29.03.2018 - 15:32 Uhr
Winklarn

Gespräch mit dem Benediktiner Matthias Karl, der rechten Hand des Abtes der Dormitio-Abtei: Oberpfälzer als Prior in Jerusalem

Als Pilgerseelsorger am See Genezareth ist der Benediktiner Matthias Karl weit über die Oberpfalz hinaus bekannt. Seit wenigen Wochen ist der Oberpfälzer Prior der Dormitio-Abtei in Jerusalem.

Häufig besuchen deutsche Staatsgäste die Dormitio-Abtei. Am ersten Adventssonntag im Jahr 2010 gab es zum Besuch des damaligen Bundespräsidenten Christian Wulff ein Konzert. Bild: Rainer Jensen/dpa
von Alexander Pausch Kontakt Profil

Pater Matthias Karl, was bedeutet die Ernennung zum Prior für Sie?

Pater Mattias Karl: Meine benediktinische Gemeinschaft der Abtei Dormitio von Jerusalem und Tabgha hat am 20. Februar einen neuen Abt gewählt, Abt Bernhard Maria Alter OSB. Unser neuer Abt hat nun mich zum Prior der Abtei ernannt. Ich freue mich über das große Vertrauen, das Abt Bernhard Maria mir mit dieser Ernennung entgegenbringt. Gerne übernehme ich diese Aufgabe und werde deshalb auch von Tabgha nach Jerusalem umziehen, meine Arbeit in der Brotvermehrungskirche und im Pilgerhaus beenden und den Priorendienst in der Abtei beginnen.

Worin bestehen Ihre Aufgaben?

Zuallererst besteht meine Aufgabe darin, Abt Bernhard Maria in der Leitung der Abtei zu unterstützen, zu tun, was der Abt mir aufträgt an Diensten innerhalb und für unsere Mönchsgemeinschaft und an Repräsentation der Abtei nach außen.

Ihre Gemeinschaft hat nach einer längeren Zeit der Vakanz im Februar Pater Bernhard Maria Alter zum Abt gewählt. Ist die Zeit des Übergangs beendet?

Ja. Nach sehr herausfordernden Erfahrungen, sowohl in Jerusalem als auch in Tabgha und nach dem Rücktritt von Abt Gregory hat Pater Nikodemus Schnabel OSB als Prior-Administrator die Leitung unserer Gemeinschaft für 18 Monate übertragen bekommen. Er hat sehr zum Wohle der Gemeinschaft die Übergangszeit von Abt Gregory zu Abt Bernhard Maria verantwortet. Nun beginnt in der Geschichte unserer Abtei ein neues Kapitel und ich darf es mitgestalten, darauf freue ich mich!

Worin bestehen die besonderen Aufgaben und Herausforderungen für die Abtei in der nächsten Zeit?

Vor allem eine große Herausforderung möchte ich nennen. Schon seit Jahren denken wir an eine umfassende Renovierung der Basilika Dormitio, des Klostergebäudes und des Studentenhauses. Das ist an sich schon eine ganz große Aufgabe, arbeitstechnisch und natürlich auch finanziell; noch herausfordernder macht diese Sache natürlich die Situation im Land, insbesondere in Jerusalem. Wir sind überaus dankbar und glücklich, dass die neue Bundesregierung uns dabei helfen wird, wie sogar im Koalitionsvertrag nachzulesen ist.

Bleiben Sie ihrer Arbeit als Seelsorger für die im Heiligen Land lebenden Deutschen treu, oder muss dies Pater Nikodemus Schnabel künftig allein übernehmen?

Als Mönche sind wir natürlich auch Seelsorger, gerade an unseren beiden Orten; Tabgha, der Gedächtnisort der wunderbaren Brotvermehrung, und der Zionsberg in Jerusalem mit der Abendmahls- und Pfingsttradition und eben dem Mariengedächtnis sind herausragende Pilgerorte und damit schon immer auch pastorale und diakonale Orte. Pater Nikodemus hat hier hinzu noch die Auslandsseelsorge als Schwerpunkt und hat dabei besonders die Gemeinde in Tel Aviv im Blick.

Sie müssen für Ihr neues Amt von Tabgha nach Jerusalem ziehen. Fällt der Abschied schwer?

Tabgha ist ein wunderbarer Ort, ein biblischer Ort, in herausragend schöner Lage. Da geht man nicht einfach so weg ... Und Jerusalem ist natürlich eine faszinierende Stadt, in der man gerne lebt. Ich habe großes Glück; unsere beiden Klöster sind an sehr schönen Orten!

Von Schneeberg bei Winklarn nach Jerusalem. Haben Sie sich das träumen lassen?

Oft, sehr häufig ist mein Leben hier im Land des Herrn sehr schön, wie ein schöner Traum; doch wenn ich im Rahmen der Seelsorge und der sozialen Arbeit unserer Gemeinschaft mit dem Lebensschicksal so mancher Bürger dieses Landes konfrontiert werde, dann hat das etwas, ja, viel von einem Albtraum. Und doch lebe ich sehr gerne hier. Es ist sehr schön im Heiligen Land, und ich bin sehr glücklich, dass ich hier sein darf.

Vor kurzem war die Grabeskirche aus Protest geschlossen. Die politischen Spannungen dauern an. Was raten Sie Gläubigen, die eine Pilgerreise ins Heilige Land planen?

Dran bleiben und kommen. Selbstverständlich kommen. Eine Pilgerreise ins Heilige Land ist für jeden gläubigen Menschen ein großer Gewinn. In den Fußspuren Jesu von biblischem Ort zu biblischem Ort zu gehen, vor allem aber auch das stille Verweilen an den Heiligen Stätten, ist ein Übung, die uns zu tieferem Glauben und stärkerem Vertrauen hilft. Niemand sollte sich vom Vorhaben einer Pilgerreise ins Heilige Land abbringen lassen; solche Reisen sind ein wichtiges Zeichen der Solidarität mit den Christen in Israel und Palästina und für einen selbst eine enorm bereichernde Erfahrung.

Wollen Sie noch etwas hinzufügen?

An diesem Wochenende feiern wir auf Ostern, das Fest des Lebens. Ich wünsche Ihren Leserinnen und Lesern segensreiche Tage und erneuerte Freude am Glauben, eine wachsende Sehnsucht nach tiefer Gottesbeziehung und großherziger Liebe zu den Menschen.

 

 

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