10.02.2017 - 12:20 Uhr
WinklarnOberpfalz

Nach Brandanschlag auf Tabgha am See Genezareth: Atrium neu eingeweiht

Der Brandanschlag auf das Kloster Tabgha am See Genezareth im Sommer 2015 hat die Benediktiner ins Mark getroffen. Die Solidarität und der Wiederaufbau stiften neue Hoffnung. An diesem Sonntag wird das Atrium der Kirche wieder eingeweiht.

von Alexander Pausch Kontakt Profil

In Tabgha am See Genezareth herrscht neue Aufbruchstimmung - nicht weil der Frühling schon zu spüren ist, sondern weil die Schäden des Brandanschlags jüdisch-nationalistischer Extremisten auf das Benediktinerkloster und die Brotvermehrungskirche vom Juni 2015 endlich beseitigt sind. An diesem Sonntag wird das neue Atrium geweiht. Zur Messfeier kommt neben dem Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki als Präsident des Deutschen Vereins vom Heiligen Lande (DVHL) auch der israelische Präsident Reuven Rivlin, teilte der Verein mit. Das Staatsoberhaupt hatte die Einrichtung bereits kurz nach dem Anschlag besucht.

Entmutigen wollten sich die Benediktiner von dem Brandanschlag auf Tabgha nie lassen, aber das Attentat hat Spuren in der Gemeinschaft hinterlassen. Denn auch die Dormitio-Abtei in Jerusalem, zu dem das Priorat in Tabgha gehört, war mehrfach Ziel von Angriffen jüdisch-nationalistischer Extremisten, den "Hooligans der Religion", wie Pater Nikodemus Schnabel diese Gewalttäter nennt. Der bisherige Pressesprecher ist noch bis Frühjahr 2018 Prior-Administrator der Gemeinschaft auf dem Jerusalemer Zionsberg und in Tabgha weil Abt Gregory Collins im Juni 2016 zurückgetreten ist.

Oberpfälzer in Tabgha

"Wir Benediktinermönche in Tabgha freuen uns sehr, dass wir 20 Monate nach dem Brandanschlag die Segnung des wieder aufgebaute Atriums feiern können", schreibt Pater Matthias Karl unserer Zeitung. Der Benediktiner stammt aus Schneeberg, einem Ortsteil von Winklarn (Kreis Schwandorf). Im Jahr 1997 wurde er in Regensburg zum Priester geweiht. Nach einigen Jahren im Dienst des Bistums legte er im Jahr 2009 in der Dormitio-Abtei, dem Mutterhaus von Tabgha, die ewige Profess ab. Von 2009 bis 2012 und wieder seit Sommer 2014 lebt er in Tabgha.

Mit der Feier der Segnung des wieder aufgebauten Atriums erfährt diese schreckliche Erfahrung einen glücklichen Akzent, der uns Kraft gibt, für unseren Dienst an diesem schönen biblischen Ort der Brotvermehrung.Pater Matthias Karl OSB, Benediktiner aus der Oberpfalz, der in Tagbha lebt.

"Für uns Benediktiner war der Brandanschlag im Juni 2015 ein großer Schrecken", sagt Pater Matthias. Durch die Segnung des wieder aufgebauten Atriums erfahre diese schreckliche Erfahrung einen glücklichen Akzent, "der uns Kraft gibt für unseren Dienst an diesem schönen biblischen Ort der Brotvermehrung". Nun sei das Atrium wieder so schön, wie es zuvor war. "Es empfängt die vielen Pilger und Touristen, die das ganze Jahr über die Brotvermehrungskirche besuchen kommen."

Hilfe durch Spender

Der Oberpfälzer Benediktiner dankt, wie Pater Basilius Schiel, der Prior von Tabgha, den Wohltätern und Spendern. Denn die Finanzierung des Wiederaufbaus stand lange auf wackeligen Beinen. "Die unmittelbar nach dem Anschlag versprochenen Zahlungen der israelischen Regierung mussten langwierig verhandelt werden und fielen am Ende deutlich geringer aus als ursprünglich angekündigt", beklagt Heinz Thiel, Generalsekretär des Deutschen Vereins vom Heiligen Lande, dem die Brotvermehrungskirche gehört.

Den Gesamtschaden in Tabgha beziffert Pater Basilus auf 1,3 Millionen Euro: 950 000 Euro für den Wiederaufbau sowie 350 000 Euro für Sicherungsmaßnahmen nach dem Anschlag, die Aufräumarbeiten und den Verdienstausfall aus dem Klosterladen. Der Staat Israel beteiligt sich bislang mit 370 000 Euro an den Kosten. Der Großteil der Summe sei von Spendern gekommen. Weder die Benediktiner noch der Heilig-Land-Verein hätten diese Summe aus dem Jahresetat aufbringen können.

"Wir befürchten keine neuen Anschläge. Aber wissen wir, dass auch wir in Tabgha Ziel von Extremisten sein können", sagt Pater Matthias. Wegen des Brandanschlags haben die Benediktiner in Tabgha nun die ganze Nacht über einen Wächter auf ihrem Gelände. "Diese Sicherheitsmaßnahme ist natürlich eine Beruhigung, für uns selbst und für all unsere Gäste, besonders auch für jene, die Ferientage in unserer Jugend- und Behinderten-Begegnungsstätte Beit Noah verbringen."

Jüdische Solidarität

Zuversicht ziehen die Benediktiner aus dem Zuspruch und der Solidarität, die sie seit dem Anschlag erlebt haben. "Da war es für uns Mönche besonders anrührend, dass auch viele Juden Solidarität gezeigt haben, durch Besuche, Briefe, E-Mails, aber auch mit zum Teil sehr beachtlichen Spenden", sagt Pater Matthias. Das sei ein sehr beachtliches und wohltuendes Zeichen. "Gerade auch das gibt uns viel Zuversicht für unser Leben hier in Israel."

Priorat Tabgha und Beit Noah

Tabgha am Nordwestufer des Sees Genezareth gilt als Ort der Brotvermehrung Jesu. Zusammen mit it Kafarnaum und dem Berg der Seligpreisungen gehört der Ort zum "Evangelischen Dreieck", jener Region, in der sich Jesus häufig aufhielt. Die Benediktiner betreuen die Brotvermehrungskirche und ihre Besucher - Stundengebet, Messe oder auch nur ein Gespräch, die Mönche führen ein offenes Haus.

Das Priorat Tagbha gehört zur deutschsprachigen Gemeinschaft der Benediktiner, die in der Dormitio-Abtei auf dem Berg Zion in Jerusalem ihren Hauptsitz hat. Im der Begegnungsstätte Beit Noah, die dem Priorat angliedert ist, ermöglichen die Benediktiner israelischen und arabischen Behinderten und Kriegsverletzten, sowie Kindern und Jugendlichen Urlaub zu machen. Dieser so soll diese aus ihrem konfliktbelasteten Alltag holen. Da die Benediktiner meist nur einen symbolischen Beitrag nehmen, um die Gruppen zu unterstützen, sind sie auf Spenden angewiesen. (paa)___Das Priorat Tabgha im Internet:www.tabgha.net

Spendenkonto:
Abtei Dormitio Jerusalem e.V.
Liga Bank eG
Bic GENODEF1M05
Iban DE98 7509 0300 0002 1802 78

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.