26.06.2004 - 00:00 Uhr
WinklarnOberpfalz

Vom Schulprojekt zum Nachschlagewerk - Buch über Marterln in Marktgemeinde Winklarn "Ein greifbares Stück Heimat"

Als Werner Winderl die vergangenen Monate Revue passieren ließ, staunten die Gäste im Winklarner Gemeindehaus nicht schlecht. Der stellvertretende Rektor der Volksschule präsentierte das nagelneue Buch über "Flur- und Kleindenkmale im Bereich der Marktgemeinde Winklarn". Auf unterhaltsame Weise erzählte er, wie aus einer Idee ein wertvolles Nachschlagewerk geworden ist. Besonders stolz war er, dass sich an der Verwirklichung auch Schulklassen beteiligt hatten.

von Michaela Lowak Kontakt Profil

Von allen Seiten gab's Lob für das knapp 400-seitige Buch. Neben Werner Winderl, der das Projekt leitete, hatten die Lehrkräfte Alfons Binder, Annemarie Mösbauer und Andreas Sorgenfrei fleißig mitgearbeitet. Bürgermeister Hans Sailer sprach von einem "Kleinod". "Es ist Ihnen gelungen, dass Interesse der Schüler zu wecken, um so das Erbe weiterzutragen", sagte er. Dass sei wichtig, da in den vergangenen Jahren viele Zeitzeugen verstorben seien.

Rektor Sebastian Gabler hob vor allem den unermüdlichen Einsatz seiner Kollegen hervor. "Wieviele Nachmittage haben Sie draußen verbracht, wieviele Tage waren Sie mit der Protokollierung beschäftigt." Die Kinder hätten dadurch eine neue Sichtweise für ihre Heimat gefunden und viele Lebensschicksale erfahren.

"Marterln fallen nicht auf, aber sie sagen mehr über Heimat und Gegend aus, als so manch einer für möglich hält", eröffnete Werner Winderl seinen Rückblick. "Sie drängen sich nicht in den Vordergrund und sind mit der Landschaft verwachsen." Es ließen sich Parallelen zu den Menschen hier feststellen. "Früher sind die Leute vor einem Marterl noch stehen geblieben und haben ein Kreuzzeichen geschlagen", so Winderl. Wenn ein Bauer einst aus irgendeinem Grund ein Marterl errichten wollte, musste er dafür den Gegenwert einer Milchkuh aufwenden. Da diese Kleindenkmäler etwas ganz besonderes seien, sollten sie nicht mit dem Auto abgefahren werden. "Ich bin immer tief ergriffen, wenn ich den Kalvarienberg hinauf gehe. Man wird direkt hineingezogen", sagte er. Aus diesem Grund ist das "Marterl-Buch" nicht nur eine Bestandsaufnahme, sondern zugleich auch ein Wanderführer.

Die Idee, die Klein- und Flurdenkmäler zu erfassen und aufzulisten, stammte ursprünglich von Bürgermeister Hans Sailer. Er hat vor dem Winklarner Heimatfest Schulleiter Sebastian Gabler gebeten, die Feierlichkeiten mit einer geschichtlichen Ausstellung zu unterstützen. "Alfons Binder und ich hatten uns spontan gemeldet", erinnert sich Winderl. Durch ein Schulprojekt ließ sich die Arbeit in den gültigen Lehrplan mit seinen verschiedenen Fächern (Mathematik, Deutsch, Kunst, EDV) einbeziehen. "Kreisheimatpfleger Hubert Teplitzy kam an die Schule, gab sein theoretische Wissen weiter und ging mit den Klassen auch hinaus in die Natur." Bis zum Heimatfest hatten die Schüler acht Schautafeln fertig gestellt und 40 Kleindenkmäler erfasst. Wieder war es der Bürgermeister, der den Wunsch nach einer gedruckten Form äußerte. Das Buch solle dann aber nicht nur 40, sondern alle Marterln enthalten. Da Alfons Binder mittlerweile an der Volksschule in Teunz unterrichtete, holte sich Winderl seine Kollegen Annemarie Mösbauer und Andreas Sorgenfrei mit ins Boot.

Auch die Schüler selbst hätten in einer "AG-Marterl" begeistert weiter gearbeitet. Die größten Sorgen machte sich der Projektleiter des ehrgeizigen Vorhabens um die Finanzierung des Buches. Doch Dank der Regierung der Oberpfalz, des Vereines Naturpark Oberpfälzer Wald und großzügigen Spenden der Jagdgenossenschaft und vieler Vereine habe sich das Projekt verwirklichen lassen. "Der fehlende Betrag wird sich durch den Verkauf des Buches finanzieren", hofft Werner Winderl.

"Sehr fasziniert" zeigte sich der Regierungsvizepräsident Johann Peißl. "Ich durfte das Buch bereits am Wochenende lesen. Unsere Fördermittel sind genau richtig angewandt", freute er sich. Das Projekt habe eine herausragende Bedeutung und sei so etwas wie "ein Leuchtturm in der Oberpfalz". Ebenfalls äußert angetan war Landrat Volker Liedtke: "Ich bin sehr überrascht über die Qualität und den Umfang des Werke. Es ist eine großartige Dokumentation der Geschichte." Großes Interesse zeigt er an dem handlungsorientierten Unterricht. "Es ist sehr interessant, wie der Heimatbegriff erarbeitet worden ist." Kreisheimatpfleger Hubert Teplitzky konnte dem kaum noch etwas hinzufügen: "Die Kinder waren von Anfang an begeistert dabei, die Autoren haben Großartiges geleistet. Ich gratuliere zu diesem wunderbaren Nachschlagewerk."

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