07.03.2017 - 15:44 Uhr
WinklarnOberpfalz

Historische Bauforschung: Studentinnen in der ehemaligen Thammer Brauerei

Laptop und wissenschaftliches Gerät findet man zurzeit im Innenhof des Thammer-Anwesens in Winklarn. Den beiden jungen Damen, die dort fleißig am Recherchieren sind, hat es besonders die ehemalige Brauerei angetan.

Bürgermeisterin Sonja Meier (rechts) schaute gerne über die Schulter, als die Studentinnen mit Tachymeter und Prisma arbeiteten. Bilder: bej (2)
von Johanna BaierProfil

"Historische Bauforschung" betitelt sich der Studiengang, den Karolin Seitz und Anne Lambert als Aufbaustudium belegt haben. Die beiden Studentinnen der OTH Regensburg haben jeweils den Bachelorabschluss erfolgreich absolviert, Karolin Seitz im Fach Bauingenieurwesen und Anne Lambert in Architektur. Als Masterstudiengang schließt sich nun "Historische Bauforschung" an, ein Studiengang der sehr rar in Deutschland ist. Bis Ende Juni haben die beiden Zeit für ihre Masterarbeit, die die ehemalige Brauerei als Thema hat. Als mögliches Nutzungskonzept für die alten Gebäude wurde hier bereits vor einiger Zeit ein "Zentrum für Baukultur und Denkmalpflege" ins Auge gefasst. Eine Absichtserklärung für eine Zusammenarbeit zwischen der Gemeinde Winklarn, der tschechischen Stadt Plasy und dem tschechischen Nationalmuseum Prag wurde bereits geschlossen und damit eine Basis und Richtungsanzeige geschaffen.

Aufmaß und Forschung

Der Kontakt mit der OTH Regensburg, insbesondere mit dem Studiengangsleiter Professor Dr. Dietmar Korapkat wurde durch die Marktgemeinde Winklarn hergestellt. Korapkat fungiert auch als Mentor von Karolin Seitz und Anne Lambert. Deren Arbeit bedeutet ein "wichtiges Puzzlestück" beim Umsetzen des geplanten Konzepts. Inhalt ihrer wissenschaftlichen Arbeit ist das verformungsgerechte Aufmaß, also eine detailgetreue Wiedergabe der Brauerei. Doch auch intensive Forschungsarbeit gehört zu ihrem Auftrag. Die gesamte Geschichte des Mitte des 19. Jahrhunderts erbauten Gebäudes muss recherchiert werden. Wann und warum erfolgten Anbauten, wer waren die Besitzer, was hatte welche Funktion und viele weitere Fragen gilt es zu beantworten.

Der zweigiebelige Bau verfügt über ober- und unterirdische Räume mit Sudhaus, Kesseln und Kamin. Auf die jungen Damen wartet viel Arbeit. Wichtigstes Gerät ist der Tachymeter. Damit werden Horizontalrichtungen, Vertikalwinkel und auch Schrägstrecken zum Zielpunkt ermittelt. Punkte können so relativ rasch digital auf- und eingemessen werden. Zunächst setzen die Studentinnen Fixpunkte auf dem Boden fest. Hierzu ist auch ein Prisma sehr hilfreich. Per Tachymeter erfolgt dann das Anpeilen von Punkten auf der Fassade, deren Lage und Höhe wird bestimmt.

Auf elektronischem Weg werden diese Daten auf den Computer übertragen, in einem Koordinatensystem eingelesen und schließlich kann als Ergebnis eine dreidimensionale Darstellung des Gebäudes bestaunt werden. Diese Vorgehensweise ist eigentlich identisch mit der Arbeit von Vermessungsleuten. Weiterhin werden die verschiedenen Ansichten, Grundrisse und Schnitte festgestellt, datiert und chronologisch dargestellt. Auch Gebäudeschäden und bauliche Veränderungen müssen aufgelistet werden. Im Innenbereich der Brauerei läuft die gleiche Vorgehensweise ab. Zur wissenschaftlichen Arbeit gehören auch Fotos, Quellenhinweise und Dokumente.

Vorstellung geplant

In der Praxis dienen diese Ergebnisse als Grundlage für architektonische Arbeit. Das heißt ein Architekt kann auf die festgestellten Daten aufbauen. Sobald Anne Lambert und Karolin Seitz ihre Masterarbeit abgegeben und an der Uni präsentiert haben ist auch eine Vorstellung in Winklarn geplant.

 

 

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