Bilder: Köppl (3)
von Georg Köppl Kontakt Profil

Diese Einschätzung ist das Ergebnis eines hochkarätig besetzten Symposiums, bei dem gestern durch Berichte, Fachvorträge und einen grenzüberschreitenden Erfahrungsaustausch die Notwendigkeit eines solchen Zentrums im Umgang mit Baudenkmälern klar zum Ausdruck kam.

Deutlich wurde aber auch, dass bis zur Umsetzung noch geraume Zeit vergehen wird. Die grundsätzlichen Weichen scheinen gestellt, nun müssen noch entsprechende Organisationsformen und fördertechnische Dinge abgeklärt werden, um das Ganze auch nachhaltig und wirtschaftlich betreiben zu können. Der erste Schritt zur Wiederbelebung des markanten und denkmalgeschützten Leerstands mit einer Fläche von 3 000 Quadratmetern mitten am Marktplatz ist bereits getan.

Hohe Förderung

Im laufenden Bauabschnitt mit Kosten von etwa 1,8 Millionen Euro (bei einer "traumhaften" Förderung von 80 Prozent unter anderem durch Mittel der Städtebauförderung und des Denkmalschutzes) entstehen im Bereich der früheren Gastronomie unter anderem Wohnungen, öffentliche Toiletten, Bibliothek, eine Seniorenanlaufstelle und ein großer Veranstaltungsraum.

Im rückwärtigen Bereich der ehemaligen Brauerei und der Ökonomie-Gebäude ist das Baukultur- und Denkmalpflege-Zentrum angedacht. Bürgermeisterin Sonja Meier war die Freude anzusehen, dafür am ersten Etappenziel angekommen zu sein. Sie blendete auf die Zusammenarbeit der elf Gemeinden im "Brückenland Bayern-Böhmen" und die intensive Auseinandersetzung mit dem Thema "Leerstand" zurück. Probleme der demographischen Entwicklung, Überalterung, Geburtenrückgang und Abwanderung hätten den Verantwortlichen klar gemacht, dass diese Thematik nur gemeinsam zu schaffen ist, was sich in der neuen ILE ausdrückt.

Ein erster Schritt

Dr. Susanne Fischer, Abteilungsleiterin im Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, bezeichnete den bereits laufenden ersten Bauabschnitt "als den ersten Schritt gegen erschreckende Leerstände" und hat das Gefühl, dass mittlerweile auch das Vertrauen in das Landesamt gewachsen sei. Im Bezug auf qualifizierte Handwerkerausbildung und den grenzüberschreitenden Aspekt genieße die Einrichtung für den Denkmalschutz hohe Bedeutung. Professor Dr. Peter Morsbach bedauerte, dass durch die Euphorie der Modernisierung viele Altorte und Ortskerne auf der Strecke geblieben seien. "Diese Entwicklung zu verlangsamen oder umzukehren ist unsere Aufgabe der Zukunft", so der Experte von der Ostbayerisch Technischen Hochschule (OTH) Regensburg und gehöre in das Konzept des Baukultur- und Denkmalpflege-Zentrums (weiterer Bericht folgt).

Vorstellung des Projekts

Architekt Christian Schönberger beleuchtete die Nutzung des geplanten Zentrums. Breiten Raum soll die Forschung an Objekten (Denkmalschutzmaßnahmen) einnehmen, um beispielsweise gesicherte Erkenntnisse über Trockenlegungsmaßnahmen, die Putz- und Feuchteproblematik und zu den Eigenschaften von Baumaterialien zu bekommen. Weil der tägliche Umgang mit alter Bausubstanz oft Fragen bei Eigentümern aufwirft, ist eine fundierte Beratung unerlässlich, die sich auch auf Praxisbeispiele bezieht. Aber auch bei Handwerkern, Lehrlingen, Studierenden und Ingenieuren herrscht beim Umgang mit alter Bausubstanz oft erhebliche Unsicherheit.

Ausbildung, Fort- und Weiterbildung der am Bau beteiligten zusammen mit Partnern wie Handwerkskammer, Hochschulen, Universitäten, wissenschaftlichen Instituten, Bauphysikern und musealen Einrichtungen steht deshalb auf der Agenda ebenfalls ganz oben. Das Wissen über alte Handwerkstechniken gilt es in Theorie und Praxis auch grenzüberschreitend zu konservieren und zu vermitteln, wie es in einer Kooperationsvereinbarung zwischen Winklarn mit der Stadt Plasny in Tschechien bereits fixiert ist. Bauherrentage können die Gebäudeeigentümer gegegenüber der Baukultur aufgeschlossener machen und auch die "Denkmaleigentümer von morgen", Kinder und Jugendliche, müssen dafür sensibilisiert werden. Als "Wissensträger" zu alter Bausubstanz sollen auch die Senioren eingebunden werden. (kö)

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